Kaiserslautern
Mephistos Leipzig: Seit zehn Jahren Anlaufpunkt für FCK-Fans im Osten Deutschlands
Ja, es soll sie geben, die FCK-Fans in der Diaspora. Und irgendwie finden die Betze-Anhänger immer zueinander. Diese Erfahrung machte auch Falk Vonderlin, Frankenthaler, den es „der Liebe wegen und beruflich“, wie er erzählt, nach Leipzig verschlagen hat. Mitgenommen hat er selbstverständlich seine Begeisterung für seinen Lieblingsclub, den 1. FC Kaiserslautern. Auf der Straße traf er in seiner neuen Heimat irgendwann mal einen Fan im FCK-T-Shirt. Eine schöne Begegnung. Kurz darauf lief ihm in einer Kneipe – er war selbst im FCK-Trikot unterwegs – ein Gleichgesinnter, ebenfalls im Fan-Dress, mit einem verstärkten Faible für den einen Verein vom Betzenberg über den Weg. Die Begegnungen häuften sich. „Dann war es irgendwann ein Selbstläufer“, berichtet Vonderlin im Gespräch mit der RHEINPFALZ.
Was hat Goethe mit dem FCK-Fanclub zu tun?
Gemeinsam Fußball schauen, zusammen zu Spielen fahren, die gemeinsame Begeisterung für den FCK – da war es nicht mehr weit bis zum Fanclub. Acht Gründungsmitglieder fanden sich vor zehn Jahren zusammen, füllten ein paar Formulare aus, legten einen Vorstand fest und hoben so die Mephistos Leipzig aus der Taufe. Wenig später kam dann das offizielle Schreiben vom FCK, „Willkommen in der Fan-Club-Familie“: „Das war schon beeindruckend“, findet Vonderlin, der Fanclub-Vorsitzende, im Rückblick.
Der Name des Fanclubs hat gar einen literarischen Bezug: In Johann Wolfgang von Goethes bekanntestem Werk, im Drama „Faust“, spielt eine Szene in Auerbachs Keller, eines der bekanntesten (und ältesten) Wirtshäuser Leipzigs. Dort zaubert der Teufel – Mephisto – und beeindruckt damit einige Studenten in der Kneipe. Die Verbindung lag nahe. Zur Gründungsstadt des Clubs gibt es aber noch einen weiteren Bezug: die Stadtfarben blau und gelb spiegeln sich, wenn auch dezent, im offiziellen Logo der Mephistos wider.
Einst acht Gründungsmitglieder, heute stolze 50
Aus acht Gründungsmitgliedern sind mittlerweile stolze 50 organisierte FCK-Fans in Sachsens Metropole geworden. Am Karsamstag, unmittelbar vor dem Heimspiel der Roten Teufel gegen Fortuna Düsseldorf, wurden die Mephistos auf dem Rasen im Fritz-Walter-Station für zehn Jahre Fanarbeit geehrt. „Das hat uns sehr gefreut“, berichtet Vonderlin, der gemeinsam mit seinem Vorstandskollegen Jens Mehner eine Urkunde überreicht bekam – aus den Händen von FCK-Chef Thomas Hengen.
Nicht alle Mitglieder kommen aus Leipzig oder Sachsen, auch aus Thüringen finden sich FCK-Fans in der Mitgliederliste der Mephistos. Ja, die Mephistos seien schon so etwas wie ein Leuchtturm in Sachen FCK-Fanarbeit im Osten, dienten oft als Ansprechpartner, unterstützten bei Auswärtsfahrten oder Ticketanfragen. Wobei: Gerade habe sich ein Fan-Zusammenschluss in Erfurt gegründet, eine schöne Entwicklung, findet Vonderlin. Der FCK komme mit seinem bodenständigen Image, den Werten wie Kameradschaft und Zusammenhalt, gut an im Osten. Zudem liefen mit Michael Ballack, Jürgen Rische und Olaf Marschall auch Spieler aus dem Osten im Trikot der Roten Teufel auf und feierten Erfolge.
„In den kommenden Jahren wollen wir noch ein bisschen weiter wachsen“, blickt Vonderlin ein wenig in die Zukunft. Als Nahziel möchte er, dass der FCK die „Auswärtsdauerschwäche mal überwindet“, endlich auch in der Fremde mal wieder punktet. „Wir könnten damit ja beim Spiel in Berlin bei der Hertha mal damit anfangen“, sagt Vonderlin. Eine rund 20 Köpfe zählende Delegation der Mephistos wird sich am Samstag (Anstoß: 13 Uhr, Olympiastadion) auf den Weg in die Bundeshauptstadt machen. „Ein 2:1 für den FCK könnte drin sein, wir wollen ja auch Revanche nehmen für das Pokalaus.“
Unser Autor
Andreas Sebald ist Fan der Roten Teufel und besucht seit den Tagen, als Trainer Sepp Stabel im Frühjahr 1988 den FCK vorm Abstieg in die Zweite Liga bewahrte, regelmäßig Spiele im Fritz-Walter-Stadion.
