Kaiserslautern Schlechte Nachrichten für Achenbach
Der Bundesgerichtshof (BGH) hat die sechsjährige Haftstrafe gegen den Kunstberater Helge Achenbach nach Angaben seines Verteidigers bestätigt. Der zuständige Senat habe die Revision gegen das Urteil des Landgerichts Essen trotz Korrekturen „im Wesentlichen“ verworfen, teilte Achenbachs Verteidiger Thomas Elsner gestern mit. Die Freiheitsstrafe von sechs Jahren bleibe bestehen.
„Das Urteil ist damit rechtskräftig“, erklärte Elsner. „Herr Achenbach hat sich innerlich in letzter Zeit schon darauf eingestellt. Sein Blick ist nach vorne gerichtet.“ Der 64-jährige Achenbach war am 10. Juni 2014 festgenommen worden und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Das Landgericht Essen hatte Deutschlands bekanntesten Kunstberater im März 2015 wegen Millionenbetrugs an dem Aldi-Erben Berthold Albrecht und dem Pharma-Unternehmer Christian Boehringer zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Allein im Fall Albrecht sei ein Schaden von fast 20 Millionen Euro entstanden. In dem spektakulären Prozess hatte Achenbach gestanden, seinen 2012 gestorbenen Duzfreund Albrecht bei Kunstverkäufen mit verdeckten Preisaufschlägen betrogen zu haben. Der BGH habe im Komplex Boehringer die verhängten Einzelstrafen reduziert und ein weiteres Verfahren wegen versuchten Betruges zum Nachteil eines Ehepaares ganz eingestellt, erklärte Elsner. Dennoch sei selbst bei Berücksichtigung dieser Reduzierungen auszuschließen, dass das Landgericht auf eine niedrigere Gesamtfreiheitsstrafe verhängen würde. Helge Achenbach war bis zum 10. Juni 2014 einer der schillerndsten Figuren in der deutschen Kunstszene. Er reiste um die Welt, flanierte mit millionenschweren Kunden über die Kunstmessen von Basel bis Miami, fädelte Deals zwischen Großunternehmen und Museen in New York ein, schmiss glamouröse Partys. Das änderte sich auf einen Schlag kurz nach Pfingsten 2014, als Achenbach am Flughafen Düsseldorf festgenommen wurde. Zuvor hatte er noch das WM-Quartier der Fußball-Nationalelf in Brasilien mit Kunst bestückt. Seit zwei Jahren sitzt Deutschlands bekanntester Kunstberater in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt Essen. Die zwei Jahre U-Haft würden auf das Urteil angerechnet, so dass der einstige Tausendsassa der rheinischen Kunstwelt theoretisch jetzt sein „Bergfest“ im Knast feiern könnte. Denn üblicherweise werden Haftstrafen bei bestimmten Voraussetzungen nach zwei Dritteln zur Bewährung ausgesetzt. Im Gefängnis arbeitet Achenbach inzwischen als Sportwart – und er hat sich neu erfunden. Aus dem Kunstberater ist ein Maler geworden. Sein erstes großes Bild, ein Alpenpanorama, wird am 18. Juni im Kölner Auktionshaus Van Ham versteigert – zusammen mit Restbeständen aus seinem inzwischen zerschlagenen Firmengeflecht. Der Erlös aus dem Achenbach-Erstlingswerk geht nicht an den Insolvenzverwalter, sondern als Spende an die Flüchtlingshilfe. Schon vergangenes Jahr waren in einer Auktionsserie mehr als 2400 Kunstwerke aus dem Firmenlager Achenbachs für insgesamt rund 7,5 Millionen Euro versteigert worden. Dem gegenüber stehen Gläubigerforderungen in zweistelliger Millionenhöhe. (dpa)