Kaiserslautern
Ronnie-Hellström-Weg: Eine Straße für den fliegenden Wikinger
Schweden gelten gemeinhin als bescheidene Menschen. Das gilt für den einstigen Weltklasse-Torwart Ronnie Hellström genauso wie für seine Tochter Veronika. Denn bei aller Freude über die Wertschätzung und Ehrerbietung für ihren vor gut drei Jahren verstorbenen Vater war auch viel Demut bei ihr zu spüren. Auch das eine oder andere Tränchen floss am Donnerstagmittag, als sich einstige Weggefährten und Morlauterer Bürger zur Enthüllung des Straßenschildes einfanden, um an den ehemaligen Torwart des 1. FC Kaiserslautern zu erinnern.
Hellströms Sehnsucht nach Kaiserslautern
Gebannt lauschten die rund 100 Gäste ihren Worten, als Veronika Hellström von ihrer Kindheit am Kieferberg in Morlautern erzählte, „meiner ersten richtigen Heimat“. Sie war drei, als ihr Vater nach der Weltmeisterschaft 1974 nach Kaiserslautern wechselte. Gemeinsam mit ihrer Schwester Christel besuchte sie die Grundschule, in Erinnerung geblieben sind ihr aber auch Kerwe, Fasnacht des Turnvereins und Martinsumzug. Und sie erinnert sich an das Heimweh des Vaters, erst nach Schweden, dann nach Kaiserslautern.
Denn als er erfahren hatte, dass seine Zeit begrenzt sein wird, wollte er unbedingt noch einmal zurück in seine „zweite Heimat“, nach Morlautern, ins Fritz-Walter-Stadion, zu seinen einstigen Teamkameraden – und zu den Fans, die ihn bewundert und verehrt haben. Doch Ronnie Hellström wurde von Tag zu Tag schwächer, ein Wiedersehen fand nicht mehr statt. Noch auf dem Krankenbett unterschrieb er ungezählte Autogrammkarten, eine Art Nachlass für folgende Generationen. Tochter Veronika überreichte allen Anwohnern des Ronnie-Hellström-Wegs ein Exemplar der Autobiografie „Der fliegende Wikinger“. Samt Autogrammkarte.
„Nicht viele Schweden bekommen eine eigene Straße“
Diese Ehre sei „unfassbar und macht den Tag ganz besonders“, sagte sie. Die Rührung war ihr anzumerken, als sie die Ereignisse des Tages in einen Satz fasste: „Nicht viele Schweden bekommen eine eigene Straße.“ Sie wisse nur von einer Olof-Palme-Straße, die es tatsächlich in einigen deutschen Städten gibt und die an den einstigen Staatsmann und schwedischen Ministerpräsidenten erinnert.
Neben dem Beiratsvorsitzenden Rainer Keßler, Vorstandsmitglied Tobias Frey, Ehrenratsmitglied Ottmar Frenger und zahlreichen Fanvertretern war vom 1. FCK natürlich auch Sepp Stabel der Einladung gefolgt. Stabel und Hellström waren Konkurrenten auf der Torhüter-Position, „sind aber gute Freunde geblieben“. Bis kurz vor seinem Tod stand Stabel mit Hellström in Kontakt, reiste gemeinsam mit Keßler auch zur Beerdigung nach Schweden. Stabel schwärmt noch heute: „Er war ein großartiger Sportler und ein noch großartigerer Mensch.“
Ehrung des Fußballers und vor allem des Menschen
Für Rainer Keßler war die Verpflichtung Hellströms ein „Glücksfall“. Er habe maßgeblich den guten Ruf des Vereins auf internationaler Ebene mitbegründet. Keßler erinnerte an den 5:0-Sieg im Europapokal gegen Real Madrid. Mit der Benennung einer Straße werde nicht nur der Fußballer Hellström, sondern vor allem der Mensch ausgezeichnet, sagte Keßler.
Morlauterns Ortsvorsteher Alexander Lenz, der eigens für diesen Anlass ein Lied produziert hatte, verwies auf die zahlreichen Verbindungen von Ronnie Hellström zu seiner einstigen Heimat. So sei bei dessen Abschiedsspiel nicht nur ein Feuerschlucker aus Morlautern aufgetreten, auch die Autobiografie wurde im Sportheim des SV Morlautern vorgestellt. „Auch ohne Titel war Ronnie ganz besonders – einfach ein guter Kerl, der nie etwas Negatives über andere gesagt hat.“
Einige Häuser stehen bereits
Als vor einiger Zeit in Morlautern dann ein Pate für eine Straße gesucht wurde, fiel die Wahl nicht schwer. Dabei seien die Hürden hierfür sehr hoch, sagte Lenz. Die Bestimmungen sehen vor, eine solche Entscheidung mit Vorsicht und Zurückhaltung zu treffen, empfohlen werde zudem eine Karenzzeit von fünf Jahren nach dem Tod. Schelmisch fügte er an: „Das hat der Ortsbeirat Morlautern leider übersehen.“
Einige Häuser stehen bereits im Ronnie-Hellström-Weg oder werden gerade gebaut. Wie das Projektentwickler-Team der Lautrer Bauunternehmung Aruqi „ganz nebenbei“ mitteilte, sind noch Bauplätze vorhanden. Vielleicht lässt sich dieses Angebot der eine oder andere FCK-Fan, der gerade auf der Suche nach einem Bauplatz ist, durch den Kopf gehen. Ein Ronnie-Hellström-Weg auf der Visitenkarte ziert schließlich jeden eingefleischten Fußballfan.
