Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Livestream aus der Fruchthalle mit dem Duo Mon mari et moi

Mit authentischem Charme: Das Duo Mon mari et moi zog mit seinen eigenen Songs die Zuschauer in seinen Bann.
Mit authentischem Charme: Das Duo Mon mari et moi zog mit seinen eigenen Songs die Zuschauer in seinen Bann.

Seit fünf Jahren stehen sie auf der Bühne: Mon mari et moi. 29 Konzerte mussten sie corona-bedingt bisher absagen. Dank Christoph Damman und dem städtischen Kulturamt stand das Duo mit einem wunderbaren Livestream-Konzert auf der Bühne der Fruchthalle.

Im Gepäck hatte das Ehepaar Shakti und Mathias Paqué am Dienstagabend ausschließlich eigene, teils skurrile, teils wunderliche Lieder aus seiner neuen CD „Lieder zum täglichen Gebrauch“, die durch wundersame Geschichten zusammengehalten werden. Freunde des Chansons waren verzaubert.

Shakti Paqué – kurzer, rot-orangefarbener Bubikopf, knöchellanges, farbiges, längs gestreiftes Kleid – hat so ziemlich alles, was man für Geschichten braucht: Talent und Charme, Ausstrahlung und professionelle Wirkung, eine interessante, dunkel gefärbte, eigenwillige Stimme und eine Nische, die noch nicht so abgenutzt ist wie das Meiste aus dem Sektor des Chansons.

Darüber hinaus verkörpert sie ihre Kunst mit einer Natürlichkeit, die die gewohnten und lieb gewonnenen Klischees der Gattung sprengt. Denn das Chanson ist ein Gesellschaftsspiel, nicht erst seit Hildegard Knef. Es ist ein in Ritualisierungen eingebundenes Ausdrucksmuster, das in Nuancen variiert, aber in seiner artifiziellen Emphase nur selten durchbrochen wird. Die Frauen leiden an der Vergänglichkeit der Welt, der Existenz, der Leidenschaft. Mon mari et moi aber durchbrechen diesen Kreislauf des stilisierten Jammertals und machen das Neue Chanson zu ihrer individuellen Herzensangelegenheit.

Rezept zum Nachkochen und Schokoladeneis

Es gibt so viele schöne Dinge, wunderbare Momente, sagt sich Shakti Paqué offensichtlich. Über die müsse man singen. So thematisiert sie mit dem Song „Komm näher“ die Sehnsucht nach Nähe, die gerade jetzt während der Corona-Pandemie verboten ist. „Ob die Meyers an der falschen Stelle spar’n, wie viele Freunde Anna im Facebook hat, ob die Schulze wie’n Dackel singt und keinen Spaß versteht, ist mir völlig egal“, so heißt es im „Moralin-Blues“. Und für Freunde, die gerne am Herd Rezepte ihrer Bekannten ausprobieren, intoniert sie in unaufgeregter Art und mit nahezu lasziver Stimme das Rezept für die „Mulligatawny-Soup“ zum Nachkochen. Das Rezept dazu liefert sie dabei sogar schriftlich in Großschrift. Sogar für die Suchtbewältigung der Raucher hat sie ein Rezept im Angebot: Schokoladeneis. „Doch bei jeder Kugel Schokoladeneis macht mir mein Gewissen die Hölle heiß!“

Es sind einfache Melodien, die das Duo zum Besten gibt. Aber musikalisch sind sie ein Vergnügen, weil sie mit viel Charme vorgetragen werden. Was Shakti singt, fließt ebenso sehr aus einem musikalischen wie aus einem literarischen „Feeling“. Ob sie über Gunter Gabriels Hausboot singt oder über „Die Ecke Logen-/Eisenbahnstraße“, wo abends unter rosa Wolken der Waschmaschinensalon zu bestaunen ist. Ob sie in „Nighthawk“ seltsame Nächte beschreibt oder in dem Chanson „Was mit Aussicht“ betont, dass sie nur gute Laune verbreiten möchte, aber „ohne Friede, Freude, Sonnenschein“ – stets versteckt sich in ihnen auch ein wenig Gesellschaftskritik. Nie aber in moralinsaurer Verpackung, sondern vielmehr leicht und locker und humorvoll verschnürt und mit skurrilem Humor ausgestattet. Shakti setzt sich ihre „rosarote Brille auf“, ohne die sie die Tatsachen zu deutlich betrachten, in jeder Suppe ein Haar finden würde.

Ein Duo, das seine Gemeinsamkeit zelebriert

Zwischen rhythmischer Akkord-Spielweise und der solistischen Single-Note-Spielweise begleitet Mathias Paqué seine Ehefrau und erweist sich dabei als Zauberer der Melodie. Er phrasiert flüssige Legato-Linien haarscharf „on top on the beat“ und gewinnt dadurch einen ungewöhnlichen Drive. Er ist der ruhende Pol. Man sieht so etwas selten: Zwei Menschen, die ihre Gemeinsamkeit auf der Bühne zelebrieren und dabei weder albern, noch naiv, sondern schlicht glücklich erscheinen. Vielleicht ist das überhaupt das Geheimnis ihrer Beliebtheit und von Shaktis Ausstrahlung und Kraft, jedes Lied mit ehrlicher Intensität zu füllen. Wie auch immer: die Beiden ergänzen sich symbiotisch.

Dass der Livestream über Facebook von 730 Zuschauern und auf Youtube von 120 verfolgt wurde, freut Dammann. Der Leiter des Kulturreferats ist optimistisch gestimmt, dass sich diese Zahl bei folgenden Auftritten verdoppeln könnte.