Kaiserslautern
Konzert mit Musikern des RPTU-Orchesters bringt interessante Entdeckungen
Bei dem Konzert im Theodor-Zink-Museum am vergangenen Samstag handelte es sich einerseits um ein Kammerkonzert, für das sich die Streicher des Orchesters untereinander und miteinander auf Kammermusikwerke in minimalistischer Duo-Besetzung schon vorab bei der programmatischen Konzeption eingestellt hatten und diese selbstständig einübten. Mit Erfolg und unabhängig vom Dirigenten Carsten Petry, der vor dem Konzert erkrankte. Beim ausgefallenen Hauptwerk des Konzerts, einem Trio mit ihm an der Klarinette, wurde er dann aber doch vermisst.
Dennoch verleitete das Kammerkonzert insgesamt zu vielen interessanten Entdeckungen und hatte einen deutlichen Schwerpunkt auf dem Zeitalter der Klassik: Levi Geier und Daniel Fichtner offenbarten bei gelungenen Kostproben aus der Sammlung von Mozarts Duetten für zwei Violinen ein raffiniertes Spiel mit Themen und Motiven sowie Figurationen und Begleitfiguren. In dialogischer Verbundenheit oder im nahtlosen Wechselspiel aus Begleitung und solistischem Hervortreten waren beide Spielpartner ständig in beiden sich abwechselnden Rollen zu erleben. Sozusagen Primus inter Pares – und dann wieder untergeordnet. Das gelang so ausgeglichen und problemlos, dass man selbst in der Gestaltung von Klangfarben, Dynamik und Artikulation kaum noch Unterschiede hörte: ein Verschmelzen im pastosen Wohlklang.
Den Nerv der Partie getroffen
Einen deutlichen Kontrast hörte man dagegen bei Judith und Isolde Hesse (Violine und Violoncello), da nicht nur die Instrumente in der klanglichen Gegenüberstellung aus hohem und Bassregister sich abheben, sondern bei dem Duett von Johann Albrechtsberger auch unterschiedliche Aufgaben zugewiesen bekommen; wobei dieser zwischen 1736 und 1809 lebende Komponist einerseits noch dem Spätbarock in ostinaten Bassfiguren verhaftet ist, aber klassische Elemente in der Melodik aufweist und immerhin bis in die Zeit der beginnenden Frühromantik lebte, die bei ihm hier nur in Ansätzen spürbar war. Die Musikerinnen trafen genau den Nerv ihrer anspruchsvollen Partien und fanden zu einem gelösten, beseelten und inspirierten Spiel ohne Fehl und Tadel – in harmonischer intonatorischer Übereinstimmung.
Sarah Mink (Violine) und Daniel Haufe (Violoncello) machten einmal mehr bewusst, dass diese Besetzung für das Musizieren am Hof und im bürgerlichen Salon sowie für Auftritte im kleineren Rahmen eine in der Klassik sehr häufige Kombination war. Allerdings wirkte das Duo von Joseph Haydn, das die beiden spielten, in der Aufgabenverteilung und in der kantableren Melodik ansprechender und gab den Musikern reichlich Gelegenheit zur Profilierung im exakten Zusammenspiel und in der Feinabstimmung einer lupenreinen Spielkultur.
Überzeugende Bratschistinnen
Im Gegensatz zu Violine und Cello mit großen Schatzkammern an Kammermusik und Solokonzerten führt die Bratsche dagegen eher ein leider unterbewertetes Schattendasein, wird im Orchester als füllende Mittelstimme auch verkannt. Es sind allerdings auch noch Schätze zu heben – und dies gelang den beiden Bratschistinnen Birte Johansson und Eva-Marie Franke im Zink-Museum mit der Sammlung der Duette von Carl Stamitz vorbildlich. Das Klangbild war hier am ansprechendsten realisiert: Wohlklingend in der sonoren und sehr angenehm timbrierten Mittellage, ausgeglichen in der noblen Tonkultur und subtil aufeinander abgestimmt, war das Zuhören reinster Genuss.
Ausklang mit überraschenden Wendungen
Im doppelten Sinn sprengte der Trompeter Tom Palmer – gestützt auf eine sichere Klavierbegleitung von Levi Geier – diesen Rahmen und löste ihn zum Ausklang zugleich auf: Das Konzertstück für Trompete aus der Gattung der französischen Wettbewerbs- und Prüfungsstücke von Théo Charlier, das er darbot, ist ein solcher Rausschmeißer, es schockiert und kokettiert mit überraschenden Wendungen und ungewöhnlichen melodischen Episoden. Der Trompeter kam nach langem Warten, was für Bläser eigentlich immer schlecht ist, zunehmend richtig in Fahrt und kostete diese Finessen gebührend aus.