Kaiserslautern
Nach Massenschlägerei: Mehr Überwachung gefordert
„Wir erwarten, dass die Polizei rund um die Mall für Recht und Ordnung sorgt“, sagt Sabine Friedrich, Centermanagerin im „K in Lautern“, nach der Massenschlägerei am Freitag vergangener Woche vor dem Einkaufszentrum. Auf der Achse der Fruchthallstraße seien die meisten Passanten in der Stadt unterwegs, dort dürfe es nicht zu Zwischenfällen kommen. Das ECE-Centermanagement habe auf diesen Bereich keinen Einfluss, die Überwachung dort sei ganz klar Sache von Polizei und Stadtverwaltung. „Wir haben zuletzt beim Wachpersonal im K in Lautern noch einmal deutlich aufgestockt. Wir geben dafür viel Geld aus, uns ist es wichtig, dass sich die Menschen, die zu uns kommen, sicher fühlen.“ Denselben Einsatz erwarte sie von der Polizei.
Täglich 25.000 Kunden
Noch wirkten sich die Auseinandersetzungen nicht negativ auf die Frequenz aus. „Wir haben täglich 25.000 Kunden, wir sind gerade in der Nachvermietung“, so Friedrich. Vorfälle wie die am Freitag vor einer Woche dürften sich nicht wiederholen. Die Polizei müsse jetzt deutlich mehr Präsenz zeigen, fordert sie. Als es schon einmal zu vermehrten Kriminalitätsfällen vor der Mall kam, das war vor Pandemie, habe eine intensivere Bestreifung des Bereichs Wirkung gezeigt. Unzufrieden ist Friedrich derzeit auch mit den Reaktionszeiten der Polizei. „Wenn wir sie mal alarmieren, dauert es meist zu lang, bis sie vor Ort ist. Das müsste schneller gehen.“ Die Personaldecke der Polizei scheine nicht immer ausreichend zu sein.
Insgesamt hat Friedrich nicht das Gefühl, dass sich die Vorfälle vor der Mall gerade häufen. „Wir führen da keine Statistik, aber gefühlt haben sie nicht zugenommen.“ Es gebe auch nicht mehr Kundenbeschwerden. Aber so eine Massenschlägerei und Medienberichte darüber, das sei nicht positiv. „Darüber wird gesprochen, das ist definitiv nicht gut für die Stadt.“
Nachtbestreifung im Durchgang der Mall
Als unproblematisch bezeichnet Friedrich die Öffnung der Mall für Fußgänger von der Fackel- in die Mühlstraße. Auch dort war es in der Vergangenheit schon zu Problemen gekommen. „Dort herrscht Ruhe. Der Durchgang ist rund um die Uhr offen, wir haben eine Nachtbestreifung, es gibt keine Zwischenfälle.“ Friedrich betont, sie stehe permanent in engem Kontakt mit Polizei und Stadtverwaltung, stimme sich intensiv mit Matthias Pallmann-Heger, dem Chef des Einzelhandelsverbands, ab.
„Das wird runtergespielt“
Pallmann-Heger, seit über 25 Jahren Vorsitzender des Einzelhandelsverbandes, plädiert schon länger dafür, in der Innenstadt Straftaten konsequenter zu verfolgen und die Innenstadt sicherer zu machen. „Die Probleme wurden über Jahre bagatellisiert, Stadt und Polizei schieben die Zuständigkeiten hin und her“, moniert Pallmann-Heger. Wenn die Polizei jetzt behaupte, dass die Flächen vor der Mall kein Kriminalitätsschwerpunkt sind, dann könne er sich nur wundern. „Die Leute, mit denen ich rede, sehen das ganz anders. Das wird runtergespielt.“ Die Menschen fühlten sich in der Stadt vor allem gegen Abend unsicher, „meiden bestimmte Ecken, haben Angst. Aus dieser Problematik müssen wir raus. Das schadet am Ende dem ganzen Einkaufsstandort“.
Für den Geschäftsmann gibt es nur einen Weg aus der Misere: „Wir brauchen mehr Überwachung, sowohl seitens der Polizei als auch des kommunalen Vollzugsdienstes.“ Das hatte auch Brigitta Röthig-Wentz, Fraktionsvorsitzende der FDP, verlangt. Sie hatte vor ein paar Tagen gefordert, Polizei und Vollzugsdienst sollten über einen längeren Zeitraum vor der Mall Dauerpräsenz zeigen, damit die Pöbeleien und Auseinandersetzungen aufhören. Die Polizei hatte argumentiert, es gebe derzeit keine Möglichkeit, an der Stelle eine Videoüberwachung zu installieren. Ob das der richtige Weg wäre, bezweifelt auch Pallmann-Heger. „Das könnte man ausprobieren, aber ich glaube, dass es dann zu einem Verdrängungswettbewerb käme. Dann finden die Straftaten an einem anderen Ort statt.“
„Innenstadt nicht prinzipiell unsicher“
Pallmann-Heger befürchtet, dass die Stadt allein das Problem nicht wird lösen können. „Da muss sich die Landesregierung mal einschalten und Hilfe leisten. Innenminister Michael Ebling war während des Wahlkampfs von Beate Kimmel vor Ort, er weiß um die Probleme.“ Pallmann-Heger, der in der Marktstraße ein Geschäft betreibt und in der Innenstadt lebt, sagt weiter: „Ich erlebe die Innenstadt 24/7. Ich will Kaiserslautern auf gar keinen Fall prinzipiell als unsicher hinstellen, aber an manchen Stellen, beispielsweise an der Mall, haben wir definitiv vor allem freitags und samstags einen kriminellen Hotspot. Das kann so nicht bleiben.“
Polizei nennt keine Zahlen
Auf die Frage der RHEINPFALZ, wie viele Polizeieinsätze vor der Mall im Laufe dieses Jahres stattfanden, nennt die Polizei keine Zahlen. Sie räumt lediglich ein, dass es dort neben Körperverletzungsdelikten auch Eigentums- und Betäubungsmitteldelikte sowie verbale Streitereien gab. Über einzelne Gruppen oder Personen, die sich regelmäßig dort prügeln, sei nichts bekannt. Bei den Tatverdächtigen handele es sich im Jahresverlauf überwiegend um Deutsche „aus allen Altersschichten“. In Bezug auf die Beteiligten der Schlägereien vom Freitag vor einer Woche und am Dienstag vermutet die Polizei, dass sich die Personen aus ihren Herkunftsländern kennen oder hier kennengelernt haben. Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts des besonders schweren Landfriedensbruchs, der gefährlichen Körperverletzung und wegen des Verdachts eines Verstoßes gegen das Waffengesetz. Ob auch gegen die bislang bekannten Geschädigten Strafverfahren einzuleiten sind, sei derzeit ebenfalls Gegenstand der Ermittlungen.