Kaiserslautern
Nach Gartenschau: Auch der Japanische Garten bangt um Fortbestand
„Seit einem Jahr schon bin ich im Gespräch mit der Stadt“, sagt Ralf Kammer, Vorsitzender des Vereins Japanischer Garten. Anlass ist der Pachtvertrag mit der Stadt, von der der Verein das Gelände kostenlos gepachtet hat. Mit Bau des Gartens begann auch der über 30 Jahre laufende Vertrag, zum 31. Dezember 2028 läuft er nun aus. „Und zwei Jahre vorher, also bis Ende kommenden Jahres, müssen wir eine Verlängerung beantragen.“
Das Problem ist jedoch nicht die Pachtverlängerung, sondern die Finanzierung des Gartens. „Eine Pachtverlängerung ergibt keinen Sinn, wenn wir keine finanzielle Unterstützung von der Stadt bekommen“, macht Kammer deutlich. Drohszenarien möchte er jedoch nicht aufbauen, betont er. „Sätze wie: ,Wenn wir kein Geld von der Stadt bekommen, dann müssen wir schließen’, werden Sie von mir nicht hören“, spielt er auf den Chef der Gartenschau und deren ebenfalls prekäre Lage an. Stattdessen will er Optimismus walten lassen: „Ich bin guter Dinge, dass wir eine Lösung finden.“
Mit der Stadt und den Fraktionen im Gespräch
Mit der Oberbürgermeisterin und der Finanzabteilungsleiterin der Stadt sei er deshalb seit einem Jahr in Gesprächen. Da letztlich der Stadtrat darüber entscheidet, ob die Stadt dem Japanischen Garten Geld gibt, hat er sich auch an die Fraktionen gewandt. „Im August war ich in der Fraktionsvorsitzendenrunde, da war die Stimmung positiv“, berichtet er. Durch den Vorstoß der Gartenschau befürchtet er nun jedoch, dass sich die Lage geändert hat. Er möchte auf jeden Fall auf die Fraktionen noch einzeln zugehen. „Ich bin von den Vereinsmitgliedern für die Gespräche beauftragt, letztlich entscheiden sie über die Pachtverlängerung“, präzisiert er seine Funktion.
In Kaiserslautern steht der einzige Garten ohne Finanzierung durch die Stadt
Die finanzielle Ausgangslage des Japanischen Gartens ist nicht leicht: Anders als die Gartenschau oder „alle anderen Gärten in Deutschland sind wir ein Verein und müssen uns selbst finanzieren. Wir leben nur von den Eintrittsgeldern, Mitgliedsbeiträgen, Spenden und Sponsoren.“ Anfangs habe der Garten noch 50.000 Euro jährlich von der Stadt erhalten, dieser Betrag sei jedoch auf Null geschrumpft.
„Rund 500.000 Euro Umsatz machen wir im Jahr, und so viel haben wir auch an Ausgaben“, fasst es Kammer zusammen. Rücklagen seien nicht möglich. Personal für den Garten, die Geschäftsstelle, Kasse und den Imbiss müssen finanziert werden, und so hätten sich im Laufe der Jahre etliche nötige Instandhaltungs- und Renovierungsarbeiten aufgestaut. „Die Wege beispielsweise hätten schon 2016, 2017 erneuert werden müssen.“
Rund 60.000 Besucher verzeichne der Garten jährlich, mit steigender Tendenz. Auch die Zahl der Vereinsmitglieder sei auf über 1100 gestiegen, „vor vier Jahren waren es noch 750“. Durch deren ehrenamtliches Engagement schaffe es der Garten, immer wieder neue Aktivitäten und Veranstaltungen anzubieten, wie die Cosplay-Tage oder ganz neu den Auftritt eines fiktiven Samurai-Clans.
Besucher des Gartens kommen von weit her und lassen Geld in Kaiserslautern
„Wir sind halt sehr wetterabhängig“, betont Geschäftsstellenleiter Thorsten Barthelmie. „Wir bräuchten eine Überdachung für Veranstaltungen“, spricht er einen langgehegten Wunsch an. Denn die Veranstaltungen spülten in der Regel schon Geld in die Kasse.
Der Japanische Garten hat ein anderes Zielpublikum als die Gartenschau und könne deshalb mit deren Besucherzahlen – rund 500.000 jährlich – nicht konkurrieren. Als einer der größten japanischen Gärten in Europa „und der schönste außerhalb Japans, wie das Generalkonsulat uns per Urkunde bestätigte“, so Kammer, ist er aber ein Alleinstellungsmerkmal, das Menschen von weit her, auch aus dem Ausland anlockt. „Und die lassen durch Übernachtung und Gaststättenbesuche Geld in der Stadt.“ Dies erkenne die Oberbürgermeisterin durchaus, bestätigt er.
Stets auf der Suche nach Geldquellen verhandele Kammer gerade mit einer Stiftung „nicht aus Kaiserslautern; wir bekommen generell mehr Geld von außerhalb“. Es gehe um „einen höheren vierstelligen Betrag“. Für das Teehaus wurde die japanische Baumaschinenfirma Kubota in Zweibrücken als Pate gefunden. „Doch die Sponsorensuche ist nicht einfach, wir haben nicht viel Werbefläche“, sagt Barthelmie. Eine Litfaßsäule oder gar ein japanisches Auto könne man schlecht in den Garten stellen.
Ein Brief an den Ministerpräsidenten vor knapp einem Jahr habe auch nichts gebracht. Aber es gebe Privatsponsoren – zum Beispiel „einen Kölner, von dessen Mieteinnahmen aus Immobilien nach seinem Ableben ein kleiner Teil an den Japanischen Garten Kaiserslautern gehen soll“, berichtet Kammer von einer ganz anderen Art der Unterstützung.
