Kaiserslautern Passionsmusik: Akribisch und aufwendig

Eingebettet in die pittoreske Landschaft, am Fuß der gleichnamigen Burgruine, wurde die protestantische Kirche Frankenstein zum Aufführungsort einer Passionsmusik der Kontemplation: Am Sonntag konzertierten vor 25 Zuhörern die Sopranistin Daniela Schick und der Pianist Heribert Molitor.

Die akribisch und aufwendig vorbereitete Vortragsfolge präsentierte Klangbeispiele aus drei Jahrhunderten (vom 17. bis ins späte 19.) und stellte dabei neben verschiedenen Stilepochen auch unterschiedliche Gattungen vor. Daniela Schick konnte die melodischen Phrasierungs- und Spannungsbögen der ausgewählten 15 Kompositionen nachhal(l)tig vermitteln. Dabei avancierte die Arie „Seufzer, Tränen, Kummer“ aus der Bach-Kantate zum Leitthema dieser Passionsmusik. Die oft dramatisch bewegten Interpretationen deuteten den zugrundeliegenden Text differenziert aus, folgten sowohl seiner Prosodie wie auch dem bewegenden Inhalt: In der Stimmgebung- und -färbung wirkten die Aufführungen vor allem beim Barock-Zeitalter intensiv auf das „Wort-Ton-Verhältnis“ abgestimmt. Dabei ging die Sopranistin sehr ökonomisch mit ihrer kultivierten Stimme um, nicht die allerletzten Reserven mobilisierend, sondern auf ausgeglichene Stimmgebung setzend. So konnte sie die große Vortragsfolge mühelos bewältigen. Schick, eine erfahrene Konzert- und Oratoriensängerin, traf stets den Nerv der Melodik und gestaltete in präzisen Abläufen zusammen mit dem subtilen Klavierpart. Vielleicht könnte das Schubertlied auch ohne das breit schwankende Vibrato auskommen. Und das „Gebet“ von Hugo Wolf war nicht immer mit dem sonst sehr einfühlsamen und spieltechnisch akkuraten und vom Anschlag her feinsinnigen Klavierpart zusammen. Doch schon der Ausschnitt der 1895 uraufgeführten Oper „Der Evangelimann“ von Kienzl zeigte Schicks Vortragskunst am eindrucksvollsten: Eine Melodik, in die Glut spätromantischer Klangfarben getaucht, brachte sie zum expressiven Schwingen. Mit der Zugabe aus dem reichhaltigen Oeuvre von Johann Sebastian Bach schloss sich der programmatische Spannungsbogen. (rhe)

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