Kaiserslautern Römischer Komfort in germanischen Landen

Steinwenden. Bei Kanalarbeiten wurden vor über 40 Jahren die Überreste einer römischen „Villa rustica“ in Steinwenden freigelegt. Später entdeckte Helmut Lösch dann noch eine Fußboden- und Wandheizung sowie Terrakottaböden mit ganz besonderen Zeitzeugnissen.
Im ersten Jahrhundert nach Christus wurde das Gebiet der Westpfalz durch römische Truppen besetzt. Im Zuge der Besetzung wurde das Straßennetz ausgebaut und die zivile Ansiedlung begann. Zur Versorgung der Truppen entstanden in der Nähe von Kastellen und Fernverbindungsstraßen Gutshöfe und Landgüter, die von den Römern als „Villae rusticae“ bezeichnet wurden. Eine leichte Südhanglage, frisches Quellwasser zur Genüge und davor ein Wiesental mit Bachlauf bildete die ideale Grundlage für die Errichtung einer „Villa rustica“ im Bereich des heutigen Steinwenden. „Das Wissen um römische Altertümer in Steinwenden reicht bis in das späte 18. Jahrhundert zurück“, berichtet der Historiker Helmut Bernhard. „1785 stieß man zwischen dem Ort und dem Moorbach auf Gewölbe mit bemalten Wänden. 1822 fand der Ortspfarrer etliche Münzen aus römischer Zeit.“ All diese Funde deuten darauf hin, dass am südlichen Ortsrand eine römische Siedlung bestand. 1937 wurde das Gebiet um die heutige Römerstraße ohne Berücksichtigung alter vorgefundener Bausubstanz bebaut. Für die Forschung ist das ein unwiederbringlicher Verlust. Bei Kanalarbeiten 1972 eröffnete sich die Möglichkeit, die Mauer- und Gebäudereste intensiver auszuwerten. So dürfte das zentrale Villengebäude allein eine Länge von rund 85 Metern aufgewiesen haben. Ein Vergleich mit den palastartigen Villen des Moselge-bietes dürfte angebracht sein. Zwei gefundene Säulenstücke und ein ausgegrabener Brunnen stehen in der Anlage des ehemaligen alten Friedhofes in der Ortsmitte von Steinwenden. Der daneben stehende, als „Römerturm“ bezeichnete ehemalige Kirchturm der katholischen Kirche dürfte im zwölften Jahrhundert entstanden sein. Mit welchem Komfort die Bewohner der „Villa rustica“ schon damals lebten, eröffnete sich für Helmut Lösch (84), als er in den 1980er-Jahren Umbaumaßnahmen an seiner Kelterei vornehmen wollte. Beim Aushub für ein Fundament stieß der Küfermeister auf einen Terrakottaboden. Es war der obere Boden einer römischen Fußboden- und Wandheizung, „Hy-pocausten“ (von unten geheizt) ge-nannt. Bei näherem Untersuchen legte er auch den Zwischenraum und den unteren Terrakottaboden frei. Jetzt war die Funktion des typisch römischen Heizungssystems gut erkennbar. Von einer Heizkammer, Fornax genannt, und dem davorliegenden Feuerstand, dem Präfurnium, wurde unter dem Fußboden erhitzte Luft durchgeleitet, die auch durch sogenannte Tubuli, rechteckige Tonröhren, die Wände erwärmte. Die größte so beheizte römische Halle befand sich jedoch nicht in Rom, sondern in Trier, in der für Kaiser Konstantin (306 bis 337 nach Christus) erbauten Empfangshalle, der heutigen Basilika. Das Erstaunen von Lösch war groß, als er auf den Terrakottafließen den Pfotenabdruck eines Hundes und die Klaue eines Schafes erkannte. So hat-ten sich die Vierbeiner als Zeitzeugen vor rund 1750 Jahren in dem noch feuchten Ton verewigt. Ebenfalls zutage förderte Lösch den Teil einer in Sandstein geschlagenen und mit einem Sandsteindeckel verschlossenen ehemaligen römischen Wasserleitung. „Die ehemaligen Bewohner verstanden es halt schon damals, in ihrer Steinwendener Villa gut zu leben“, sagt der 84-Jährige lachend.