Kaiserslautern Radiophilharmonie beglückt mit Operettenmelodien
Die Deutsche Radio Philharmonie (DRP) widmete sich der sogenannten leichte Muse, die man nicht (mehr!) auf die sprichwörtlich leichte Schulter nimmt. Zunächst kamen nostalgisch verklärte Gefühle auf, denn die Programmzusammenstellung mit Wiener Operettenmelodien von Johann Strauß, ungarischem Kolorit durch den Emmerich Kálmán sowie Walzerseligkeit durch Franz Lehár traf genau den Publikumsgeschmack.
Gastdirigent Benjamin Reiners ist ein Spezialist für dieses Genre, seit er in jungen Jahren am Münchner Gärtnerplatztheater dieses Sujet als Kapellmeister kennen und schätzen lernte. Er führte das Orchester inklusive der bestens disponierten Streicher mit Tenor Kieran Carrel als Solist zu klanglicher Homogenität. Der Generalmusikdirektor des Theaters Chemnitz mit reichlich Erfahrung hatte alles im Griff, leitete mit Übersicht, fand die passenden beschwingten, aber nie überzogenen Tempi, und balancierte klanglich geschickt.
Urtümliche Musizierlust
Die Spielfreudigkeit der DRP und ihre musikantische Begeisterung zeigten spätestens mit diesem eindrucksvollen Konzert, dass das Orchester doch auch im Sektor der traditionellen Programmgestaltung angekommen ist. Da schwang durchaus das leuchtende Feuer einer urtümlichen Musizierlust mit, und alles wirkte sehr expressiv.
Ohnehin ist die Bezeichnung der „leichten Muse“ etwas irreführend. Vom Anforderungsprofil her sind Ouvertüren wie die vorgestellten von Franz von Suppé („Schöne Galathee“) oder „Donna Diana“ von Emil Nikolaus von Reznicek alles andere als leicht und seicht: Mit Brillanz und Rasanz fegt hier ein Wirbelsturm durch die Partituren, fordert ein Höchstmaß an Spieltechnik, Konzentration und feinste Ziselierung, was vorzüglich gelang.
Rückkehr zu alten Tugenden
Die Ernüchterung besteht nun allerdings in der bitteren Erkenntnis, dass selbst diese Bravour und Rückkehr zu früheren SWR-Tugenden – hinsichtlich des Repertoires – die Reihen der Fruchthalle auch nicht mehr ganz füllt. Corona und Parallelveranstaltungen in der Stadt reichen hier allein als Erklärung nicht mehr aus.
Das einzige Moment der musikalischen Unterscheidung zu früheren Galakonzerten dieser Art besteht darin, dass früher mehrere Gesangssolisten auftraten und somit die Möglichkeit ergänzender Duette und Terzette als Bereicherung und mehr Abwechslung gegeben war; durch den Rückzug von Sponsoren ein Finanzierungsproblem, das sich allerdings durch fehlende Eintrittsgelder verschärft – ein Teufelskreis.
Was blieb, war der Moderator Markus Brock, der mit seiner sympathischen Art und gut verständlichen, fast beruhigenden Stimme immer gut ankommt.
Und mit Kieran Carrel ein Tenor, dem als Senkrechtstarter an Bühnen wie Deutsche Oper Berlin oder Bregenzer Festspiele ein Ruf als Hoffnungsträger vorauseilt.
Lichter Glanz
Er verfügt über eine klare, intonatorisch reine und sicher geführte Tenorstimme mit lichtem, hellem Glanz, die zu vielen der dargestellten Rollen passte, aber nicht zu allen: Die Romanze aus der komisch-fantastischen Oper „Die lustigen Weiber von Windsor“ von Otto Nicolai zeigte eine in Opernschulen weit verbreitete Haltung, auf jeder Textsilbe ein unruhig flackerndes Vibrato einzusetzen.
Das Stilmittel wirkt unnatürlich und passt nicht zu seiner Stimme. Es fehlt ihm mitunter an Stütze aus den „Tiefen“, er wirkt nicht „geerdet“, sondern entgleitet mitunter in falsettierende Kopfstimme, was auch bei einer weiteren Romanze von Lortzing spürbar war. Besser etwa gelang ihm der Beitrag aus der Strauß-Operette „Nacht in Venedig“. In der Vermittlung der Textinhalte dürfte seine Darstellung zudem auch weniger statisch sein.