Kaiserslautern
Selbsthilfegruppe für Cochlea-Implantat-Träger soll ins Leben gerufen werden
In regelmäßigen Abständen öffnet das CI-Café für Cochlea-Implantat-Träger und Interessierte. Mit einer „Selbsthilfegruppe Cochlea-Implantat Kaiserslautern“ soll das Angebot für Betroffene jetzt ausgeweitet werden. Die Initiative zur Gründung der Selbsthilfegruppe CI geht auf Patricia Koster-Crumb zurück. Die 56-jährige Medizinische Fachangestellte ist selbst Trägerin eines Cochlea-Implantats. Seit 25 Jahren ist sie auf eine elektronische Hörprothese angewiesen. „Über Nacht war ich plötzlich auf dem rechten Ohr taub“, berichtet sie. Auf der HNO-Station des Westpfalz-Klinikums wurde sie operiert und bekam Infusionen. „Doch es hat sich nichts getan“, sagt sie. In der Uniklinik in Homburg unterzog sie sich einer weiteren Operation. „Ein Hörsturz, der zu einem Infarkt des Ohrs geführt hatte. Man konnte nichts mehr machen“, erläutert sie ihre Situation.
Um ihr Hörvermögen wieder zu reaktivieren, ließ sich Koster-Crumb vor zehn Jahren in der HNO-Abteilung des Westpfalz-Klinikums ein Cochlea-Implantat einsetzen. „Ich war damals die zweite Patientin, die sich der Operation unterzogen hat. „Ich habe lange überlegt, ob ich das machen soll.“ Heute ist sie froh, den Schritt getan zu haben. „Ein Cochlea-Implantat ist eine elektronische Hilfe, den Hörnerv zu stimulieren und das Hören und Sprachverständnis wieder zu ermöglichen,“erläutert Koster-Crumb.
Implantat sitzt in der Hörschnecke
Das Implantat besteht aus zwei Komponenten. Einem externen Teil, dem Sprachprozessor, der wie ein Hörgerät hinter dem Ohr getragen wird, und einem internen Teil, einem Implantat, das unter die Haut hinter das Ohr in die Hörschnecke (Cochlea) eingesetzt wird. Hörgerät und Implantat werden äußerlich mit einem dünnen Draht und einem Magneten verbunden. „Vor der OP muss man keine Angst haben“, ermutigt Koster-Crumb Betroffene. Seit der Operation hat sie annähernd 80 Prozent ihres Gehörs auf dem erkrankten Ohr wiedergewonnen.
Mit dazu beigetragen hat ein Aufenthalt in der „Bosenberg Klinik“, eine Fachklinik für HNO, Hörschädigung, Tinnitus und Cochlea-Implantat in St. Wendel. Beim Hörtraining zu Hause hilft ihr ein PC-Programm. Der Weg, den Koster-Crumb bis heute gegangen ist, hat ihr „viel Lebensqualität“ zurückgegeben. Die Kosten für ein Cochlea-Implantat, die Operation und die Rehabilitation in Höhe von etwa 40.000 Euro werden in der Regel von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.
Immer mehr Betroffene in Deutschland
Warum ist Koster-Crumb neben dem bereits vorhandenen CI-Café an der Gründung einer „Selbsthilfegruppe Cochlea Implantat“ gelegen? Sie wolle auf ein Problem hinweisen, von dem in Deutschland viele Menschen betroffen seien, aber von dem zu wenig Notiz genommen werde. „Rund 60.000 Frauen und Männer leben mit einem Cochlea-Implantat und die Zahl der Nutzer steigt. Jährlich werden 3000 bis 5000 neue CI eingesetzt“, sagt sie. Koster-Crumb möchte raus aus dem gesicherten Raum, und sagen: „Uns gibt es, wir sind hier.“
Im Gegensatz zum CI-Café könne eine Selbsthilfegruppe andere und weitgehendere Forderungen gegenüber der Gesellschaft stellen. „Warum nicht eine Stadtführung für Gehörlose? Oftmals verstecken sich Betroffene. Frauen lassen sich die Haare länger wachsen, um den Deckel des Cochlea-Implantats dahinter zu verstecken.“ Hörbehinderte fielen oft hinten runter und wurstelten sich durchs Leben, zeigt sie sich als Anwältin Hörgeschädigter.
Die „Hörreise“ nach der Implantation sei ein sehr individueller Prozess, der ein systematisches Hörtraining erfordert. Ziel sei es, Sprache und Geräusche wieder sicher zu verstehen. „Auf dieser spannenden Reise möchten wir Betroffene mit Rat und Tat unterstützen“, betont Koster-Crumb. Angedacht ist ein regelmäßiger Erfahrungsaustausch, Hilfestellungen bei Problemen und Informationen zu Reha-Möglichkeiten. Der Besuch der Selbsthilfegruppe ist kostenfrei und vertraulich.
Gründung
Die Selbsthilfegruppe „Cochlea Implantat Kaiserslautern“ soll am Donnerstag, 11. Juni, ins Leben gerufen werden. Um 16.30 Uhr treffen sich Interessierte in der HNO-Klinik des Westpfalz-Klinikums Kaiserslautern. Anmeldung bei Patricia Koster-Crumb, E-Mail: kostercrumb@yahoo.de.