Wo isst Kaiserslautern?
„Melissa’s Esszimmer“: Nicht billig, aber jeden Cent wert
Gerade mal fünf Hauptspeisen stehen auf der Karte: ein gutes Zeichen. Hier zählt Qualität, nicht Quantität. Das Restaurant „Melissa’s Esszimmer“ ist erst seit einem halben Jahr geöffnet, hat aber bereits einen guten Ruf. Der eilte dem Lokal voraus – denn das Betreiber-Ehepaar Melissa und Stefan Duran-Sellin führte zuvor das Weinhaus Stepp. Und so zählt auch „Melissa’s Esszimmer“ zur gehobeneren Gastronomie in Kaiserslautern.
Das Interieur ist klar, aber alles andere als steril. Die runden, gepolsterten Stühle fügen sich gut in die geraden Linien ein, echte Blumen auf den Tischen vervollständigen das stilvolle Bild. Die Leuchten an den Decken sind in ihrem außergewöhnlichen Design ein Hingucker. Wir haben uns für einen Besuch mittags entschieden. Die Karte weicht kaum von der Abendkarte ab, aber es gibt ein täglich wechselndes, günstigeres Zwei-Gang-Menü – nur die vegetarische Alternative bleibt unverändert für die Woche.
Angenehm ruhige Atmosphäre
Wir nehmen das Tagesmenü Saumagen mit Kartoffelpüree, Kastanien, Karotten und Rosenkohl sowie die vegetarischen Tagliarini mit Knollen-Ziest, Pinienkernen und Rosenkohlblättern als Hauptgänge. Die Vorspeisen klingen beide gut: Sellerie-Birnen-Suppe und herbstlicher Caesar Salat mit geräucherter Entenbrust und Kürbiswürfeln – ob wir den auch ohne Fleisch bekommen? Kein Problem, bestätigt uns die Bedienung, ein junger Mann; ohne Frage zuvorkommend und höflich, aber vielleicht ein kleines bisschen zu distanziert für das Lokal. Ein Lächeln mit ein paar netten Worten machen jeden Restaurantbesuch persönlicher.
Langsam füllen sich andere Tische in dem großen, langgezogenen Gastraum mit Glasfronten. Der Geräuschpegel bleibt aber sehr angenehm ruhig, man muss weder Gespräche von Fremden ungefragt mitanhören noch selbst die Stimme erheben, um vom Gegenüber verstanden zu werden. Mit den Getränken kommt auch das Baguette im Körbchen, helles und dunkles, mit einem Frischkäse-Preiselbeer-Dip. Der erste kulinarische Eindruck bestätigt den optischen: Hier wird Wert auf Qualität gelegt und der Gaumen verwöhnt.
Geschmack und Optik überzeugen
Die Suppe und der Salat wissen dies zu steigern. Die Salatblätter sind ebenso knackig wie die Kürbiswürfelchen, Rotkohlfäden und geviertelte Cherry-Tomaten sorgen zudem für Farbe, das Dressing ist sehr delikat. Die Suppe kann zwar naturgemäß nicht mit so viel Optik aufwarten, überzeugt aber ebenso mit ihrem feinen Geschmack – das Erdige des Knollenselleries harmoniert wunderbar mit der Süße der Birne – und einer samtigen Konsistenz. Zudem gibt es einen gut gefüllten Teller davon.
Auch die beiden Hauptgänge enttäuschen nicht, sondern setzen den guten Eindruck fort. Der Saumagen kommt in drei dünnen, zu einem Türmchen gestapelten Scheiben, flankiert von Kartoffelpüree. Rosenkohl, bunte Möhren und Maronen sind perfekt karamellisiert und die Sauce schmeckt einfach nur nach mehr.
Gemüse in Form des Michelin-Männchens
In den Tagliarini sticht der Knollen-Ziest erst auf den zweiten Blick hervor: Die kleinen, lustig abgeschnürten weißen Knollen könnte man auch für Pasta halten – in der Form von Miniatur-Michelin-Männchen. Doch der knackige Biss macht schnell klar, dass es sich um Gemüse handelt. Von der Konsistenz an Wasserkastanie erinnernd, ist der Geschmack deutlich weniger hervorstechend als die Form. Doch die Pastasauce mit den Tomätchen und Kräutern sorgt für ausreichend feinen Geschmack.
Wir sind gut gesättigt, für ein Dessert ist ohnehin kein Platz mehr. Und so kommen wir für 35 beziehungsweise 28 Euro (vegetarisch) mit dem Zwei-Gang-Menü mittags auch preislich sehr gut weg. Die Hauptspeisen allein liegen sonst bei 25 bis 42 Euro. Mit rund 75 Euro für zwei Personen ist man mittags sicher nicht günstig unterwegs. Doch was man dafür bekommt, ist seinen Preis auf jeden Fall wert.
Auf Allergien oder spezielle Wünsche geht die Küche ein, wenn dies bei der Reservierung angegeben wird: ein guter Service. Auch die Flexibilität beim Salat fällt positiv ins Gewicht. Doch bei den vegetarischen Speisen würde etwas mehr Auswahl und Kreativität dem Lokal gut zu Gesicht stehen; die vegetarische Küche gibt mehr als Pasta und Risotto her. Damit wäre auch die B-Note ohne Punktabzug. Denn wer Fleisch isst, kann auch vegetarisch essen – und viele tun dies –, aber der Vegetarier hat nur ein Gericht „zur Wahl“.