Kaiserslautern
Merzys Flohmarkthalle: Gegengewicht zur Wegwerfgesellschaft
„Du kommst hier rein und suchst etwas, aber du findest viel mehr“, sagt Michael Merz. Stolz zeigt er seine Flohmarkthalle im Kaiserslauterer Stadtteil Einsiedlerhof. „Wir haben alles, was den Haushalt betrifft. Egal ob Gläser, ob Tassen: wir haben es.“ Die Gegenstände in seinem Geschäft hat er alle von verschiedenen Entrümpelungen mitgebracht, die Merz mit seiner Firma vornimmt. Er kritisiert: „Wir sind leider eine Wegwerfgesellschaft geworden.“ Dieser weitverbreiteten Einstellung möchte er mit seiner Flohmarkthalle entgegenwirken. 2020 hat Merz dem Laden in einer Industriehalle eröffnet. Dabei startete er zunächst unter schlechten Bedingungen: „Wir waren mitten im Lockdown. Ich habe den Laden aufgemacht, drei Wochen später musste ich ihn wieder zu machen“, erzählt Merz rückblickend.
Retro-Hype bei jungen Menschen
Doch irgendwie ging es für ihn weiter. Bei Merzys Flohmarkthalle sei an jeden gedacht, berichtet der Lauterer: Es gibt eine Kaffee-Ecke für die Kunden, außerdem eine Spielecke für die Kinder. „Damit die Eltern in Ruhe einkaufen können“, sagt Merz. Der ganze Laden ist nach Themenwelten sortiert. So gibt es Bereiche für Fußball, einen über die Stadt Kaiserslautern, den Landkreis und allerlei Diverses. Viele seiner Kunden sind Amerikaner, erzählt Merz. „Sie kommen teilweise in großen Gruppen, der Laden ist für sie etwas ganz Besonderes. Es kommen aber auch viele junge Leute und freuen sich, dass sie etwas aus den 70er-Jahren finden“, berichtet der Entrümpler. Insbesondere Schallplatten sind derzeit sehr beliebt, wie seine Frau Catrin Steiner-Vollmer sagt.
Die Atmosphäre will Merz bewusst familiär halten, steril wie in vielen anderen Geschäften geht es hier nicht zu. Alle packen mit an. „Zusammen mit den Minijobbern sind wir zu acht“, sagt Merz, dessen Bruder ebenso mitarbeitet, wie seine Frau. „Meine Frau ist hier aber der CEO“, erzählt er lachend. Feste Preise gebe es in ihrem Laden grundsätzlich nicht. Sie seien Verhandlungssache und würden sich in den Gesprächen entwickeln. So wie bei einem echten Flohmarkt eben auch. Eine Ausnahme gibt es allerdings: CDs und DVDs kosten grundsätzlich nur einen Euro. Bevor die Sachen verkauft werden, werden sie noch mal gründlich gereinigt und aufbereitet. Vor allem Porzellan und Vasen. Durch seine lange Erfahrung beim Entrümpeln hat Michael Merz mit der Zeit ein Auge dafür entwickelt, zu erkennen, „was man noch brauchen kann und was nicht.“
Merz skurrilste Entdeckung
Das skurrilste was er mal bei einer Entrümpelung gefunden habe, sei das Skelett einer toten Katze gewesen, sagt Merz. „Die Katze wurde in der Wohnung vergessen und ist darin wohl leider verhungert“, berichtet er von dem gruseligen Fund. „Wir hatten uns schon gewundert, woher der Geruch kam, als wir in die Wohnung rein sind. Dann haben wir das Skelett gefunden.“ Das gehöre dazu, vor allem bei Messi-Wohnungen, in denen Menschen jede Menge Plunder, teilweise auch Müll, horten, warteten oft Überraschungen auf Merz und sein Team. Doch es gibt auch ganz andere Aufträge. Solche die für Merz – leidenschaftlicher FCK-Fan – eine Ehre waren. So berichtet er beispielsweise von der Entrümpelung des Hauses von Horst Eckel in Vogelbach – und über die des Elternhauses von Fritz und Ottmar Walter in Kaiserslautern.
FCK-Fan mit sozialer Ader
FCK-Fan „bin ich schon immer“, sagt Merz. Und das, obwohl er seine Jugend im nordhessischen Kassel verbrachte und nicht in der Pfalz. „Ich bin aber hier in Kaiserslautern geboren und kam 2000 wieder zurück in die Stadt.“ Die Spiele des FCK besucht Michael Merz zusammen mit seinem Fanclub, den „Böhsen Teufeln“. Dieser sei für ihn wie eine Familie.
Immer wieder engagiere er sich auch sozial. Das sei für ihn eine Herzenssache. „Wenn ich bei den Entrümpelungen Trikots finde, dann kommen FCK-Legenden wie Axel Roos, Demir Hotic oder Gerry Ehrmann zu mir und unterschreiben sie.“ Den Erlös spendet er zum Beispiel an Jugendabteilung verschiedener Kaiserslauterer Fußballvereine. Auch die Einnahmen der zwei Mal im Jahr stattfindenden Feste, werden gespendet: „Der Gewinn unseres Sommerfests geht an das Nachwuchsleistungszentrum des FCK und an die Betze-Engel.“ Das Geld, das beim Winterfest zusammenkomme, werde an das Tierheim Kaiserslautern gespendet. Soziale Aktionen liegen Merz am Herzen: „Wir haben etwas und wir geben etwas zurück.“