Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Schauspielerin aus Kaiserslautern demnächst im „Tatort“

Ulrike Willenbacher gehört zu Münchens erster Schauspieler-Garde.
Ulrike Willenbacher gehört zu Münchens erster Schauspieler-Garde. Foto: ARD/frei

Die Schauspielerin Ulrike Willenbacher wird zurzeit am Münchner Residenztheater heftig gefeiert. In den „Verlorenen“ – einem Stück des Lasker-Schüler-Preisträgers Ewald Palmetshofer – spielt die gebürtige Lautererin eine verhärmte alte Jungfer. Demnächst ist sie wieder einmal im Fernsehen zu sehen: als Rentnerin im Freiwilligendienst einer Hilfsorganisation im „Tatort“.

Im Kino hatte sie 2018 großen Erfolg mit der Tragikomödie „Dinky Sinky“, in der sie eine Mittfünfzigerin spielt, die per Partnerbörse einen neuen Mann kennen gelernt hat. Auf Bühne, Bildschirm und Leinwand läuft es gleichermaßen gut für die Aktrice aus der Pfalz, die in der Isarmetropole längst zur ersten Schauspieler-Garde zählt.

Ab 1983 war sie zunächst an den Münchner Kammerspielen engagiert, ehe sie 2001 mit Regisseur Dieter Dorn ans „Resi“ wechselte. Ohnedies scheint der Theater-Titan ein Faible für Pfälzerinnen zu haben. Immerhin besetzte er „Leichtes Spiel“ seines bevorzugten Stückelieferanten Botho Strauß mit gleich drei Lautererinnen: Lisa Wagner wurde inzwischen als TV-„Kommissarin Heller“ bekannt, Katharina Hauter spielte neben Rainer Furch und Daniel Mutlu im Film „Ein Geschenk der Götter“ des Pfalztheater-Regisseurs Oliver Haffner. Ulrike Willenbacher schließlich wurde schon 1994 von der „Zeit“ als „wunderbare, ewig unterschätzte Komikerin“ gefeiert, die im Bühnenstück „Die Nationalgaleristen“ von Simone Schneider einen „Triumph“ feierte.

Von der Lauter an Main, Limmat und Isar

Ihr Elternhaus in Kaiserslautern sucht die 64-Jährige, die mit dem Schweizer Künstler Urs Lüthi verheiratet ist, noch regelmäßig auf. Hier hat sie das Burg- und das Hohenstaufen-Gymnasium besucht. Ihr ursprüngliches Vorhaben, Psychiatrie zu studieren, gab sie nach ein paar Semestern in Reims auf. Stattdessen nahm sie Schauspielunterricht an der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst sowie in Los Angeles bei Lee Strasberg.

Ihr Bühnendebüt gab sie 1977 im Theater am Turm in Frankfurt, danach spielte sie an den Städtischen Bühnen und wechselte 1979 ans Zürcher Theater am Neumarkt. Für den Schweizer Rundfunk nahm sie damals eine Hörspielfassung des Christopher-Durang-Stücks „Trotz aller Therapie“ auf, in der auch der spätere Pfalztheater-Akteur Reinhard Sannemann mitwirkte.

Ulrike Willenbacher ist eine stille, behutsame Schauspielerin, die auf sanfte Weise den Untiefen im Seelenleben ihrer Figuren nachspürt. Das Vordergründige und Grobe ist ihre Sache nicht, wiewohl sie auch grellen Karikaturen wie in Molières „Tartuffe“ glaubhaft Kontur verleiht; in dieser Rolle war sie 2018 in einer Inszenierung des Residenztheaters bei den Festspielen Ludwigshafen zu erleben.

An den Bühnen des Bayerischen Staatsschauspiels hat Ulrike Willenbacher in den vergangenen dreieinhalb Jahrzehnten für ungezählte wunderbare Theatermomente gesorgt. Ihr Repertoire reicht von den Klassikern (Trojanerin in „Hekabe“ von Euripides, Kurfürstin in Kleists „Prinzen von Homburg“) bis zur Moderne (Beckets „Endspiel“, Millers „Hexenjagd“, Jelineks „Wolken-Heim“).

Einhelliges Kritikerlob in Stück von Sarah Kane

Einhelliges Kritikerlob bekam sie als verzweifelte Titelheldin in „Phaedras Liebe“ von Sarah Kane. Sie gestaltete Lesungen mit Texten von Thomas Bernhard, spielte unter Regisseuren wie Langhoff, Schlöndorff, Herzog, Kroetz, Stückl und immer wieder Dorn, drehte Kinofilme und Fernsehspiele. Große Namen, große Erfolge. Ihr einziger Kommentar dazu lautet: „Es ist aufregend, wenn man mit so tollen Leuten gute Stücke machen kann.“

Vielleicht ist diese Zurückhaltung ja aufs pfälzische Blut zurückzuführen. Ihr Lauterer Vater war der bekannte Rechtsanwalt, ihre opernbegeisterte und musikliebende Mutter stammte aus dem Rheinland. „Mindestens alle zwei Monate“, sagt sie, zieht es sie an die Lauter zurück. Zu Beginn ihrer künstlerischen Tätigkeit habe sie „einfach nur weg“ gewollt aus der Heimatstadt. Der Berufswunsch Schauspielerin habe auf ihr Umfeld „schon sehr ungewöhnlich“ gewirkt. Heute dagegen schwärmt sie von der Natur des Pfälzerwalds und der „guten Luft, die so ganz anders ist als die einer Millionenstadt wie München“.

Molière und „Tatort“ als Weihnachtsprogramm

Inzwischen ist auch ihre Tochter Maria Lüthi eine erfolgreiche Schauspielerin, gemeinsam standen beide für den Film „Madrid“ vor der Kamera. Die Mutter hat soeben einen neuen Film mit der „Dinky-Sinky“-Regisseurin Mareille Klein abgedreht, der 2020 in die Kinos kommen soll. Im Fernsehen war Ulrike Willenbacher zuletzt als einsame Hundeliebhaberin in einer Folge der Serie „Um Himmels Willen“ zu sehen, der „Tatort“ wird am 26. Dezember im ARD-Programm ausgestrahlt.

Bis dahin ist die Lautererin in München, die bei Bedarf durchaus noch die heimische Mundart sprechen kann, mit Probenarbeit beschäftigt: Am 20. Dezember hat sie am Residenztheater Premiere mit Molières „Eingebildetem Kranken“, in dem sie den Notar spielt.

Neben ihrer erfolgreichen Bühnentätigkeit am Bayerischen Staatsschauspiel nimmt sich Ulrike Willenbacher auch die Zeit zu Drehar
Neben ihrer erfolgreichen Bühnentätigkeit am Bayerischen Staatsschauspiel nimmt sich Ulrike Willenbacher auch die Zeit zu Dreharbeiten für Kinofilme und Fernsehproduktionen. Foto: ARD/frei
In einer Folge der beliebten Serie „Um Himmels Willen“ war Ulrike Willenbacher kürzlich neben Janina Hartwig (rechts) als einsam
In einer Folge der beliebten Serie »Um Himmels Willen« war Ulrike Willenbacher kürzlich neben Janina Hartwig (rechts) als einsame Hundeliebhaberin zu sehen. Foto: ARD/frei
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