Kaiserslautern
Pfaff-Gelände in Kaiserslautern: Was die Lebenshilfe hier bauen will
„Das Interesse an dem neuen Quartier ist riesig, mehr als die Hälfte der Flächen sind vergeben“, informiert Rainer Grüner, Geschäftsführer der Pfaff-Entwicklungsgesellschaft (PEG), beim Investorentag, zu dem rund 100 Besucher gekommen sind, auch Auswärtige. Investoren von außerhalb, auf die hofft er besonders. „Weil wir Abwechslung haben wollen, neue Ideen, architektonische Vielfalt.“ Wobei die einheimischen Bauherren genauso wichtig sind.
Bayer & Strobel etwa. Die deutschlandweit tätigen Architekten sind mit ihren Familien und ihrem Architekturbüro schon vor einem Jahr aufs Pfaff-Gelände gezogen und planen jetzt ein neues Projekt: „Es stimmt, wir wollen eine alte Halle und das frühere Pfaff-Labor erwerben und dort einen Neubau integrieren, vorgesehen sind Wohnungen und Gewerbe“, bestätigt Gunther Bayer im Gespräch mit der RHEINPFALZ.
4500 Quadratmeter großes Grundstück erworben
Bayer & Strobel haben auch die Immobilie geplant, die die Lebenshilfe bauen will, neben dem Parkhaus aus Holz. Im Gespräch mit Hochschulprofessor Rolo Fütterer erläutert David Lyle, geschäftsführender Vorstand der Lebenshilfe Westpfalz, die an der Gartenschau beteiligt ist: „Uns hat das Areal von Anfang an gereizt, weil hier ein neues Quartier geschaffen wird, mit ganz neuen Energiekonzepten, hier wird gewohnt, gearbeitet, das passt zu uns.“ Der Lebenshilfe gehe es darum, Menschen mit Beeinträchtigungen zu integrieren, „uns geht es um Inklusion, Vielfalt, Durchmischung“. Laut Lyle hat die Lebenshilfe ein 4500 Quadratmeter großes Grundstück erworben, auf dem ein Fünfgeschosser gebaut werden soll, mit Platz für eine Tagesbetreuung, 50 bezahlbare Wohnungen und vier Wohngruppen für Menschen mit Unterstützungsbedarf. Lyle betont: „Wir sehen uns nicht als Investoren, wir haben den Vorteil, dass wir nichts verdienen müssen.“
Noch nicht zusagen kann er, dass die Lebenshilfe das ehemalige Kesselhaus mit dem hohen Schornstein, das wieder aufgebaut werden soll, übernimmt. „Das wäre ein spektakuläres Projekt, wir unterstützen das, helfen beim Aufbau, so gut wir können“, betont Grüner, der findet, dass die Lebenshilfe hervorragend ins Quartier passt. Für das Kesselhaus würde er sich Gastronomie wünschen, zumindest auf einer Ebene. Die PEG hat zugesagt, den zentralen Platz davor zu gestalten, mit Wasser und Bäumen.
Schon 52 Wohnungen sind verkauft
Arno Hegenbarth, Projektleiter bei BPD, ein Projekt- und Gebietsentwickler mit 14 Standorten in der Republik, berichtet von einer sehr großen Nachfrage nach Wohnungen. BPD baut 180 Einheiten, Zwei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen, zwischen 49 und 96 Quadratmeter groß. Der Kaufpreis pro Quadratmeter liegt zwischen 4000 und 4400 Euro. „Wir verkaufen besser als erwartet und besser als an anderen Standorten“, sagt sein Kollege Thomas Gölker von BPD. 71 Wohnungen sind bislang hochgezogen worden, 52 sind verkauft, 2027 sollen die ersten Bewohner einziehen. Vorstellen kann sich Gölker, künftig zusätzlich noch Apartments für Studierende anzubieten.
Im Blick hat er dabei den Medizin-Campus, wo einmal 700 junge Menschen ausgebildet werden sollen, als Ärzte, aber auch als Pfleger. Thorsten Hemmer, Geschäftsführer des Westpfalz-Klinikums: „Die Lage ist genial für uns, wir sehen hier neben der Nähe zum Krankenhaus auch die Möglichkeit, mit Forschungsinstituten und der RPTU Projekte anzugehen. Medizin und Künstliche Intelligenz, das ist ein großes Thema.“
Oberbürgermeisterin Beate Kimmel frohlockt: „Es ist viel passiert. Wir haben einen Paradigmenwechsel, kämpfen jetzt um jeden Stein, wollen den alten Industriecharme erhalten, „das ist die Lautrer DNA“. Dass die Lebenshilfe sich für das Pfaff-Areal entschieden hat, ebenso wie die städtische Wohnungsbaugesellschaft Bau AG mit einem Nils für Generationen-Wohnen, das bringe „richtig Bewegung“.
„Der Kleine Seeberger ist ein Schmuckstück“
„Dass um jeden Stein gekämpft wird, das freut mich sehr“, sagt Björn-Martin Kurzrock, Professor für Immobilienökonomie an der RPTU. „Genau das brauchen wir hier.“ Kurzrock hat mit Studierenden Ideen gesammelt , um den Kleinen Seeberger – „ein Schmuckstück“ – zu reanimieren. Das Gebäude, Baujahr 1954, ist als denkmalwürdig eingestuft. „Da sind tolle Nutzungsideen entstanden, vom Hotel bis zur Oldtimergarage“, schwärmt Kurzrock. Wichtig zu wissen: An das Gebäude darf angebaut werden und es grenzt an den großen Park, laut Kurzrock „der wichtigste Außenraum außer der Pfaffachse auf dem Gelände“.
Das große Filetstück in der Quartiersmitte soll in vier bis acht Wochen auf den Markt kommen, kündigt Grüner an. Neu zum Verkauf ausgeschrieben werden die Grundstücke entlang der Königstraße, inklusive dem alten Speisesaal. Muss sein, die bisherigen Bewerber sind abgesprungen. Florian Groß, geschäftsführender Gesellschafter von Mess-Stadtplaner, von dem der Rahmenplan für das Quartier stammt, betont, worauf es ankommt: „Das 19 Hektar große Gelände hat einen völlig eigenen Charakter.“ Um den zu bewahren, müssten sich die Bauherren an das Gestaltungshandbuch halten, das etwa vorschreibt, bei der Farbigkeit der Gebäude immer wieder das typische Pfaff-Rot aufzunehmen. „Wir wollen keinen Architektur-Zoo“, sagt er. Es solle aus einem Guss gebaut werden.
Rolo Fütterer, der Mann von der Hochschule und Vorsitzender des Vermarktungsbeirats für das Pfaff-Quartier, erinnert daran, dass das Gremium, dem er vorsteht, ein hohes Niveau garantiert. „Wir erstellen für alle Projekte eine Bewertungsmatrix, da entscheidet nicht der Preis über den Zuschlag, sondern die Qualität. Unser Ziel ist es, das ehemalige Industriegelände souverän in die Zukunft zu tragen.“ Klasse findet er, dass Stand jetzt vieles kommen soll, was junge Menschen anzieht. Und er gibt zu bedenken: „Es gibt noch keine Kneipenstruktur, aber da muss man rangehen. Abends muss hier außer in den Wohnungen irgendwo das Licht brennen.“ In dem Quartier sollen einmal 1500 Menschen leben, 3000 Arbeitsplätze sind vorgesehen.