Kaiserslautern Nach Studium in Kaiserslautern: Ruandischer Start-up-Gründer revolutioniert den Nahverkehr

Emmanuel Hakizimana hielt den Festvortrag. Der Absolvent des Fachbereichs Elektrotechnik hat in Ruanda ein Start-up gegründet.
Emmanuel Hakizimana hielt den Festvortrag. Der Absolvent des Fachbereichs Elektrotechnik hat in Ruanda ein Start-up gegründet.

Die RPTU und Ruanda unterhalten eine Hochschul-Partnerschaft. Was daraus werden kann, zeigt das Beispiel Emanuel Hakizimanas.

Seit 20 Jahren pflegen die RPTU und Ruanda eine Partnerschaft. Anlässlich dieses Jubiläums wurde am Freitag, 6. Juni, auf dem Campus Bilanz gezogen. Den Festvortrag hielt Emmanuel Hakizimana, Absolvent des Fachbereichs Elektrotechnik aus Ruanda. Nach seinem Studium in Kaiserslautern hat er in seinem Heimatland ein Start-up gegründet. Das Konzept des Unternehmens: benzinbetriebene Zweirad-Taxis durch elektrische Motorräder ersetzen.

Hakizimanas Geschichte steht exemplarisch für den Wissenstransfer und die internationale Wirkung der Hochschul-Partnerschaft. „Meine Eltern sind Bauern“, sagte Hakizimana im RHEINPFALZ-Gespräch vor seiner Rede. „Von der Möglichkeit eines Studiums an der Technischen Universität (TU) in Kaiserslautern habe ich in der Schule erfahren.“ 2006 kam er nach Kaiserslautern, und das Erlernen der deutschen Sprache hatte für das Studium Priorität. „Nach Abschluss meines Studiums habe ich mich zunächst darum bemüht, das theoretische Lernen durch eine praktische Tätigkeit zu ergänzen“, berichtete der Elektroingenieur. Eine der Stationen war im Jahr 2013 die Windrad-Firma Juwi in Wörrstadt bei Mainz. In einem weiteren Unternehmen in Speyer stand die elektronische Regeltechnik im Mittelpunkt seines Erfahrungssammelns, schildert er.

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Fünf Prototypen entstehen in kleiner Werkstatt

Das neue Unternehmen in Kigali begann laut Hakizimana klein. „Nur mit einem Mitarbeiter zusammen entstanden die Pläne für ein Elektromotorrad.“ 60 Prozent des Personennahverkehrs in Kigali werden auf benzinbetriebenen Motorrädern abgewickelt, etwa 100.000 dieser Zweiräder sind täglich unterwegs – und zwar jeden Tag etwa 200 Kilometer weit. Das Geschäftsziel besteht darin, zunächst 4500 elektrische Motorräder auf die Straße zu bringen. Aktuell sind es 430.

Den Gründungsprozess und die Entwicklungsperspektiven des Start-ups beleuchtete Hakizimana im Festvortrag weiter. Nach einer Marktanalyse im Jahr 2015 entwickelten er und sein Partner in den beiden Folgejahren das Geschäftsmodell. Fünf Prototypen eines elektrisch angetriebenen Motorrades entstanden daraufhin in der kleinen Werkstatt. 2019 erfolgte der Einstieg in die wirtschaftliche Realität. Drei Batterie-Tausch-Stationen standen den mittlerweile 20 verkauften Motorrädern zur Verfügung. In einer weiteren Entwicklungsstufe half die Einrichtung einer professionellen Produktionslinie, 30 Bikes pro Woche herzustellen, erläutert er.

Trommeln sorgen für musikalischen Rahmen

Danach ging es laut dem TU-Absolventen mit der Firma „Ampersand“ steil bergauf. 2023 waren 1000 Motorräder des Unternehmens auf den Straßen Kigalis unterwegs. In diesem Jahr hat eine Entscheidung des Staates eine weitere Perspektive eröffnet: Eine Lizenz für den Taxibetrieb mit dem Motorrad erhalten nur Kleinunternehmer, die sich für die elektrische Variante entscheiden. Das könnte bedeuten, dass 10.000 Exemplare auf die Straße gehen und ein Marktanteil von etwa 30 Prozent im nächsten Jahr erreicht wird, schildert Hakizimana.

Vor Hakizimanas Festvortrag beendeten afrikanische Trommeln den Reigen der Grußadressen: Sieben hüfthohe afrikanische Trommeln wurden auf das Podium getragen. Die drei Männer der ruandischen Gruppe in dunkelblauen Hemden und grün-weiß-blauen Schürzen stellten sich hinter den Instrumenten auf. Die vier Frauen der Gruppe hinter ihren Trommeln trugen über weißen Oberteilen einen halbseitigen Überwurf in hellem Lindgrün. In die eintretende Stille setzte mit einem Schlag ein Trommelwirbel wie Donnerschlag ein, zunächst einförmig, dann übergehend in einen rhythmischen Percussion-Dialog.

Dann war das Podium wieder leer. Wiegende Tonfolgen waren zu hören, als acht Tänzerinnen im Takt der Musik auf die Bühne schritten. Mit Schellen an den Füßen betonten sie den marschierenden Takt und ihre ausgebreiteten Arme die weiten lindgrünen Umhänge. Sie bildeten eine Formation in zwei Reihen und steigerten Rhythmus und Geschwindigkeit ständig. Schließlich wurde daraus ein Gute-Laune-Tanz, der darin mündete, dass die Tänzerinnen durch das Publikum auf den Rängen streiften und die Gäste mit vor die Bühne nahmen. Das Schlussbild der Feierstunde zeigte ruandische Künstler und die Protagonisten des Austauschprogramms in gemischter Reihe zu den ruhigeren Klängen.

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