Kaiserslautern Pro Haushalt nur drei Liter Speiseöl

Leere Supermarktregale: Diesmal fehlt Weizenmehl.
Leere Supermarktregale: Diesmal fehlt Weizenmehl.

Hohe Energiepreise und der Krieg in der Ukraine machen sich auch an der Supermarktkasse bemerkbar. Die Preisanstiege haben vielfältige Ursachen. Was Verbraucherzentrale, Handel und der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH) dazu sagen.

In mehreren Supermärkten in Kaiserslautern stand man in den vergangenen Tagen vor leeren Mehlregalen. Das Hinweisschild „Pro Haushalt nur 3 Liter Speiseöl“ am Ölregal bei Lidl in der Barbarossastraße lässt auch stutzig werden. Wird jetzt Öl gehamstert?

Während der Preisanstieg von Nahrungsmitteln im Zeitraum von 2000 bis 2019 pro Jahr noch knapp unter 1,5 Prozent betrug, lag er von März 2021 bis März 2022 bei gut sieben Prozent. Das teilt die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz mit und beruft sich auf Daten des Statistischen Bundesamtes. Schon vor dem Krieg in der Ukraine waren demnach Preissteigerungen bei Lebensmitteln zu beobachten. Diese seien auf insgesamt gestiegene Energiepreise und damit auch Logistikkosten zurückzuführen, erklärt eine Pressesprecherin der Verbraucherzentrale. Auch die Verteuerung von Düngemitteln und gestiegene Personalkosten durch Arbeitskräftemangel und einen höheren Mindestlohn spielten eine Rolle.

Was die Supermärkte dazu sagen

Die Pressestelle von Edeka Südwest verweist auf Anfrage darauf, dass sich wegen der aktuellen Situation an den Weltmärkten steigende Verkaufspreise nicht vermeiden ließen. Aufgrund der genossenschaftlichen Struktur der Handelsgesellschaft sowie der dynamischen Marktentwicklung könnten keine pauschalen Auskünfte zu Preisentwicklungen konkreter Artikel gegeben werden. Einkaufsvorteile würden wann immer möglich an die Kunden weitergegeben.

Ähnlich äußert sich Aldi Süd. Vor einer Preisanpassung werde geprüft, ob Mehrkosten anderweitig, etwa durch eine Reduktion der Marge, vermieden werden könnten. Erst wenn dies nicht mehr möglich sei, komme es zu Preiserhöhungen.

Die Wasgau AG nennt unterschiedliche Gründe für die Preisanstiege. Eine generelle Verteuerung sei auf die deutlich gestiegenen Energiekosten insbesondere für Sprit und Strom zurückzuführen. Es gebe darüber hinaus weitere grundsätzliche Preistreiber wie Lieferengpässe in den verschiedensten Bereichen durch europa- und weltweite Ernteausfälle. Auch auf einen zunehmenden Mangel an Verpackungsmaterialien – etwa bei Dosen, Etiketten und Flaschen – wird hingewiesen. Preissteigerungen, die ganz konkret mit dem Kriegsgeschehen in Verbindung stünden, seien bei Getreide und Sonnenblumenöl zu verzeichnen.

Diskussion um Preisbildung

Die Weltmarktpreise dürfen bei der Betrachtung nicht außer Acht gelassen werden, worauf die Pressesprecherin der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz am Beispiel der deutschen Getreidepreise hinweist: Diese orientieren sich am Weltmarkt. Länder, die viel Getreide aus Russland und der Ukraine importieren, müssen ihren Bedarf vermehrt am Weltmarkt decken. „Diese erhöhte Nachfrage lässt die Preise insgesamt steigen. Höhere Getreidepreise führen auch zu erhöhten Kosten für Futtermittel und damit zu einer Verteuerung tierischer Lebensmittel.“

Dennoch müsse man die Preisbildung kritisch hinterfragen, so die Verbraucherzentrale. Bei manchen Preisanstiegen sei es fraglich, ob alleine die gestiegenen Rohstoff- und Energiepreise an die Verbraucher weitergegeben werden oder ob der Handel die ein oder andere Möglichkeit nutze, die eigene Gewinnspanne zu erhöhen. Hier sei das Kartellamt angehalten, genau hinzusehen.

Demgegenüber betont der Pressesprecher des Bundesverbandes des Deutschen Lebensmittelhandels, dass die Preise in dem Rahmen, den Kartell-und Wettbewerbsrecht vorgeben, frei kalkulierbar seien. Es sei selbstverständlich in einer freien Marktwirtschaft, dass Unternehmen und Lieferanten innerhalb dieses Systems anhand ihrer Kosten die Preise ermittelten. Pauschale Vorwürfe, dass die Situation jetzt ausgenutzt werde, um Gewinne durch intransparente Preisbildung zu erhöhen, seien deshalb fehl am Platz.

Hamstern ist unangebracht

Deutschland ist nach Frankreich der zweitgrößte Getreideproduzent in der Europäischen Union. Die Eigenversorgung sei dementsprechend hoch, so die Verbraucherzentrale. Alleine deswegen sei es unangebracht, Mehl oder ähnliches zu hamstern. Generell würden Hamsterkäufe kurzfristig künstliche Engpässe erzeugen. „Außerdem sind sie schlicht unsolidarisch.“

Die Verbraucherzentrale rät dazu, einen Wochenplan zu erstellen und damit gezielter einzukaufen, um Geld zu sparen. So könne man auch einen besseren Überblick über die eigenen Vorräte behalten und Lebensmittelverschwendung reduzieren, die in Deutschland trotz gestiegener Preise nach wie vor zu hoch sei.

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