Wo isst Kaiserslautern?
Restauranttest: Im Firenze umweht einen der Charme von Bella Italia
„Buongiorno, come sta? Wie geht’s?“, im Firenze begrüßt Senior-Chef Francesco Daneluzzi seine Gäste mit einer gewissen Portion italienischer Herzlichkeit. Und per Handschlag – auch die, die er nicht kennt, so wie uns. In einer kleinen, abgetrennten Nische nehmen wir an einem Tischchen Platz. Es ist gemütlich, aber wer das Firenze nicht kennt, muss sich erst einmal orientieren. Denn rund herum gibt es jede Menge zu sehen, Bilder – schwarz-weiß und bunt, groß- und kleinformatig – an Säulen und Wänden, eine alte Waage, kleine Figürchen, jede Menge Weinflaschen als zusätzliche Dekoelemente – und dazwischen immer wieder präsent: Fanschals, die auf die Fußballleidenschaft des Inhabers hinweisen. Der FCK ist da ebenso vertreten, wie Trikot und Schal des italienischen Serienmeisters Juventus-Turin.
Seit über 50 Jahren ist das italienische Lokal in der Steinstraße Daneluzzis berufliche Heimat. In diesem Jahr hat er die Leitung an seinen früheren, langjährigen Mitarbeiter Denis Bergamasco abgegeben. In der Küche steht Devis Daneluzzi, Francescos jüngster Bruder. Geblieben ist die Speisekarte: Suppen, Vorspeisen, Pizza, Ofengerichte, Pasta und mehr – alles, wie man es beim Italiener erwartet. Da gibt es Carpaccio mit Rucola, Insalata di pomodoro e mozzarella, Burrata, italienischen Schinken, Combinazione oder Lasagne. Wobei die Speisekarte zunächst ein paar Rätsel aufgibt, denn während Vorspeisen und Pizzavarianten aufgelistet sind, bleiben Pasta-, Fisch- und Fleischliebhabern die Gerichte zunächst verborgen. Der Hinweis „auf Anfrage“ macht deutlich: Im Firenze wird je nach Saison und Einkauf – nach Geschmack von Chefkoch Daneluzzi – gekocht. Geblieben ist auch die Herzlichkeit, denn Francesco, wie ihn eigentlich alle nennen, ist nach wie vor zusammen mit Bergamasco präsent. Er serviert, deckt ein, empfiehlt seiner Kundschaft die Spezialitäten des Tages. Eine bella canzone hat er dabei fast durchgehend auf den Lippen. Der Plausch mit den Gästen gehört im Firenze dazu.
In Kaiserslautern eine Institution
Wir bleiben bei unserer Speisenwahl klassisch: Bestellen den Insalata italiana piccola, eine große vegetarische Pizza und von der Tageskarte Penne mit Salsiccia-Ragú.
Dass das Firenze seit vielen Jahrzehnten für seine vielen Stammgäste zur Institution geworden ist, dass hier Unternehmer, Sportler, Künstler, aber eben auch alteingesessene Lautrer zusammenkommen, lässt sich durchaus nachvollziehen. Daneluzzi ist mit den meisten seiner Gäste per Du, vornehme Distanz ist nicht sein Ding. Der Service ist angenehm, unaufgeregt. Obwohl das Lokal für einen Dienstagmittag recht gut besucht ist – einige Tische bleiben aber frei – kommt hier in den knapp zwei Stunden nie Hektik auf. Es gibt kein störendes Tellergerappel beim Abservieren, im Hintergrund spielt nur leise die Musik – italienische Klassiker wie Azzurro.
„Prego, buon appetito“ – nach kurzer Wartezeit gibt’s den italienischen Salat mit Schinken-Käsestreifen, die man ein bisschen auseinanderfriemeln muss, um mit jeder Gabel etwas davon abzubekommen. Das dazu gereichte Brot ist frisch, noch leicht lauwarm. Dressing ist bereits am Salat – wer nachwürzen will, kann dies mit Essig und Öl, Salz und Pfeffer tun, das wie in Italien zum Salat auf den Tisch kommt.
Einfach, aber gut
Den ein oder anderen flotten Spruch gibt’s beim Servieren gratis dazu. Bei den Gästen kommt dies gut an, man schätzt die offene, herzlich italienische Art, die durch das Firenze weht. Daneluzzi und Bergamasco ergänzen sich. Da scheinen zwei dieselbe Philosophie zu leben.
Die Speisen sind gut, wenn auch einfach gehalten. Die Penne sind bissfest, das Wurst-Ragú ist kräftig abschmeckt. Das mundet gut. Mit der Salsiccia – einer groben italienischen Bratwurst, häufig mit Fenchel gewürzt – wurde auf dem Teller nicht gespart. Ebenfalls ein Pluspunkt. Parmesan gibt es in einem Schälchen reichlich dazu, sodass jeder das Nudelgericht nach seinem Geschmack verfeinern kann. Allein die Anrichteweise könnte noch etwas eleganter sein: Ein Basilikumblättchen obenauf, ein paar Gemüsestücke – Tomatenwürfelchen vielleicht – in der Soße für den extra Biss wären auch für das Auge schön.
Cantuccini als krönender Abschluss
Auch die Pizza überzeugt. Italienische Kinder lernen, als Zeichen, dass es ihnen schmeckt, den Zeigefinger auf der Backe aufzusetzen und ihn hin- und herzudrehen. Das wäre hier auf jeden Fall angemessen. Die Pizzaiola ist sehr gut gewürzt, der Teig an den Rändern schön knusprig. Belegt ist die vegetarische Variante mit Zwiebeln, Tomaten, Pilzen, schwarzen Oliven und Peperoni. Die sind glücklicherweise ganz mild. Das passt alles gut zusammen, anderes Gemüse als Belag ist gar nicht nötig.
Die Portionen sind nicht sonderlich groß, für eine Vorspeise ist da in jedem Fall – wie bei uns – noch Platz. Preislich liegt das Firenze absolut im Schnitt heutiger Restaurants, die von uns bestellte große Pizza kostet beispielsweise 14 Euro. Zum Abschluss gönnen wir uns einen Espresso, der – zu unserer Überraschung –, aufs Haus geht. Dazu reicht der Senior-Chef frisch gebackene Cantuccini. Die sind hervorragend: lecker marzipanig, mit großen Mandelstücken und wunderbar weich, sodass sie uns, auch ohne dass wir sie in den Kaffee eindippen müssen, restlos überzeugen. Das dafür ausgesprochene Lob an die Küche freut Daneluzzi sichtlich. Vom Tablett voller Cantuccini, das er daraufhin vorbeibringt, dürfen wir dann sogar noch einmal zugreifen.