Kaiserslautern / Nürburgring RHEINPFALZ Plus Artikel Max Verstappen startet am Nürburgring – und bekommt Lob von einem Lauterer

Der Kaiserslauterer Mike Jäger ist Geschäftsführer der Veranstaltergemeinschaft der Nürburgring-Langstreckenserie.
Der Kaiserslauterer Mike Jäger ist Geschäftsführer der Veranstaltergemeinschaft der Nürburgring-Langstreckenserie.

Mike Jäger ist der Chef der Veranstaltergemeinschaft Langstreckenpokal. Er lobt die Bodenständigkeit des Top-Fahrers Verstappen: „Seine Teilnahme ist ein Segen für uns.“

Am Samstag, 16. Mai, startet der vierfache Formel-1-Weltmeister Max Verstappen beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring – in einem Mercedes-GT3. Vorbereitet hat er sich in der Nürburgring Langstreckenserie (NLS) der Veranstaltergemeinschaft Langstreckenpokal Nürburgring (VLN). Geschäftsführer der VLN ist Mike Jäger – seit 20 Jahren Kaiserslauterer.

Seit 50 Jahren gibt es die Langstreckenrennen für Touren- und GT-Fahrzeuge auf der Nordschleife. Die 24 Stunden gehören zwar nicht zur NLS, dennoch bereiten sich die Teams im Rahmen der Serie auf den Klassiker vor. Das hat Gründe: Amateure und Profis fahren hier gemeinsam – in unterschiedlich starken Fahrzeugen. Deshalb gelten klare Regeln der Rücksichtnahme, an die sich alle halten müssen. Auch Formel-1-Weltmeister.

Jäger ist bis 2021 selbst in der Serie gefahren

Mike Jäger leitet die VLN seit 2022. Die Veranstaltergemeinschaft besteht aus acht Clubs, Jäger war zunächst Delegierter des MSC Adenau. „Die Clubs fanden es gut, jemanden zu haben, der nicht nur Theorie und Betriebswirtschaft beherrscht, sondern auch die Praxis im Fahrerlager kennt – und weiß, wie sich ein Rennwagen anfühlt. Bis 2021 bin ich selbst in der Serie gestartet. Ich habe wohl an den richtigen Stellen die richtigen Fragen gestellt, um dem Rückgang im Motorsport entgegenzuwirken. Irgendwann wurde ich gefragt, ob ich die Geschäftsführung übernehmen möchte.“

Ein schwerer Gang für alle: Nach dem Tod des Rennfahrers Juha Miettinen gab es eine Gedenkminute. Das Foto zeigt (vorne, von lin
Ein schwerer Gang für alle: Nach dem Tod des Rennfahrers Juha Miettinen gab es eine Gedenkminute. Das Foto zeigt (vorne, von links) Jannes Fittje, Max Verstappen, Timo Scheider und Rennleiter Walter Hornung.

Jägers Büro ist das Fahrerlager. Dort führt er Gespräche und hält sich auf dem Laufenden. „Wenn ich von A nach B gehe, bin ich Stunden unterwegs – um zu hören, was unsere Kunden wollen.“ Er half, die NLS durch schwere Krisen zu führen. Corona kostete Teilnehmer und Zuschauer. Anschließend drohte eine feindliche Übernahme des Nürburgrings als Veranstaltungsort durch den Automobilclub von Deutschland (AvD). Die Veranstalter hielten zusammen und wehrten den Angriff ab. Wenn am 16. Mai, die Jagd bei den 24 Stunden beginnt, müssen erstmals wieder Teams zu Hause bleiben.

40 Fahrzeuge gehen an den Start

40 GT3-Autos markieren einen neuen Teilnehmerrekord in der stärksten Klasse. Bei aller Professionalität bleibt Jäger dabei: „Wir sind und bleiben eine Breitensportserie. Wir wollen kleine und große Fahrzeuge auf der Strecke haben und bieten für jeden eine Plattform.“ Zugleich seien die schnellen GT3-Fahrzeuge für die VLN unverzichtbar, um den Bestand der Serie zu sichern. Sie bringen Sponsoren und Reichweite bei den Livestreams im Internet. „Wir brauchen diesen Zuspruch, um die Preisschraube nicht eskalieren zu lassen und die Serie gegenüber Sponsoren vermarkten zu können.“ Seit Verstappen mitfährt, seien die Abrufzahlen weltweit explodiert.

