Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Michael Littig gibt seine politischen Ämter auf

Michael Littig will weiter im Stadtrat mitarbeiten, aber nicht mehr als die Nummer eins in der CDU.
Michael Littig will weiter im Stadtrat mitarbeiten, aber nicht mehr als die Nummer eins in der CDU.

Eine der Schlüsselfiguren der Kaiserslauterer Kommunalpolitik zieht die Handbremse: Michael Littig, Fraktionsvorsitzender der CDU im Stadtrat und Chef des CDU-Kreisverbandes, gibt die beiden politischen Ämter auf. „Es gibt derzeit beruflich und privat zu viele Herausforderungen, es geht nicht anders“, sagte er der RHEINPFALZ.

Im Jahr 1999 hat Michael Littig das Softwarehaus Teckpro AG gegründet, das heute in Kaiserslautern 65 Mitarbeiter beschäftigt. „Wir haben unseren größten Mitbewerber in München übernommen, haben jetzt insgesamt 100 Mitarbeiter, denken über eine weitere Niederlassung in Berlin nach, wollen weiter wachsen, darauf muss ich mich die nächsten Monate konzentrieren“, erklärt der 58-Jährige. Zudem ist seine Firma gerade in die Luisenstraße umgezogen, wo Littig den Verwaltungstrakt der früheren Stadtsparkasse gekauft hat. Mit seinem Unternehmen peile er in diesem Jahr einen Umsatz von elf Millionen Euro an. Teckpro ist laut Littig jetzt mit Softwarelösungen für die Steuer- und Finanzindustrie sowie Versicherungen Marktführer.

„Mit Herzblut für die Stadt gearbeitet“

Für seine Parteifreunde komme der Schritt nicht überraschend. „Ich hatte das schon vor Monaten angekündigt, jetzt ziehen wir die Wahlen, die turnusmäßig im November geplant waren, vor.“ Littig vertritt die Auffassung, er schalte zum richtigen Zeitpunkt „einen deutlichen Gang zurück“. Er wolle aber weiterhin mitreden, Ratsarbeit machen, nur nicht mehr immer an der Spitze stehen. Seit 2019 war er Fraktionschef, seit 2016 CDU-Kreisvorsitzender. „Die CDU steht mit neuerdings zwei Vertretern im Stadtvorstand sehr gut da, wir haben tolle Leute im Rat“, betont er. Der Wirtschaftsinformatiker schreibt sich zu, mit seiner „starken Führung“ dazu beigetragen zu haben, dass im Stadtrat konstruktiver diskutiert wird, mehr Transparenz und Offenheit eingekehrt ist, weniger gegeneinander gearbeitet wird. „Ich weiß, dass ich auch angeeckt bin, aber ich habe immer den engen Austausch gesucht und mit Herzblut für die Stadt gearbeitet.“ Dass seine Wunschkandidatin Anja Pfeiffer, die er gepuscht hat, nicht Oberbürgermeisterin wurde, sieht er nicht als persönliche Niederlage. „Jetzt haben wir eine hervorragende Sozialdezernentin, die immer für die Sache streitet, bei den Kitaplätzen, beim Asternweg.“ Die Arbeit der Koalition mit Freien Wählern und den Grünen sieht er im Rückblick nach wie vor positiv. Es sei schade, dass er sie aufkündigen musste. „Aber es ging nicht mehr. Der Knackpunkt war, dass wir aus der RHEINPFALZ erfahren haben, dass die Freien Wähler mit Thomas Kürwitz einen eigenen OB-Kandidaten aufstellen.“ Damit sei die Vertrauensbasis weggebrochen.

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Ein unbequemer Politiker

Littig, der gerne mal den Unbequemen gibt, sagt, aus seiner Sicht habe sich das Miteinander im Stadtrat – „wir haben viele klasse Leute“ – in den vergangenen Jahren verbessert. „Wir haben viel mehr Entscheidungen mit wechselnden Mehrheiten getroffen, an der Sache orientiert.“ Er wünsche sich, dass auch im Stadtvorstand künftig mehr parteiübergreifend zusammengearbeitet werde, zum Wohle der Stadt.

„Kaiserslautern verkauft sich nach wie vor zu schlecht“

Kaiserslautern verkaufe sich nach wie vor zu schlecht, es fehle ein stringentes Stadtentwicklungskonzept. „Wir müssen endlich mal klar kommunizieren, wo wir 2030 stehen wollen.“ Die Entwicklung des Pfaff-Geländes und des Betzenbergs böten Chancen. „Wir müssen mehr wagen, was bundesweit Beachtung findet und die Forschungsstärke der Stadt widerspiegelt, eine Seilbahn vom Betze in die Stadt vielleicht, ein autonomes Shuttle zwischen Messeplatz und City. Wir müssen die Wissenschaftsstärke abbilden, die tollen Ideen, die es vor Ort gibt.“

Bundesschatzmeister der CDU-Mittelstands- und Wirtschaftsunion

Littig sagt, er arbeite im Schnitt 70 bis 80 Stunden in der Woche. „Nur wenn meine drei Enkel da sind, lasse ich alles andere sein.“ Definitiv nicht ruhen lasse er sein Engagement in der CDU-Mittelstands- und Wirtschaftsunion mit 25.000 Mitgliedern. Am Freitag erst wurde er als Bundesschatzmeister wiedergewählt. „Ich will auf Bundesebene weiter mitgestalten, gerade was die wirtschafts- und sozialpolitischen Themen angeht“, so Littig. Da bringe er berufsbedingt eine große Expertise mit, die gefragt sei. „Wir vernetzen uns beim Thema Altersvorsorge vor Ort gerade noch enger mit dem DFKI und dem Fraunhofer-ITWM“, erläutert er. Dass er zum inneren Zirkel der CDU auf Bundesebene gehört, war im Vorfeld der OB-Wahl deutlich geworden, als er die prominentesten CDU-Leute, von Friedrich Merz über Jens Spahn bis zu Karl-Josef Laumann, nach Kaiserslautern holte. Im Schnitt zweimal im Monat fährt er morgens mit dem Sprinter nach Berlin, um sich für die Bundes-CDU zu engagieren.

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