Kaiserslautern Kosmos Bach

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Eigentlich stammt diese Edition aus dem Jahr 2000, dem Jahr, in dem sich Bachs Todestag zum 250. Male jährte. Jetzt wurde sie nochmals überarbeitet und in eine Box mit 142 CDs in platzsparenden Slim Cases verpackt. Es ist ein fast unerschöpfliches Vergnügen, darin zu stöbern, Entdeckungen zu machen und Schätze auszugraben.

Für manche ist der holländische Pianist, Produzent und Musikmanager Pieter van Winkel eine Art rotes Tuch. Mit ihm hat der Geist von Aldi Einzug gehalten ins Klassikgeschäft. Musik zum Discounterpreis, dafür steht sein holländisches Label Brilliant Classics, das in Deutschland von Edel vertrieben wird. Aber keineswegs für Musik als Ramschware. Brilliant kauft freiwerdende Lizenzen ein und gestaltet damit etwas, was man zuvor zwar aus dem Buchhandel, nicht aber aus dem CD-Geschäft kannte: Gesamtaufnahmen beziehungsweise Gesamtausgaben. Eine der ersten Editionen, die ein Gesamtwerk abbildeten, war die Bach-Ausgabe, mit der Brilliant so etwas wie den Durchbruch am Markt schaffte. Es folgten die Aufnahmen sämtlicher Werke etwa von Mozart, Beethoven, Brahms und zahlreicher weiterer Komponisten. Klassikliebhaber haben damit die Möglichkeit, für einen absolut unschlagbaren Preis eine Basisdiskothek aufzubauen, die für manche große Namen lückenlos ist. Der ganze Bach eben! Man wird jetzt keine Ansammlung von Referenzaufnahmen erwarten dürfen, die ja bei einem so umfangreichen Gesamtwerk ohnehin kaum realisierbar ist. Aber man bekommt in allen Gattungen absolut gute Qualität, ältere Aufnahmen wechseln sich mit jüngeren, meist aus Holland stammenden Einspielungen ab. Es ist ein gewaltiger Kosmos, gleichsam die Urzelle der deutschen Musik, die da in dieser so unscheinbar daherkommenden Box versammelt ist. Aber so klein beziehungsweise schmal die Box auch ist, man ist immer wieder aufs Neue fasziniert von der schieren Größe dieses musikalischen Vermächtnisses. Es gibt einige Änderungen im Vergleich zu den vorangegangenen Auflagen von 2000 beziehungsweise 2010. Zunächst einmal ist die Box noch schlanker geworden. Mittlerweile passt das gesamte Bach-Universum auf 142 CDs. Das Orgelwerk wurde nun von Stefano Molardi eingespielt, und der hat sich quasi an authentische Orte in Thüringen und Sachsen begeben. So spielt er auf historischen Instrumenten in Gräfenhain und Sangershausen in Thüringen, aber auch auf der Orgel der Dresdner Hofkirche. Neu sind auch die Interpreten der großen Chorwerke, vom Weihnachtsoratorium über die Johannespassion bis zur Matthäuspassion. Hier finden sich dann auch ältere Aufnahmen aus den 1970er Jahren, etwa von der Matthäuspassion, bei der Rudolf Mauersberger das Gewandhausorchester Leipzig leitet. Es singen der Dresdner Kreuzchor und der Thomanerchor Leipzig, und das Solistenensemble mit Peter Schreier und Theo Adam an der Spitze ist schlichtweg phänomenal. Die beiden wirken auch in Bachs vielleicht populärsten Werk, dem Weihnachtsoratorium, mit, wobei hier das Orchester aus der sächsischen Hauptstadt kommt: Martin Flämig steht am Pult der Dresdner Philharmonie. Wen muss man noch aufzählen? Thomas Zehetmair kann man als Interpreten der Violinkonzerte neu entdecken, ebenso Kristóf Barati mit den Violinsonaten. Ansonsten hat auch diese dritte Auflage der Bach-Edition einen ganz deutlichen holländischen Einschlag, etwa mit Pieter-Jan Belder, der das Wohltemperierte Klavier spielt, oder Jap ter Linden, der die Cellosuiten aufgenommen hat. Ein Nachteil ist dies sicherlich nicht, schließlich gibt es in Holland eine lange und ganz wunderbare Tradition der Bach-Rezeption. Und jedem, der eine Affinität zum Stammvater der deutschen Musik hat, kann man diese Edition nur wärmstens empfehlen.

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