Breitenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Neue Ausstellung im Bergmannsbauern-Museum

Für Freiheit und Republik: Wanderausstellung der Gedenkstätte Deutscher Widerstand.
Für Freiheit und Republik: Wanderausstellung der Gedenkstätte Deutscher Widerstand.

Die Ausstellung „Für Freiheit und Republik! Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold 1924-1933“ widmet sich einem vergessenen Kapitel der Weimarer Republik.

Über Weimar heißt es, es sei eine Republik ohne Demokraten gewesen. Zutreffender mag vielleicht sein, dass die Demokratie viele Feinde hatte, am rechten und linken Rand des politischen Spektrums. Die politische Instabilität, der sich die parlamentarische Demokratie von Anfang an ausgesetzt sah, lieferte den Nährboden für radikale Parteien und extremistische Gruppen. Doch es gab auch Gegenkräfte wie das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold – Bund der republikanischen Kriegsteilnehmer, wie die Ausstellung dokumentiert.

Gegründet wurde das Reichsbanner im Februar 1924 in Magdeburg nach einem Jahr massiver Krisen. Stichworte sind Ruhrgebietsbesetzung, hohe Arbeitslosigkeit, Hyperinflation, Separatismusbestrebungen, bürgerkriegsähnliche Aufstände und Unruhen bis hin zu Putschversuchen. Als überparteiliche Organisation, die Mitglieder der Sozialdemokraten, der linksliberalen Deutschen Demokratischen Partei und des Zentrums vereinte, engagierte sich das Reichsbanner für die Festigung der jungen Republik und gegen militante Antidemokraten wie den „Rotfrontkämpferbund“ der Kommunistischen Partei und den rechtsextremen Verband „Stahlhelm/Bund der Frontsoldaten“.

Gautage und Fackelzüge

Auf rund 30 Schautafeln illustriert die Ausstellung – anhand von Dokumenten wie Faksimiles von Briefen, Fotos, Fahnen, Plakaten oder Zeitungsausschnitten – die Entwicklung zu einer Massenorganisation mit weit mehr als einer Million Mitgliedern. Dabei erfahren Besucher etwa, wie die Vereinigung nicht nur durch Gautage, Aufmärsche, Fackelzüge, Kundgebungen und Verfassungsfeiern mobilisierte, sondern auch mit Alltagsgegenständen wie Bierkrügen, Tassen, Sammelfiguren, Liederbüchern oder „Reichsbanner-Cigaretten“ das Gemeinschaftsgefühl forcierte.

Einige Schautafeln geben Auskunft über Biografien von prominenten Mitgliedern des Reichsbanners. Dazu gehören etwa der spätere SPD-Vorsitzende Kurt Schumacher, der Liberale Theodor Heuss, erster Bundespräsident der Bundesrepublik, oder die Pfälzer Karl Höltermann und Franz Osterroth. Leider fehlt in der bundesweit gezeigten Wanderausstellung der Bezug zu regionalen Reichsbanner-Aktivitäten.

Nazis verbieten Verein

1931 schloss sich das Reichsbanner mit SPD, Gewerkschaften und anderen Organisationen zusammen zur „Eisernen Front“ als Reaktion auf die „Harzburger Front“ der Republikgegner. In der Endphase der Weimarer Republik wurde das Klima der politischen Auseinandersetzung ständig gewalttätiger, „Schutzformationen“ des Reichsbanners schirmten Treffen gegen Übergriffe der Nazis ab. Doch zur gewaltsamen Gegenwehr nach der Absetzung der preußischen Regierung 1932 kam es nicht, und nach der Reichstagswahl 1933 verboten die Nationalsozialisten die Reichbanner-Vereine.

Bei der Eröffnung der Ausstellung im Breitenbacher Bergmannsbauern-Museum sagte der frühere rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD), das Reichsbanner sei angetreten, um die Demokratie zu stabilisieren. Die Abwehrkräfte seien leider nicht stark genug gewesen. NS-Terror, Vernichtungskrieg und Holocaust folgten. Inhumanität und der Neigung, Konflikte mit Gewalt zu lösen, müsse auch aktuell entgegengetreten werden. „Nie wieder – das ist jetzt“, sei eine Lektion für die Gegenwart aus der Geschichte des Reichsbanners. Landrat Johannes Huber (CDU) sagte, die Ausstellung spiegele eine Zeit großer Spannungen wider und werfe Fragen für die Gegenwart auf. Denn Demokratie sei kein Selbstläufer, sondern auf das Engagement für die freiheitliche Ordnung angewiesen.

Info

Die Ausstellung „Für Freiheit und Republik“ im Bergmannsbauern-Museum in Breitenbach ist bis zum 5. Juli zu sehen. Besuche sind an jedem ersten Sonntag im Monat und am Museumstag (31. Mai) von 14 bis 18 Uhr möglich. Zudem ist Ausstellung jeden Mittwoch von 19 bis 22 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung unter 06386 9999110 zugänglich.

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