Kaiserslautern
Marode Brücke bei Rittersbacher: Kein Personal für Neubauplanung
Note 3,7 – was in der Schule ausreichend wäre, deutet bei Brücken auf einen miserablen Zustand hin, denn die Skala reicht dort nur von eins (sehr guter Zustand) bis vier (ungenügender Zustand). Für die Brücke über die Lautertalbahn im Bereich des Autohauses Rittersbacher verheißt die Benotung also nichts Gutes. „Es kann täglich passieren, dass der Prüfingenieur sagt: ,Hier fährt niemand mehr drüber’“, unterstreicht Alexander Mock, Leiter der Abteilung Ingenieurbauwerke der Stadt, die Dringlichkeit des Handlungsbedarfs. Schließlich ist der Abschnitt der Pariser Straße eine stark befahrene Strecke, über die täglich zahlreiche Fahrzeuge in Richtung Westpfalz-Klinikum und Innenstadt rollen oder in entgegengesetzte Richtung aus der Stadt hinaus.
Weiteres Großprojekt nicht zu stemmen
Wie schon in der Pariser Straße im Bereich Rauschenweg handelt es sich auch am Lothringer Eck eigentlich um zwei Bauwerke. Auf der Nordseite existiert ein Gewölbe aus Sandstein. Irgendwann wurde die Straße erweitert, ein neuer Bau ergänzt, so Mock. Probleme bereiten unter anderem die Kappen zwischen den Bauwerken. Auf der Unterseite dieser Kappen gibt es aufgrund von Feuchtigkeit und Tausalzen starke Betonabplatzungen. Nun verläuft durch die Unterführung zwar keine Hochgeschwindigkeitstrasse, die Lautertalbahn ist auch nicht elektrifiziert und die Taktung überschaubar. Herabfallende Betonteile sind allerdings trotzdem ein großes Risiko. „Eigentlich brauchen wir dort einen Ersatzneubau, weil der Bahn auch die Breite der Unterführung nicht ausreicht“, erklärt Mock. Doch dieser Neubau würde voraussichtlich vier Millionen Euro kosten, bedürfte einer europaweiten Vergabe: ein großes Projekt mit langer Vorlaufzeit. Dafür fehlt der Abteilung schlicht das Personal – auch angesichts anderer dringlicher Großprojekte wie dem Neubau der Jacob-Pfeiffer-Brücke auf dem Einsiedlerhof, erklärt Mock. Die noch junge Abteilung wurde zwar sukzessive verstärkt, aktuell ist Alexander Mock aber in einer Doppelrolle: Abteilungs- und Projektleiter. Daher soll ein weiterer Projektmanager dazukommen. Doch das ist gar nicht so einfach.
„Deutschlandweit haben wir aktuell ein Thema mit Sanierungsstau. Die Pflege unserer Infrastruktur ist Jahrzehnte lang zu kurz gekommen, der Tiefpunkt war der Einsturz der Carolabrücke. Es ist nicht ausreichend Personal vorhanden, um die Fülle der Aufgaben zu bewältigen“, sagt Baudezernent Manuel Steinbrenner (Grüne). Einerseits müsse man sich mit hohem Zeitdruck um immer neue Themen kümmern, andererseits sei das Sanieren im Bestand sehr komplex. Die Straßen seien schon ohne Sperrungen überlastet. Neben der Ingenieurskompetenz müsse man beim Brückenbau viele Akteure einbinden – die Bahn, externe Behörden, aber auch Anlieger und Nachbarn –, es gebe einen extrem hohen Abstimmungsbedarf. Die dafür nötigen Fachkräfte werden aber in der freien Wirtschaft ebenso benötigt wie in anderen Städten. „Wir haben noch gewisses Glück, dass wir die RPTU vor Ort haben“, unterstreicht Steinbrenner.
Zustand mit kleineren Maßnahmen verbessern
Da die Kapazitäten für ein weiteres Neubauprojekt fehlten, hofft die Verwaltung, den Ersatzneubau durch Instandsetzungsarbeiten hinauszögern zu können, so Mock. Ende April stehe eine Begutachtung des Bauwerks an. Eine objektspezifische Schadensanalyse solle zeigen, ob man den Zustand der Brücke dank kleinerer Maßnahmen verbessern könne. Vielleicht, so mutmaßt Mock, seien die Abplatzungen an der Unterseite durch eine neue Abdichtung in den Griff zu kriegen oder die Stellen könnten mit Spritzbeton von unten gesichert werden.
Gleichzeitig will der Abteilungsleiter Notfallpläne erarbeiten, auf die man zurückgreifen könne, falls tatsächlich mal eine Sperrung notwendig werde. Dafür müsse man die Rettungskräfte und die Polizei mit ins Boot holen, ebenso die Bahn. Es gehe darum, ein Umleitungskonzept zu erarbeiten, aber auch die notwendige Beschilderung vorzuhalten.