Interview
OB-Wahlsiegerin Beate Kimmel (SPD) über Erfahrungen und erste Pläne
Frau Kimmel, bei unserem letzten Gespräch antworteten Sie auf die Frage, wie Kaiserslautern in acht Jahren aussehen soll, grün und blau. Wie blau war denn der gestrige Abend?
(Lacht) Dazu war gar keine Gelegenheit, da ich von einem Interview zum nächsten geschickt wurde. Als ich endlich gern ein Glas Wein trinken wollte, kurz nach acht Uhr, da waren meine Gäste alle schon am Gehen. Wir saßen zwar noch in meinem Büro zusammen, aber nur noch rund eine gute Stunde. Ich habe aber mit meinem Mann zu Hause noch gefeiert. Ein rauschendes Fest feiern wir am 11. März, das habe ich schon bei meiner Nominierung angekündigt, egal wie es ausgeht.
Was war heute früh Ihr erster Gedanke beim Aufwachen?
Es ist überwältigend. Ein großes Glücksgefühl und eine sehr, sehr große Ehre, ich kann es noch kaum fassen. Zur Feier des Tages bin ich mit meinem Hund heute früh Gassi gegangen, das schaffe ich morgens nämlich zeitlich sonst nicht. Bei eisigem Wind, aber strahlendem Sonnenschein hat dies den Kopf auch ein bisschen frei gemacht.
Vom Alkohol musste er ja offenbar nicht frei gemacht werden. Haben Sie denn noch Zeit zur Erholung? Oder ist Ihr Urlaub wegen des Wahlkampfes aufgebraucht?
Nein, ich habe noch den kompletten Urlaub von diesem Jahr. Und sogar noch zwei Wochen aus dem alten Jahr.
Sie sind ein ganz anderer Mensch als Herr Weichel. Ist das eher ein Unterschied des Typs oder von Frau und Mann?
Ich glaube schon, dass Frauen ein anderes Kommunikationsverhalten haben. Auch wenn ich nicht gern Geschlechterstereotype bediene; ich glaube, Frauen sind mehr auf Ausgleich bedacht, Männer sehen es oft sportlich, eine Rivalität zu pflegen. Mir ist in den letzten Jahren ganz gut gelungen zu sehen, was Menschen möchten und einen gemeinsamen Nenner zu finden. Und herauszuarbeiten: Wie kann meine Idee auch dir nützen?
Gab es denn im Wahlkampf auch negative Erlebnisse, in die Richtung: ,Eine Frau kann das eh nicht!’ Oder ist das Geschichte?
Leider noch nicht ganz, wenn auch selten. Mehr von Männern, aber auch von Frauen. Mein Team hat mir von einer berichtet, die es nicht gut finde, dass eine Frau Oberbürgermeisterin wird, ich solle doch lieber heim an den Herd. Dass es das noch gibt, hatte ich tatsächlich nicht erwartet!
Und das, wo Sie selbst sagten, Sie könnten nicht kochen.
Das tue ich meinem Mann nicht an. Das muss weiterhin er übernehmen.
Was wollen Sie denn als erstes als Oberbürgermeisterin anpacken? Es gibt ja genug dringende Themen, von Wohnraum über Gewerbe bis Klima und Digitalisierung.
Ich habe ja das Privileg, dass ich als Bürgermeisterin schon einiges anstoßen kann. Tatsächlich gibt es zwei Dinge, die ich jetzt schon vorbereiten möchte. Das erste ist die Stadtmarke: Finden wir einen Markenkern, der die Stadt einzigartig macht und an dem sich die Menschen freuen können? Das werde ich schon in den nächsten Tag besprechen, auch mit einer Agentur. Das zweite ist eine Kampagne für mehr Sicherheit und Sauberkeit in Kaiserslautern. Ich habe mir verschiedene Unterstützer eingeladen, eine Aktion mit Plakaten wäre möglich. Ich möchte gern die Wertediskussion, die ich ja auch anstoßen möchte, visualisieren. Wie fühle ich mich in dieser Stadt wohl, wie muss ich mich dafür verhalten?
Wie sieht es denn mit der Dezernatsverteilung aus? Möchten Sie da gern etwas ändern? Oder es belassen?
