Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Mit Halt in Kaiserslautern und Pirmasens: Pfälzer pilgert für Spenden vom Nordkap bis Fisterra

Der gebürtige Pfälzer Sven Hardt ist seit Juni auf Pilgerreise. Nun legte er einen Zwischenstopp in der alten Heimat Kaiserslaut
Der gebürtige Pfälzer Sven Hardt ist seit Juni auf Pilgerreise. Nun legte er einen Zwischenstopp in der alten Heimat Kaiserslautern ein.

Der Pfälzer Sven Hardt befindet sich seit Juni auf Pilgerreise, um Spenden für krebskranke Kinder zu sammeln. Seine Wanderung führt ihn über 8280 Kilometer vom Nordkap in Norwegen bis nach Fisterra hinter Santiago de Compostela in Spanien. Nun legte er einen Zwischenstopp in Kaiserslautern ein.

Sven Hardt lebte lange im Raum Kaiserslautern. Aktuell ist er ohne festen Wohnsitz; in seiner Abmeldung aus Deutschland steht: Weltreisender. Vor 2019 hatte er mit dem Wandern nicht viel am Hut, dann machte Hardt seine erste Wanderung auf einem Teil des Jakobsweges: „Ich wollte gleich richtig loslegen, unter 20 Kilometern ist kein Wandern, quasi vom einen Extrem ins andere“, erinnert sich Hardt.

Dabei entdeckte er eine neue Berufung: Er war ursprünglich in der Wirtschaft aktiv. Nach seiner ersten Wanderung auf dem Jakobsweg begann Hardt ein Studium zum Heilpraktiker für Psychotherapie, systemische Beratung und Entspannungspädagogik, das er im Frühjahr des vergangenen Jahres abschloss. „Ich habe gemerkt, ich kann den Leuten allein schon durch eine Änderung ihres Blickwinkels helfen“, sagt er. „Helfen zu können hat mir Erfüllung gegeben.“

Ein Jahr bis zum Ziel

Sein Sohn schlug daraufhin vor, einen Verein, den Hardt eher als Hilfsorganisation sieht, zu gründen. Diesen gibt es nun seit Dezember 2023, um besser helfen zu können und Unterstützern Sicherheit und Transparenz zu bieten. Der Verein wird über Mitgliedsbeiträge, Sponsoren und Unterstützer finanziert. Spenden werden zu 100 Prozent weitergegeben, betont Hardt, im Fall der aktuellen Tour an die Rehaklinik Katharinenhöhe, die sich um krebskranke Kinder und deren Familien kümmert.

Nachdem er sein Studium abgeschlossen hatte, plante Hardt für 2024 seinen ersten Long-Distance-Charity-Hike. Dafür startete er am 1. Juni per Anhalter aus dem Schwarzwald, wo er damals wohnte, in Richtung Nordkap. Neun Tage später erreichte er sein Ziel. „Das sollte ein Spiegel für das Leben der Kinder sein. Du weißt abends nie, ob du schon am Ziel angekommen bist, noch davorstehst oder schon darüber hinaus geschossen bist“, erklärt Hardt. Am 17. Juni startete er dann seine 8280 Kilometer lange Pilgerreise, die ihn in etwa einem Jahr bis nach Fisterra am Ende des Jakobsweges, hinter Santiago de Compostela, an die spanische Atlantikküste führt: „Fisterra wurde im Mittelalter auch das Ende der Welt genannt, deswegen läuft die Reise unter dem Namen: Vom Nordkap bis ans Ende der Welt.“

Gläubig ohne Glaubensgemeinschaft

Seitdem ist er nahezu ununterbrochen unterwegs, legt pro Tag, abhängig vom Tageslicht, zwischen 25 und 35 Kilometer zurück und gönnt sich nur hin und wieder mal ein, zwei Tage Pause, vor allem bei besonders schlechtem Wetter. Seine Unterstützer können Hardts Weg per Livestream verfolgen und über die Webseite des Vereins spenden.

Hardt ist zwar gläubig, sieht sich aber nicht einer bestimmten Glaubensgemeinschaft zugehörig: „Ich wandere als Pilger, bin gläubig, aber eher spirituell. Ich glaube an das große Ganze. Es geht darum, sich selbst auch tiefer zu erfahren, eine Verbindung zu den Menschen und zur Natur aufzubauen“, sagt er.

Unbedingt durch alte Heimat

Nach Vorbild der frühen Pilger ist auch Hardt mit wenig Geld unterwegs. Er hat zwar ein bestimmtes Budget eingeplant, ist aber auf Hilfe angewiesen: „Das ist eine weitere Schnittstelle zu den krebskranken Kindern. Ich brauche kein Mitleid, sondern Mitgefühl und Unterstützung.“ Diese bekommt Hardt reichlich: Mal wird er zum Essen eingeladen, mal wird ihm ein Schlafplatz angeboten. Ansonsten hat Hardt alles, was er zum Überleben braucht, dabei, übernachtet häufig im Zelt und hat Lebensmittel für zehn bis zwölf Tage in seinem etwa 45 Kilogramm schweren Rucksack.

Seine Route orientiert sich an seinen Unterstützern, weswegen er keiner geraden Linie folgt, sondern eher in Schleifen läuft. Nach dem Start am Nordkap führte ihn sein Weg auf dem Fernwanderweg E1 zunächst nach Schweden, wo er wetterbedingt über 1000 Kilometer Asphalt durch Mittelschweden laufen musste, nach Göteborg, wo er mit der Fähre nach Frederikshafen in Dänemark übersetzte. Schließlich folgte er dem Ochsenweg, einem Pilgerweg, nach Deutschland. Dort folgte er verschiedenen Jakobswegen.

Hardt wählte seine Route so, dass sie ihn durch die alte Pfälzer Heimat führte, zunächst nach Kaiserslautern, dann nach Pirmasens und schließlich durch den Pfälzerwald Richtung Karlsruhe. In Lautern angekommen, erinnerte er sich an früher und erklärte, warum er unbedingt durch die alte Heimat wandern wollte: „Es war für mich wichtig, nochmal durch Kaiserslautern und Pirmasens zu laufen, um alte Themen für mich aufzulösen, meinen Frieden damit zu schließen und noch mehr zu mir selbst zu finden.“ Über Karlsruhe geht es weiter nach Stuttgart, Konstanz und dann über Basel nach Frankreich.

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