Dachte Jäger „Hurra“ oder „Oh Gott“, als Verstappen seinen Traum von Rennen auf der Nordschleife umsetzte? „Das war ein Hurra. Seine Starts bringen Anforderungen an die Sicherheit mit sich, aber Max setzt die vor allem bei sich selbst an. Am langen Ende sind wir eine große Familie – und da gehört Max jetzt dazu. Er bekommt keine Extrawurst, und seine Teilnahme ist ein Segen für uns.“

Schlimmer Unfall bei Vorbereitungsrennen

So professionell Verstappen das Projekt angeht, so deutlich war zu spüren, wie sehr ihn die Einsätze seit Herbst des vergangenen Jahres entspannen. Er legte ein grandioses Formel-1-Finale hin, das Lando Norris fast den Titel gekostet hätte.

Fahrspaß in der Grünen Hölle: Max Verstappen (AMG GT3 in der Bildmitte) fährt, wenn es sein Terminkalender zulässt, Langstrecken
Fahrspaß in der Grünen Hölle: Max Verstappen (AMG GT3 in der Bildmitte) fährt, wenn es sein Terminkalender zulässt, Langstreckenrennen am Nürburgring.

Ein Schatten fiel jedoch am vergangenen Samstag auf die Leichtigkeit seiner VLN-Starts: Beim ersten Vorbereitungsrennen zu den 24 Stunden verunglückte der Finne Juha Miettinen bei einer Massenkarambolage tödlich – wohl, weil ein Fahrzeug vor ihm Öl verloren hatte. „Ich bin geschockt über das, was passiert ist“, schrieb Verstappen auf Instagram. „Motorsport ist etwas, das wir alle lieben. Aber in Zeiten wie diesen werden wir daran erinnert, wie gefährlich er sein kann.“

Wie verbunden er sich mit der Motorsportfamilie am Ring fühlt, zeigte sich vor dem Start zum zweiten Qualifikationsrennen am Sonntagnachmittag. Verstappen kondolierte Miettinens Familie und Teammitgliedern persönlich vor der Gedenkminute – wie viele andere Fahrer auch. Danach reihte er sich in die Trauernden ein.

Der Niederländer überzeugt nicht nur mit Manövern und fairen Duellen, sondern auch mit Empathie. „Max wartet zwei Kurven, bis er sicher an einem vorbeikann. So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagt der Merziger Michael Bohrer, der mit einem VW Golf GTI startet und sich regelmäßig von den Großen überrunden lassen muss.

Nach Schumacher mit der Formel 1 abgeschlossen

Auch Jäger lobt, wie sich Verstappen in die Nürburgring-Familie einfügt. „Nach Michael Schumacher hatte ich mit der Formel 1 abgeschlossen. Ich habe mich überhaupt nicht für Max Verstappen interessiert. Ich habe ihn nun kennengelernt und freue mich, wie bodenständig dieser Kerl ist. Der will nur fahren, das Drumherum interessiert ihn gar nicht.“

Jäger, 55, ist Unternehmensberater. Bleibt Zeit für Hobbys und Familie? „Meine Tage sind komplett durchgetaktet, da kommt die Familie hin und wieder zu kurz, obwohl sie mir sehr wichtig ist.“ Mit seinem Sohn geht er regelmäßig auf die Kartbahn oder fährt im Simulator. Außerdem ist Sport für ihn ein Ausgleich. „Ich gehe trainieren, ins Fitnessstudio. Ich betreibe Kampfsport, habe aber keine festen Trainingstage.“

Nächster Einsatz mit 911er Porsche

Zum Motorsport kam Jäger über das Kart. „Ich war schnell, aber Mittelmaß. Nach einem Trümmerbruch im Sprunggelenk musste ich mit dem Fußball aufhören – das war meine ursprüngliche Passion. Ich hatte immer Interesse an Autos, aber nie die Nähe dazu. Dann bekam ich eine Stunde im Rennwagen am Nürburgring geschenkt. So ist der Bazillus entstanden.“

Natürlich verfolgt Jäger auch den 1. FC Kaiserslautern, ins Stadion schafft er es aber nicht. „Ich bin eher der Ergebnismensch.“ Im Mai plant er zudem ein Renncomeback: Weil er beim 24-Stunden-Rennen organisatorisch nicht eingebunden ist, startet er für „White Angel for Fly and Help“ auf einem Porsche 911. Das Team sammelt Spenden für die Stiftung Fly and Help, die Schulen in Entwicklungs- und Schwellenländern baut. Damit wird Jäger Verstappen auch auf der Strecke begegnen.

Verstappen wird im Gegensatz zu Jäger auf den Gesamtsieg hoffen. Ob der Formel-1-Fahrer im Falle eines Erfolgs bei den 24 Stunden am Nürburgring bleibt? „Meines Wissens ja. Das ist ein langfristiges Projekt für ihn“, sagt Jäger.

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