Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel „Mit Ehrlichkeit und einem offenen Herzen“

„Ich sehe meine Arbeit als Künstlerin als Suche nach meiner Stimme“, sagt Olga Scheps.
»Ich sehe meine Arbeit als Künstlerin als Suche nach meiner Stimme«, sagt Olga Scheps.

Olga Scheps zählt zu den führenden Pianistinnen ihrer Generation. Konstanze Führlbeck hat sich vor ihrem Konzert am 12. März mit der Ausnahmemusikerin unterhalten.

Was werden Sie kommenden Donnerstag in der Fruchthalle spielen?
Mein Programm ist zwei Komponisten gewidmet: Wolfgang Amadeus Mozart und Frédéric Chopin. Von Mozart gibt es zwei Sonaten, die C-Dur Sonate Nr. 16 und die a-Moll Sonate Nr. 8. Außerdem spiele ich seine Fantasie d-Moll. Von Chopin stelle ich die Fantasie f-Moll und die h-Moll Sonate vor.

Warum haben Sie sich für diese Werke entschieden? Was fesselt Sie daran?
Wenn ich mich für ein Klavierwerk entscheiden müsste, das ich auf einen anderen Planeten mitnehmen möchte, dann die Fantasie f-Moll von Chopin. Ich habe eine besondere Verbindung zur Musik von Chopin, ich finde seinen Ausdruck so innig und ehrlich. Er ist mit dem Klavier verbunden wie kaum ein anderer Komponist. Das Klavier ist die Erweiterung seiner Seele, sein persönliches Tagebuch und Sprachrohr. Ich kann so viel beschreiben und erzählen durch diese Musik. Wenn ich sie für Menschen spiele, habe ich dieses erfüllende Gefühl, dass wir alle verstehen, worum es hier geht. Seine Musik geht so tief ins Herz, das ist etwas ganz Besonderes.

Die h-Moll Sonate ist ein ganz großes, relativ spätes Werk von Chopin, in dem er sich schon in neuen Dimensionen bewegt hat: Mehrstimmigkeit, ein noch längeres Aufbauen des Themas – das ist neu und unheimlich facettenreich. Sein gesamtes Können, seine ganze Erfahrung hat er hier eingebracht, Dramatik und Tiefe. Dieser poetische dritte Satz ist so farbenreich, dramatisch und unfassbar schön, gerade als langsamer Satz. Dann gibt es das lustige, heitere Scherzo, das hat so viel Witz. Und in dem wilden Finale geht ein Feuerwerk los. Das ist so ein großartiges Werk.

Und Mozart – ich liebe Mozarts Musik. Ich liebe es, beide Komponisten in einem Programm zu spielen, weil sie sich unheimlich ähnlich sind.

Olga Scheps ist in einer Musikerfamilie aufgewachsen.
Olga Scheps ist in einer Musikerfamilie aufgewachsen.

Inwiefern?
Der Umgang mit der Melodie und die Beziehung zu der menschlichen Stimme als Vorbild – kaum jemand, der für das Klavier geschrieben hat, ist so verbunden mit der Stimme wie Chopin. Bei Mozart ist das auch so offensichtlich, dass er sich am Operngesang orientiert hat.

Wir Pianisten sind gut beraten, wenn wir den Gesang am Klavier nutzen. Wir spielen ein Schlaginstrument und je mehr wir damit singen, umso besser. Ich spiele gern die Fantasie d-Moll und die Sonate C-Dur nacheinander. Die Sonate C-Dur transportiert für mich Leichtigkeit, Licht und Freude, das Schöne des Einfachen, das Humorvolle. Die Fantasie d-Moll ist das Drama, die Trauer, das Düster-Melancholische, sie erinnert mich an Schubert.

Was sind denn Ihre Repertoireschwerpunkte?
Definitiv Frédéric Chopin und Wolfgang Amadeus Mozart, Chopin ist in fast jedem meiner Konzerte. Aber ich spiele auch mit Orchester. Sehr gerne Werke von Tschaikowsky, Rachmaninow, Mozart, Beethoven. Wir Pianisten haben so eine Menge an toller Musik, aus der wir wählen dürfen, dass ein Leben nicht reicht, um alle zu spielen.

Sie konzentrieren sich also auf die späte Klassik und die Romantik?
Ja, ich spiele aber auch zeitgenössische Musik. Heutzutage gibt es sehr viele verschiedene Stile. Für mich ist immer die Hauptsache, dass dieses Werk zu mir spricht, dass ich ein Gefühl, eine Geschichte, eine Emotion ausdrücken kann, mit Ehrlichkeit und einem offenen Herzen.

Scheps schätzt die Musik von Mozart und Chopin.
Scheps schätzt die Musik von Mozart und Chopin.

