Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel „Kunst-Raum“ zeigt Klaus Schneider

Klaus Schneider 2015 in der Lauterer Stiftskirche, wo er die Vorhanginstallation „Fake“ zeigte.
Klaus Schneider 2015 in der Lauterer Stiftskirche, wo er die Vorhanginstallation »Fake« zeigte.

Aktueller Gast des Lauterer Vereins „Kunst-Raum Westpfalz“ ist der konzeptuelle Maler Klaus Schneider. Unter dem Titel „In deinen Augen tasten“ zeigt er Arbeiten, die auf der Versform japanischer Haikus basieren. Seine Eigenart visueller Übersetzung von Sprache in Bilder präsentiert der Frankfurter Künstler mit Worten und ohne Worte.

Wer den „Kunst-Raum“ betritt, sieht rundum artifizielle Kompositionen von Formen und Farben in wechselnden Stilen, Materialien und Formaten. Wie Mosaike baut Schneider seine spitzwinkligen Dreiecke, verzogenen Vierecke, gedrückten Ovale und konkreten Linien zusammen. Zu sehen sind zweidimensionale Gemälde auf Leinwand und Acrylglas, Graphitzeichnungen auf Karton und Bütten, Reliefs aus mehrlagigen Papieren sowie dreidimensional offene und geschlossene Körper aus Karton und Holz. Manchen Exponaten fügt Schneider Worte hinzu.

Er sind persönlichste Gedanken in 17 Silben dreizeiliger Verse, gemäß dem Haiku-Prinzip. Ein Beispiel: „diese sichtbarkeit,/ diese schweigenden zeichen,/ dieses versprechen.“ Die konkrete Gemengelage überträgt der Künstler auf die Bildelemente. Er bezeichnet sie als die „einzige Konstante“ innerhalb seines Werks, an die er sich gebunden beziehungsweise in der er sich geborgen fühlt.

Flucht aus der „sprachlichen Sinnkrise“

Sie spiegelt sowohl Eindruck als auch Ausdruck persönlichster Sinneserfahrungen wider − nach schwer wiegenden Sprach-, Schreib- und Teilhabeblockaden. Schneider spricht gar von einer „sprachlichen Sinnkrise“, vom Erstarren und Verzweifeln an fehlender Sprachgenauigkeit.

Die Erlösung gelang mit 30 Jahren. Er beendete den erlernten Beruf des Bauzeichners, beschäftigte sich mit menschlicher Kommunikation, wählte das Medium der bildenden Kunst, erlernte (zunächst autodidaktisch), forschte, studierte (Philosophie, Literaturwissenschaft, Geschichte) und dozierte „systematisches und empirisches Konstruieren von Dialogen über das Sprechen hinaus mit Pinsel und Stiften, Farbe und Worten, eingefasst in reduziert geometrische Formsprache“.

Gedichte, die zu Bildern werden

Dennoch entspricht das Werk an sich keiner Ordnung. Im Gegenteil. Schneider bewegt sich im Dunstkreis chaotischer und verfremdender Ungenauigkeit. Sie bedeutet für ihn „sprachlich offen, medial spontan sowie poetisch annähernd figurativ“ zu bleiben.

„Die Poesie eines Haiku“, so der Künstler, „liegt im Ungefähren, sogar im Schiefgehen einer gewollten Form“. Er betont, dass seine Kunst „das Gegenteil eines Bauzeichners“ belege. Zu bewundern ist dies etwa in der Vielfalt differenzierender grauer Tonwerte zwischen Schwarz und Weiß, die durch wechselnde Liniendichte und Liniendicke entstanden.

Lesung am kommenden Freitag

Oder in diversen Rückgriffen auf interdisziplinäre Bereiche, wie etwa auf die ebenso absolute wie reduzierte Präzision der Braille-Blindenschrift. In ihr fand der 72-Jährige ein Sprachsystem, das „Verbildlichung“ ermöglicht. Schneiders Interesse gilt zudem dem Klang neben Sprache und Bild, also das Vertonen durch Instrumente. Eine musikalische Lesung am 27. Oktober ist Teil des Rahmenprogramms.

Besucher begegnen bei der zwar leicht fasslichen, dennoch eigenwillig minimalistischen Handschrift einer inneren Komplexität, die partout nicht in wenige Textzeilen passt. Tatsächlich fasziniert und berührt sie angesichts einzelner Werke. Geht es doch, wie bereits erwähnt, ums menschliche Kommunizieren an sich.

Info

Die Ausstellung ist bis 9. Dezember in der Pirmasenserstraße 6, Kaiserslautern, zu sehen. Öffnungszeiten sind jeweils samstags von 11 bis 13 Uhr.
Am 27. Oktober, 19 Uhr, findet die musikalische Lesung statt.

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