Kaiserslautern
Oktoberfest-Abbruch in Kaiserslautern: Bekommen Gläubiger bald Antwort?
„Prüfungsphase“, davon spricht Paul Wieschemann, wenn ihn gerade einer nach dem „1. Lautrer Oktoberfest“ fragt. Einer wochenlangen Schlager-Party, DJ Ötzi inklusive, die vor gut einem Monat ihr jähes Aus gefunden hatte. Nach der abrupten Absage des letzten Wochenendes ist der Rechtsanwalt zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt worden. Er muss jetzt schauen, über welches Vermögen der Veranstalter noch verfügt – die in Kaiserslautern ansässige Charity Alliance. Laut Wieschemann hat sie Ende Oktober die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Das bedeutet: Selbst wenn das Unternehmen wollte, ist es ihm seitdem strikt untersagt, Gelder zu erstatten, die es Ticketkäufern oder Firmenpartnern schuldet. Im Gespräch mit der RHEINPFALZ stellt Wieschemann das ausdrücklich klar. „In der Zeit der Prüfung herrscht Stillstand“, betont der Jurist am Dienstagmittag. „Die Geschäftsführung darf da gar nichts tun.“
Gläubiger werden wohl noch 2025 kontaktiert
Gemäß Paragraf 22 der Insolvenzordnung (InsO) ist es nun allein Wieschemanns Job, „das Vermögen des Schuldners zu sichern und zu erhalten“. Für seine Nachforschungen darf er die Büros der Charity Alliance betreten, er hat Einsicht in die Bücher, in sämtliche Papiere und Dokumente. Im Volksmund würde man sagen: Die Firma, eine gGmbH, die gemeinnützigen Zwecken verpflichtet ist, muss sich nackig machen.
Wie geht’s dann aber weiter? Sobald Wieschemann die Recherchen abgeschlossen hat, fällt die Entscheidung über das „richtige“ Insolvenzverfahren – in dem das vorhandene Vermögen verwertet wird. „Alle Gläubiger werden danach von mir angeschrieben“, erklärt der Rechtsanwalt. Voraussichtlich geschehe das noch im laufenden Jahr, heißt es. Die Erkenntnisse seiner Prüfung, so Wieschemann, leite er übrigens auch in die Bahnhofstraße weiter – wo die Staatsanwaltschaft nach einer Anzeige gerade untersucht: Besteht hier ein „strafrechtlicher Anfangsverdacht“? Könnten die Vorgänge rund um das Oktoberfest also von krimineller Energie getrieben worden sein? Das allerdings ist wieder eine ganz andere Geschichte.
PayPal-Kunden sollen Käuferschutz aktivieren
Was sich heute sagen lässt, ist, dass sich bei Partnern und Ticketkunden ein extremer Frust angestaut hat in den vergangenen Wochen. Die einen beklagen, sie säßen auf offenen Rechnungen. Andere ärgern sich, überhaupt auf die Rückzahlung des Eintritts warten zu müssen – obwohl sie das Geld schriftlich verlangt hatten, noch Tage vor dem Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Das zeigen Mails, die der RHEINPFALZ vorliegen. Auf Anraten ihrer Anwälte hatte sich die Charity Alliance im Oktober nicht zur Situation äußern wollen. Von Glück scheinen jetzt immerhin diejenigen sprechen zu können, die ihre Konzertkarten über PayPal bezahlt haben. Sagt auch Paul Wieschemann. Er rät allen Kunden, vom Käuferschutz Gebrauch zu machen – und sich die Ticketkosten vom Online-Dienst erstatten zu lassen.
Dass dieser Kniff wohl funktioniert, zeigen zumindest einige Kommentare unter dem jüngsten RHEINPFALZ-Artikel zum Oktoberfest-Abbruch auf Facebook. Mehrfach heißt es dort, die Leute hätten ihr Geld wieder auf dem Konto. „PayPal sei Dank“, schreibt ein User.