Was spielen Sie lieber: Soloabende, Kammermusik oder Orchesterkonzerte?
Alle drei Varianten haben ihre Schönheit. Kammermusik beinhaltet dieses schöne gemeinsame Musizieren und aufeinander Hören. Als Solistin mit Orchester habe ich diese große Fülle an Farben und die Kraft, die mit dem Orchester entsteht. Solo spielen bedeutet eine Form der Freiheit, dass ich in diesem Moment kreieren kann, dass ich im Moment des Spielens Dinge anders machen kann, als ich sie mir in der Probe überlegt habe. Ich habe zum Beispiel schon im Konzert noch mal eine Wiederholung gespielt, weil sie so schön war. Oder ich spiele langsamer oder schneller, das kann eine sehr schöne Freiheit sein.

Wie haben Sie zur Musik und speziell zum Klavier gefunden?
Zum Klavier gekommen bin ich durch meine Eltern, die beide Pianisten sind. Mein Vater ist Pianist und Klavierprofessor, meine Mutter Pianistin und Klavierlehrerin. Bei uns im Haus war immer viel Musik – Liedbegleitung, Kammermusik, Klavierunterricht. Ich bin da ganz natürlich hineingewachsen. Irgendwann wurde es immer mehr und immer ernster für mich.

Welche Rolle hat der berühmte Pianist Alfred Brendel in Ihrer künstlerischen Entwicklung gespielt?
Herrn Brendel habe ich kennengelernt, als ich 15 war. Ich habe ihm einen Brief geschrieben und eine Aufnahme vom WDR-Radio dazugelegt – und ich habe eine Antwort bekommen. Wir sind uns immer verbunden geblieben und haben uns zu Proben getroffen.

Von Alfred Brendel gefördert: Olga Scheps.
Von Alfred Brendel gefördert: Olga Scheps.

Hat er Sie künstlerisch geprägt?
Er hat eine etwas andere Technik als ich. Es war immer spannend, weil er schon einen anderen Ansatz hatte, aber es gab auch viele Parallelen. Ich habe mit ihm auch Chopin erarbeitet, was nicht sein Kernrepertoire ist, und es war ein sehr spannender Austausch. Ich sehe meine Arbeit als Künstlerin als Suche nach meiner Stimme. Wie unterschiedliche Pianisten arbeiten, ihren Klang erzeugen – das hilft sehr beim Finden der eigenen Stimme.

Und welche Pläne haben Sie für die Zukunft?
Ich werde dieses Jahr wieder ein Album aufnehmen. Im Herbst gibt es die ersten Tracks, Anfang nächsten Jahres kommt dann das ganze Album. Und ich plane eine Tour nach Japan, mit dem Bratislava Symphony Orchestra. Dort werde ich das Klavierkonzert Nr. 1 von Tschaikowsky spielen und das Programm von Kaiserslautern. Geplant sind auch Auftritte in der Schweiz und in verschiedenen Städten in Deutschland. Ich freue mich auf die Begegnungen mit meinem Publikum. Das ist das Schöne an meinem Beruf: Es gibt keine Routine. Das Konzert ist der Moment, in dem wir bei uns sind, im Hier und Jetzt, und die Handys weglegen.

Zur Person

Olga Scheps wurde 1986 in Moskau geboren und übersiedelte 1992 nach Wuppertal. Ihr Vater Ilja Scheps stammt aus einer ukrainisch-jüdischen Familie und ist Pianist und Klavierprofessor, ihre Mutter Tamara Scheps Klavierlehrerin; auch ihre ältere Schwester Anna ist Pianistin. Alfred Brendel förderte sie. Noch während ihrer Schulzeit begann sie 1999 ihr Klavierstudium als Jungstudentin bei Vassily Lobanov, seit 2006 in der Meisterklasse von Pavel Gililov an der Hochschule für Musik Köln. Weitere Studien führten sie zu Arie Vardi und Dmitri Baschkirow. Sie war Gast beim Klavierfestival Ruhr und dem Rheingau Musik Festival, sie hat mit Dirigenten wie Yakov Kreizberg und Lorin Maazel zusammengearbeitet und ist in der Kammermusik mit Daniel Hope und Jan Vogler aufgetreten. 2017 drehte der WDR einen Dokumentarfilm über die vielseitige Künstlerin.

Termin

Kammerkonzert mit Olga Scheps, Donnerstag, 12. März, Fruchthalle Kaiserslautern, 19.30 Uhr, zuvor 18.45 Uhr Einführung. Karten und weitere Informationen unter www.fruchthalle.de, telefonisch unter 0631 365-3452, in der Tourist-Information oder bei Thalia.

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