Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Kunden zur Pallmann-Schließung: „Ich habe diesen Laden geliebt“

Nachdem er die Schließung seines Geschäftes angekündigt hat, hat Matthias Pallmann bereits zahlreiche nette Gespräche mit Kunden
Nachdem er die Schließung seines Geschäftes angekündigt hat, hat Matthias Pallmann bereits zahlreiche nette Gespräche mit Kunden geführt.

Der Räumungsverkauf im Kaiserslauterer Traditionsgeschäft Pallmann läuft. Langjährige Kunden sind traurig – und erzählen, was das Aus für sie bedeutet.

An einem Freitagmorgen kurz nach 10 Uhr. Nicht die klassischste aller Einkaufszeiten – und doch ist das Haushaltswarengeschäft Pallmann in Kaiserslautern gut besucht. Die Menschen schlendern durch die Gänge auf der Suche nach Schnäppchen. Seit 19. Februar läuft der Räumungsverkauf. Alles muss raus. Peter Ernst (66) und seine Frau Gertrud (65) sind aus Queidersbach gekommen: „Es ist wirklich traurig, dass das Geschäft schließt, weil man hier fast alles kriegt“, sagt Peter Ernst. Auch seine Frau bedauert die Schließung: „Ich habe bei Pallmann gerne mal reingeschaut, die haben einfach schöne Sachen“, sagt sie. Vor allem rund um die Weihnachtszeit sei sie gerne vorbeigekommen, um Dinge zu finden, die es sonst so in der Stadt nicht gibt.

Pallmann berichtet von Welle der Sympathie

In den vergangenen Wochen, seit er die Schließung seines alteingesessenen Geschäftes für Ende Mai angekündigt hat, hat Matthias Pallmann viele Gespräche mit Kunden geführt. „Meiner Familie und mir ist eine Welle der Sympathie entgegengeschlagen. Das hätten wir so nicht erwartet. Mich macht das demütig“, erzählt er. Viele Kunden bedauerten die Schließung, dennoch habe er in den meisten Fällen Verständnis erfahren. „Eine Frau hat zu mir gesagt, ich wäre der erste Mann in ihrem Leben, wegen dem sie geweint hat“, berichtet Pallmann von netten Gesprächen. Die stehen aktuell allerdings etwas hintan. „Es bleibt kaum Zeit zum Nachdenken“, sagt der Inhaber mit Blick auf den Räumungsverkauf, „das kommt erst noch“. Zumal ihn längst nicht nur der Verkauf der Warenbestände umtreibe: „Meine Mitarbeiter sind auf Jobsuche. Das beschäftigt mich natürlich auch. Ich hoffe, dass sie alle unterkommen.“

Bis 31. Mai läuft bei Pallmann der Räumungsverkauf.
Bis 31. Mai läuft bei Pallmann der Räumungsverkauf.

Dass immer mehr Geschäfte in der Innenstadt schließen und der Leerstand um sich greift, findet das Ehepaar Ernst schade. Peter Ernst sieht das Problem auch bei der Stadt: „Ich glaube, die Leute wurden alle aus der Stadt rausgetrieben. Als wir noch jünger waren, waren wir öfter in der Stadt, aber es wird immer schwieriger, einen Parkplatz zu finden.“ Vor allem für Menschen mit Gehbehinderung sei das ein Problem. So sei auch seine Frau darauf angewiesen, in der Nähe eines Geschäfts parken zu können. Mit dem öffentlichen Nahverkehr anzureisen, gestalte sich schwierig. „Obwohl wir in Queidersbach noch ganz gut angebunden sind. Wenn ich da an Leute denke, die nur fünf Kilometer weiter wohnen, wie sollen die in die Stadt kommen?“

Persönliche Beratung schlägt Online-Handel

Klaus Träger aus Enkenbach schlägt in eine ähnliche Kerbe. Der 70-Jährige findet es schade, dass „die Fußgängerzonen mehr oder weniger zerfallen“. Bei den Parkgebühren, die für einen Besuch in der Stadt anfielen, würden viele Menschen seiner Meinung nach ein Einkaufszentrum bevorzugen: „Denn da gibt es zumindest einen Parkplatz.“ Für ihn ist klar: Um Geschäfte in den Innenstädten zu halten, bräuchte es kostenlose Parkmöglichkeiten. Dabei schätzt Träger beim Einkauf vor allem die persönliche Beratung. „Ich kann Dinge in die Hand nehmen, um die Qualität zu überprüfen.“ Geschäfte wie Pallmann können für ihn durch den Online-Handel nicht ersetzt werden.

„Mir tut es richtig weh“

Patrizia Bellati (62) aus Kaiserslautern findet es „schrecklich“, dass Pallmann schließt. „Ich war regelmäßig hier. Mir tut es richtig weh, denn ich habe diesen Laden geliebt.“ Ihr gefiel die Vielfalt sehr gut: „Ich mochte immer, dass es so viele verschiedene Sachen gibt.“ Bellati kaufe sehr gerne „in einem schönen Laden“ ein. Dort gebe sie dann auch mal ein bisschen mehr Geld aus. Julia Strauß (36) aus Kusel hat den Eindruck, dass insbesondere bei jüngeren Menschen ein Umdenken stattfindet: „Ich glaube, den jüngeren Menschen ist die Qualität nicht mehr so wichtig. Nachhaltigkeit ja, aber Markenprodukte nicht mehr.“ Die 26-jährige Victoria ist ein Gegenbeispiel für diese These: „Ich mag, wenn ein Geschäft spezialisiert ist und man weiß, was ich hier kaufe, hat Qualität.“ Das sei im Vergleich zum Internet etwas Gutes. Dort könne man sich nie sicher sein, ob die Qualität der Produkte stimme.

Pallmann glaubt an die Zukunft der Stadt

Die Rückmeldungen seiner Kunden in den vergangenen Wochen sieht Pallmann als Kompliment. Er bricht aber gleichzeitig eine Lanze für seine Stadt. „Ich bin Lautrer und wir bleiben ja auch hier. Wir würden das alles nicht machen, wenn wir nicht an die Zukunft der Stadt glauben würden“, sagt der Geschäftsmann. Nach der Schließung am 31. Mai sollen in dem Gebäude Wohnungen, unter anderem im Maisonette-Stil, entstehen. Erd- und Untergeschoss, etwa 600 Quadratmeter, sollen aber weiterhin gewerblich genutzt werden.

Eine Erinnerung an die über 100-jährige Geschichte des Haushaltswarengeschäftes Pallmann wird Kaiserslautern indes erhalten bleiben, verrät der Inhaber. Der Leiter des Stadtmuseums, Bernd Klesmann, habe bereits die alte Kasse von 1913 abgeholt, die im Geschäft auf dem Tresen stand. Ein Stück dieser Kaiserslauterer Einzelhandlesinstitution wird also im Theodor-Zink-Museum weiterleben.

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