Das wird zu betrachten sein. Ich lasse immer schwer los und möchte am liebsten alles behalten. Das geht natürlich nicht. Eins würde ich tatsächlich gern behalten: das Bildungsbüro. Das liegt mir besonders am Herzen. Ansonsten mache ich mir jetzt dazu noch keine Gedanken.
Wie frei sind Sie denn in der Gestaltung?
Als OB hat man das Vorschlagsrecht, der Stadtrat muss zustimmen. Wird dies versagt, kann vorübergehend auch kommissarisch eine Zuständigkeit übertragen werden. Bei unterschiedlichen Auffassungen wäre mein Weg immer, nach den Gründen zu fragen und zu überzeugen.
Wie sähe denn Ihre Wunsch-Bürgermeister-Besetzung aus?
Ohne eigenes Stimmrecht äußere ich mich dazu nicht. Ich nehme es, wie’s kommt. Und suche mit der gewählten Person als meiner direkten Stellvertretung den engen Austausch. Näher liegt aber jetzt ja erstmal die neue Besetzung der Beigeordnetenstelle am 20. März.
Dafür gibt einen Kandidaten der Grünen, den Architekten Manuel Steinbrenner. Kennen Sie ihn?
Nein, noch gar nicht. Er wird sich demnächst bei uns vorstellen. Von dem, was ich bisher erfahren habe, klingt er erfahren und kompetent.
Mal angenommen: Jetzt bewirbt sich jemand Kompetentes fürs Baudezernat – aber man könnte die Dezernatsverteilung komplett umwerfen und Bauen ging an ein anderes Dezernat ...
Sowas gibt es sicher als Überlegung. Aber ich habe einen Amtseid geschworen. Es geht ums Wohl der Stadt und nicht darum, jemandem aus Gehässigkeit einen Bärendienst zu erweisen. So etwas würde ich mir niemals erlauben.
Apropos Beigeordnetenstelle: Was erwarten Sie denn noch von Herrn Kürwitz?
Es gibt ja den Koalitionsvertrag zwischen CDU, Grünen und Freien Wählern, und deren Vorschlagsrecht. Ich glaube, dass die Freien Wähler sehr glücklich mit ihrem Kandidaten waren. Daher denke ich, dass seine Aussage am ersten Wahlabend, dass er sein Interesse zurückzieht, keinen Bestand haben wird. Allerdings sage ich Herrn Kürwitz, für den Fall, ebenso wie Frau Pfeiffer, die sich geäußert haben, was sie alles tun werden, wenn sie OB sind: Ich erwarte, dass sie als Dezernatsleitung auch genauso entschlossen, zielstrebig und durchsetzungsstark Kaiserslautern voranbringen wie angekündigt.
Das heißt, Sie könnten mit Herrn Kürwitz im Stadtvorstand gut leben?
Das war nicht die Aussage! Auf dieses Minenfeld gehe ich nicht!
Stichwort Stadtrat: Wie kommt man dort zu weniger reden und mehr handeln?
Ich glaube, wir müssen klarer formulieren, was wir brauchen und nicht immer noch eine Schleife drehen. Es fehlt uns seit Jahren schon an Vertrauen zwischen Rat und Verwaltung, das möchte ich unbedingt ändern. Den informellen, fraktionsübergreifenden Austausch am Freitagnachmittag haben wir wegen des Kommunalwahlkampfs damals aufgegeben; das hätte ich beibehalten sollen. Die Anzahl der Ratssitzungen hoffe ich reduzieren zu können; statt unzähliger Anträge sollten wir teils weniger machen, aber intensiver. Und dass die Ratsmitglieder Beschlüsse in die Stadtgesellschaft tragen statt nur beschließen.
Wie wollen Sie denn die Menschen motivieren und das Gefühl vermitteln, es ist nicht nur ein „Weiter so“?
Ich habe gute Erfahrungen im persönlichen Gespräch gemacht; wenn ich die Perspektive der Verwaltung und Sachzwänge aufzeige, dann ernte ich meist Verständnis. Formate wie Stadtbegeh(n)ung und Marktgespräch möchte ich deshalb aufrechterhalten.