Betze-Geflüster
Meistertrainer Kalli Feldkamp bei FCK-Pleite gegen Braunschweig im Stadion
Den Besuch auf dem Betze hatte sich Kalli Feldkamp ganz anders vorgestellt. Zusammen mit Petra und Hans-Peter Briegel wollten die Feldkamps mal wieder Fußball live in der alten Heimat erleben. Die Idee zu dem Besuch kam von einem aus der Pfalz stammenden Kardiologen, der seit langem in Feldkamps Wahlheimat Braunschweig praktiziert und der auch mal wieder Lauterer Fußballluft schnuppern wollte. Das Resultat ist bekannt: Die Braunschweiger, die bessere von zwei schlechten Mannschaften, gewannen den Grottenkick mit 2:0 (1:0), nährten die Hoffnung auf eine Zukunft in Liga 2. Der FCK lieferte sein schlechtestes Heimspiel in dieser schwierigen Berg-und-Talfahrt-Spielzeit.
„Chaosauftritte wie diesen darf sich der FCK auf Dauer nicht leisten“, mahnt Kalli Feldkamp, der beim FCK für goldene Zeiten steht. Der Meistermacher von 1991 wird am 2. Juni 92 Jahre alt, die Pfalz ist ein Stück Heimat für ihn geblieben. So hat er die vier Tage rund um Battenberg mit seiner Frau Helma genossen.
Drei Chancen für versöhnlichen Saisonabschluss
Es sind derzeit keine guten Zeiten für die Roten Teufel. Der e.V. lässt rätseln, warum Vereinsmanager Markus Endlich, vor zwei Jahren mit viel Vorschusslorbeer empfangen, keinen neuen Vertrag mehr erhält. Uwe Scherr, 1991 Flügel-Turbo in Kalli Feldkamps Meistermannschaft, musste nach sechs Jahren als Leiter des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ) gehen. Fakt ist: Das NLZ liefert gute Jungs für den Profi-Kader. Gründe für Scherrs Ablösung sind nicht bekannt. Es wird spekuliert.
Noch drei Spiele bleiben dem 1. FC Kaiserslautern, um einen halbwegs versöhnlichen Saisonabschluss hinzubekommen. Alle drei Gegner kämpfen gegen den Abstieg aus der 2. Liga. Mit „Leistungen“ wie in Kiel und zuletzt gegen Braunschweig wird der FCK gegen keinen was holen. Charakter mag Trainer Lieberknecht seinen Spielern trotz allem aber nicht absprechen: „Die Mannschaft hat oft auch Charakter bewiesen.“ Am Samstag (13 Uhr) müssen sich die Lauterer im Rudolf-Harbig-Stadion in Dresden auf einen entfesselt auftretenden Gastgeber einstellen. Dynamo steht nur zwei Punkte vor dem 1. FC Magdeburg auf dem Relegationsplatz. Am 8. Mai (18.30 Uhr) kommt Arminia Bielefeld, derzeit punktgleich mit den Dresdnern, nach Lautern. Am letzten Spieltag, am 17. Mai (15.30 Uhr), ist der FCK zu Gast in Magdeburg.
2905 FCK-Fans füllen den Gästeblock in Dresden bis auf den letzten Platz. Diese Treue wird speziell auswärts auf eine schwere Probe gestellt. Neben dem so schmerzlich vermissten Torjäger Ivan Prtajin fehlen bei der Dienstreise nach Sachsen auch die verletzten Mahir Emreli, Mika Haas, Daniel Hanslik, Kenny Prince Redondo sowie Naatan Skyttä und die Nachwuchsspieler Dion Hofmeister und Erik Müller. Ein Fragezeichen steht hinter dem Mitwirken von Ji-Soo Kim. Klar ist: Julian Krahl hütet wieder das Tor, Enis Kamga spielt am Samstag (16 Uhr) in der U21 gegen Arminia Ludwigshafen. „Eine gesunde Balance“ finden will Lieberknecht bei der Kadernominierung für Dresden, weil er natürlich die zweite Mannschaft nicht schwächen möchte, die in die Regionalliga aufsteigen will.
Standards sind eine Schwachstelle
Die jüngsten Leblos-Auftritte haben Spuren hinterlassen. „Jede Niederlage nagt, jede Niederlage schmerzt“, sagt Lieberknecht, der zuletzt auch eine entsprechende Körpersprache vermisste. Für Kampf, für Leidenschaft, für Mentalität steht Leon Robinson, der nach seiner Gelb-Sperre im Spiel gegen Karlsruhe mehr oder weniger außen vor war. „Ganz offen, ganz sachlich“ habe er mit Robinson, dem auch mit dem bisher selten überzeugenden Winterneuzugang Jacob Rasmussen neue Konkurrenz erwachsen ist, die Situation besprochen. Gerade durch die Dezimierung im Kader dürfte in Dresden wieder eine Tür zur Startelf für den in der Mannschaft als „Krieger“ geschätzten Robinson aufgehen. „Er kämpft darum“, attestiert der Trainer.
Eine Schwachstelle sind die Standards. Das Verhalten beim Verteidigen schien in der Hinrunde bei nur einem Gegentor nach Standards ausgemerzt, in der Rückrunde „haben wir uns den Top-Schnitt kaputt gemacht“, räumt der Trainer den Rückfall ein. Gegen Braunschweig hatte der FCK 12:1-Ecken – nicht eine war gefährlich. „Ich habe noch nie so viel Zeit in Standards investiert“, sagt Torsten Lieberknecht. Er weiß um die Großbaustelle!
Unser Autor
Im „Betze-Geflüster“ greifen wir Begebenheiten am Rande der Spiele des 1. FC Kaiserslautern auf. Horst Konzok war mehr als ein Vierteljahrhundert Ressortleiter der RHEINPFALZ-Sportredaktion. Er ist ein intimer Kenner der Roten Teufel.