Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Neues Leben für den Pfälzerwald-Verein: Rettung in letzter Minute?

Wanderungen im Pfälzerwald gehören zu den Kernangeboten des PWV. Um ein Haar hätte die Kaiserslauterer Ortsgruppe künftig keine
Wanderungen im Pfälzerwald gehören zu den Kernangeboten des PWV. Um ein Haar hätte die Kaiserslauterer Ortsgruppe künftig keine mehr anbieten können – ihre Existenz war bedroht.

Nach bangen Monaten kann die PWV-Ortsgruppe ihre drohende Auflösung abwenden – das ist das Ergebnis einer kurzfristig angesetzten Krisensitzung. Wie geht es jetzt weiter?

Es ist 20.53 Uhr am Freitagabend, gegenüber erstrahlt die Apostelkirche in der Nacht, als Ralf Pera die erlösenden Worte spricht, die alle herbeigesehnt hatten. Schicksalsstunde in der Pariser Straße – mit glücklichem Ausgang. „Wir werden die Auflösung im Februar nicht beantragen“, betont der 63-Jährige und faltet die Hände. „Ganz einfach, weil das nicht mehr nötig ist.“ Kopfnicken an den Tischen, so mancher ringt sich dann auch ein befreites Lächeln ab. Als Vorsitzender des Pfälzerwald-Vereins (PWV) in Kaiserslautern führt Pera eine der ältesten und traditionsreichsten Ortsgruppen überhaupt – ihre Geschichte reicht zurück bis ins Jahr 1903. In den vergangenen Monaten jedoch, einer Zeit des Bangens, hatte er mehrmals Alarm geschlagen: Dem Stand heute 222 Mitglieder starken Klub drohe das Aus, hieß es. Wenn sich nichts tue, so Pera, werde er bald nur noch eine verblassende Erinnerung in der Vereinslandschaft der Stadt sein. Er rief zur Rettung auf – und die kommt an diesem Abend. Aber alles der Reihe nach.

Was hier passiert, gleicht einem kleinen Wunder

Die Räume der Kaiserslauterer Naturfreunde, erstes Obergeschoss, kurzfristig hat Pera zur PWV-Krisensitzung geladen. „Uns mangelt es nicht an Ideen, die haben wir selbst“, eröffnet er um 19 Uhr seine Ansprache. „Wir brauchen halt Leute, die sie umsetzen.“ Macher. Niemand wolle sein Erbe antreten, erklärt der Vorsitzende, eine Handvoll weiterer Posten sei seit langem vakant. Kassenwart, Schriftführer, mehrere Stellvertreter: alles freie Stellen. Zurzeit bestehe der geschäftsführende Vorstand nur noch aus zwei Personen.

Deshalb, sagt Pera jetzt, sitze man heute hier zusammen, in der Pariser Straße. Um zu sondieren, ob der Verein eine Zukunft hat. Bei den Wahlen vor zwei Jahren hatte er sofort angekündigt, sein Amt nach dieser Periode, 2026, niederzulegen – in der Vorwoche hat die RHEINPFALZ ausführlich über den Fall des Lautrer PWV berichtet. Am 15. Februar, dem Tag der Jahreshauptversammlung, will Pera mangels Ehrenamtlichen daher eigentlich über die Auflösung der Ortsgruppe abstimmen lassen, der Termin steht. „Ich habe immer gesagt, dass ich diese Aufgabe nicht bis zum Exzess machen werde“, meint der Chef. 2017 war er eingetreten, drei Jahre später übernahm er die Sektion – aus der Not heraus. Gewollt habe er das nie, sagt Pera. Nun stünden die Zeichen auf Untergang, hatte er noch im Vorfeld der Sitzung befürchtet. So habe er das auch dem Hauptverein in Neustadt mitgeteilt, auf drei offenen Treffen. Es klang aussichtslos. Was an diesem Freitag aber im Heim der Naturfreunde geschieht, in das sich der PWV eingemietet hat: Angesichts der zuvor gescheiterten Gespräche mit Mitgliedern lässt sich das getrost als kleines Wunder umschreiben. Heute mehr denn je.

Ralf Pera führt aktuell noch die Ortsgruppe des Lautrer PWV. Zwei potenzielle Nachfolger stehen bereits in den Startlöchern.
Ralf Pera führt aktuell noch die Ortsgruppe des Lautrer PWV. Zwei potenzielle Nachfolger stehen bereits in den Startlöchern.

In den nächsten zwei Stunden nämlich wird sich für jeden der sieben offenen Vorstandsposten mindestens eine Person bereiterklären, ihn zu besetzen. Mit einem Schlag ist der PWV Kaiserslautern seine größte Sorge los. Aufatmen. Plötzlich also scheint ein Problem gelöst, das der Ortsgruppe über Jahre hinweg massive Probleme eingebrockt hatte – doch wie ist das möglich?

