Kaiserslautern „Mund abputzen, und weiter geht’s“

Thorsten Reiß liegt am Boden, hält sich nach einem Foul das Knie und wird behandelt. FCK-II-Keeper Julian Pollersbeck ruft Stürmer Irvin Raúl Parra zu sich und flüstert ihm was ins Ohr, Co-Trainer Marco Grimm gibt Christian Lensch, der am Spielfeldrand eine Trinkpause einlegt, ein paar Tipps mit auf den Weg, dann geht es weiter im fast ausweglosen Unterfangen, dem Tabellenführer Kickers Offenbach Paroli zu bieten.

Auch wenn die Voraussetzungen nicht die besten waren, wegen des Tests der Profis bei Borussia Mönchengladbach Stammkräfte fehlten, andere verletzungsbedingt länger ausfallen. „Die Mannschaft wurde kräftig durchgewürfelt“, sagt Konrad Fünfstück, der mehr wollte, auch wenn „sechs seiner Kicker, die er mit nach Offenbach genommen hatte, nach langer Verletzung zurückgekommen sind oder aufgrund von Einsätzen durch Lizenzspieler länger nicht berücksichtigt wurden“. „Wir haben uns vorgenommen, hier was mitzunehmen. Wir hatten noch eine Rechnung offen von der letzten Saison“, erinnert sich Pollersbeck, der bei der bitteren Niederlage in den letzten Spielminuten, die damals alle Aufstiegshoffnungen zunichte machten, auf der Bank saß. Diesmal stand er zwischen den Pfosten und erlebte hautnah mit, wie es sich anfühlt, wenn er und sein Team zwei frühe Tore kassieren und alle Vorsätze erstmal dahin sind. Dabei hatte die U23 auf dem Bieberer Berg nicht schlecht gespielt. „Wir haben uns relativ gut geschlagen. Die zweite Halbzeit war extrem gut gespielt von uns. Da haben wir uns nochmal gesteigert“, findet er. Und Kapitän Mario Pokar stimmt ihm zu: „Am Anfang hat es etwas gedauert. Wir haben nicht das gespielt, was wir uns vorgenommen haben. Dann haben wir ein frühes Tor bekommen.“ Fünfstück war froh zu sehen, dass seine Mannschaft dann nicht auseinanderbrach und sich trotz des zweiten Gegentreffers zusammenraufte, Ordnung fand und jeder für jeden kämpfte. Die zweite Halbzeit gefiel ihm ausgesprochen gut. Bis auf die Kleinigkeiten, die dann doch den Ausschlag gaben und die er sich vor der Pressekonferenz nochmal auf Video anschaute: ein Foul an Parra – „das war ein klarer Elfmeter“ –, ein Innenpfostenschuss Parras, der auch ins Tor hätte gehen können. „Die erste Halbzeit war Offenbach klar besser, die zweite wir. In der ersten Halbzeit haben wir das Spiel verloren“, analysiert der Kapitän, für den ein 2:1 oder 3:2 vom Spielverlauf her gerechter und auch dringewesen wäre. „Der Sieg war unterm Strich verdient. Auch wenn ich mir das Spiel anders vorgestellt hätte“, gibt Fünfstück zu, während sein Gegenüber Rico Schmitt triumphiert und die Offenbacher Elf lobt: „42 Punkte sprechen eine deutliche Sprache.“ Und Pokar, der eben noch in der Kurve bei den rund 50 FCK-Fans stand, die das Team trotz der 0:3-Niederlage feierten und abklatschten, blickt nach vorn und versucht, das Positive rauszuziehen. „Auf der zweiten Halbzeit müssen wir aufbauen. Wir haben jetzt noch ein paar Spiele.“ Bei denen laut Fünfstück eins sicher ist: „Wir werden nicht mehr in der Konstellation auflaufen wie diesmal.“ „Mund abputzen, und weiter geht’s“, sagt der Torwart und sprintet zu seinen Jungs in die Kabine.

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