Gleich zwei Interessenten für Nachfolge an der Spitze

Peras öffentlichem Aufruf sind 20 Lautrer in das Haus der Vereine gefolgt, darunter Stadt-Promis wie Alt-OB Klaus Weichel, Biologie-Professor Johannes Herrmann oder Volker Seibold, einstiger Landtagskandidat der CDU. Daneben hockt eine Reihe von Jüngeren, alle um die 30, 35 Jahre alt, die meisten noch gar nicht Teil des PWV. An der Rettung der Gruppe wollen sie sich jedoch beteiligen. Am Ende sind es gleich zwei, die nicht zögern, für Peras Nachfolge den Finger zu heben – Marco Creutz (44), ehemaliger Stadtrat der CDU, und Robert Freisberg (47), Referatsleiter im rheinland-pfälzischen Innenministerium. Beide gehören dem PWV bereits an. Früher, so sagt er, stand Creutz regelmäßig hinter der Theke der Rutsweilerer Hütte, Wanderern schenkte er dort Rieslingschorlen ein und setzte ihnen die Leberknödel aufs Kraut. Zum Wohl, die Pfalz.

„Wir haben eine der geilsten Regionen vor der Haustür. Es ist total toll, hier sonntags unterwegs zu sein“, unterstreicht er später auf Nachfrage der RHEINPFALZ. „Ich sehe es da als Pflicht, etwas zurückzugeben.“ Auch Freisberg spricht von seiner „Liebe zum Pfälzerwald“. Er sagt: „So einen Verein muss es einfach geben für die Leute. Wenn er einmal weg ist, kommt er nie wieder zurück.“ Das war’s dann.

An diesem Abend hört man solche Sätze öfter an den Tischen, überall. „Mir blutet das Herz, wenn sich der Verein auflöst“, sagt ein Gast, jetzt müsse man „die Ärmel hochkrempeln und was tun“, ruft der nächste. „Es wäre sehr traurig, wenn das einschlafen würde.“ Ärzte sind hier, Softwareentwickler, Unternehmer. Ein junger Vater ist samt Familie sogar über 300 Kilometer aus dem Ruhrgebiet angereist, nur für diese eine Sitzung – man mag das kaum glauben, wenn sein Gepäck nicht auf den Stühlen stünde. Aus der Ferne würde er Homepage und Social-Media-Kanäle betreuen, schlägt er vor. Sieben Ehrenämter, in wenigen Minuten vergeben, ohne langes Zögern. Nicht nur Ralf Pera, der Noch-Chef, reagiert da überrascht.

Ex-Oberbürgermeister Weichel wird Schriftführer

Klaus Weichel, Ex-Oberbürgermeister der Stadt Kaiserslautern, war von 2005 bis 2018 Hauptvorsitzender des PWV. Als Bezirkstagsvize ist er mittlerweile mit den Wanderwegen betraut, er kümmert sich um die Ausschüttung von Geldern aus Mainz – in dieser Funktion ist er heute eigentlich gekommen. Nur verlässt auch Weichel den Raum nicht ohne das Versprechen, ein Amt zu übernehmen: das des Schriftführers. „Wenn eine Ortsgruppe zu lange wartet, fehlt ihr irgendwann der Mittelbau. Dann gewinnt man keine 20-Jährigen mehr“, sagt der Politiker vor der Tür. „Jetzt aber deutet sich eine gute Altersmischung an.“ Allein die Vorstandsposten zu besetzen, das reicht eben nicht. Hier allerdings hat der Lautrer PWV nicht bloß diese Fragezeichen auflösen können. Nein, gleichzeitig kann er rund zehn Neueintritte vermelden – von Menschen, „die den Altersschnitt massiv nach unten drücken“, so Weichel. Sie tragen sich gleich in die Liste der dringend gesuchten Wanderführer ein. Im vergangenen Jahr noch waren die meisten Touren abgesagt worden, niemand hatte sie leiten wollen.

Vor Ralf Pera liegt jetzt in den nächsten Wochen nochmal ein Berg von Papier, er wird alles in die Wege leiten müssen, ehe er seinen Stuhl räumen kann. „Das Schlimmste“, sagt er am Freitag, „ist abgewendet. Der Rettungsversuch ist gelungen.“ Wann der neue Vorstand gewählt werden soll, das steht heute noch nicht fest. Im Eilverfahren könnten die Mitglieder schon zwei, drei Wochen nach der Jahreshauptversammlung abstimmen – Pera hätte nichts dagegen.

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