Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Konzert in der Fruchthalle: Ausgelassene Stimmung und lebhafte Musizierfreude

Die Deutsche Radio Philharmonie spielte gut gelaunt auf .
Die Deutsche Radio Philharmonie spielte gut gelaunt auf .

„Sonntags um 5“ in der Fruchthalle stand dieses Mal in der Fruchthalle ganz im Zeichen von Karneval mit Maskerade, Gauklern und Ballhausatmosphäre mit Tanzmusik.

Dies alles und noch mehr im Überschwang von ausgelassener Stimmung und lebhafter Musizierfreude der Deutschen Radio Philharmonie. In der Tat gibt die Schatzkammer der Konzert-, Opern- sowie Operettenliteratur viel her, das Themenfeld reizte und inspirierte Komponisten gleichermaßen und schuf – wenn man so will – in der fünften Jahreszeit auch eine besondere Musik: Im Überschwang, fast ekstatisch und sehr anregend, wenn nicht auch aufregend und brachte mitunter wie das vertretene „Schwipslied“ von Johann Strauß auch zugleich die ernüchternde Katerstimmung des nahenden Aschermittwoch. Das alles und noch viel mehr an Stimmungen, Emotionen, Ausgelassenheit traf die DRP vorzüglich mit ihrem Gastdirigenten Christoph Koncz und der alle Inhalte sehr lebendig und stimmlich wie gestalterisch restlos überzeugenden Solistin Annija Adamsone.

Nun haben die Komponisten wie Alexander Glasunow eigens eine Konzertouvertüre zum Thema „Karneval“ als Stimmungsbild eingefangen, andere wie Rimskij-Korsakow haben den dazu passenden „Tanz der Gaukler“ als eine Szene in ihrer Oper wie hier betitelt „Schneeflöckchen“ eingebaut. Schließlich ist der aufgeführte „Tanz der Komödianten“ auch ein Bestandteil der Oper „Verkaufte Braut“ von Smetana. Wie überhaupt zu Fasching Liebelei und amouröse Beziehungen assoziiert und (vielleicht) geknüpft werden, was natürlich fündig werden lässt: Daher etwa der „Liebestraum nach dem Ball“ von Alphons Dzibulka, ein Walzer, der tänzerische Gelöstheit einbrachte.

Verdiente Programmdramaturgen

Wie hier bereits angedeutet, ein Sonderlob verdienten sich eigentlich die Programmdramaturgen im Hintergrund, die auf Spuren- und Schatzsuche gingen, fündig wurden und ihre Entdeckungen zu einem kunterbunten Kaleidoskop wie eine Perlenkette reihten und so trotz Sammelsurium eine wunderbare Ordnung – passend zum Thema schufen. Chapeau! Rhetorisch gewandt wie immer griff die Moderatorin Sabine Fallenstein diesen Spielball sicher auf, warf ihn in das entzückte Publikum, das sich von Musizierlaune und lebhaft pulsierender Musik ebenfalls inspirieren ließ.

Eines machte das Konzert trotz des danach folgenden Schneetreibens bewusst: Der Frühling ist nicht aufzuhalten und so war der „Frühlingsstimmen-Walzer“ mit Sopranistin Annija Adamsone das passende Pendant, zumal diese „ihr“ Publikum, das ihr an den Lippen hing, im Sturm eroberte.

Glänzende Spiellaune

Zunächst aber einmal: Die DRP präsentierte sich in glänzender Spiellaune, bestätigte sich als gewachsene (aber von Planern bedrohte) klangliche Einheit, traf immer den Nerv der schwelgerischen und betörenden Melodik und lebhaft pulsierenden Rhythmik. Es wirkte vor allem im ersten Konzertteil alles homogen, akkurat und stringent ausgestaltet, auf den Solopart der Sopranistin und die Leitbilder der Partituren sorgfältig abgestimmt.

Dafür sorgte mit Christoph Koncz ein funkelnder Diamant: Er war bereits mit 20 Jahren Stimmführer der zweiten Violinen der Wiener Philharmoniker und erobert sich jetzt danach das Dirigentenpult und wird im kommenden Jahr Musikdirektor beim Landestheater Linz und Chefdirigent des dortigen Bruckner-Orchesters. Er dirigierte sehr souverän, nicht theatralisch aber eindeutig in den Vorgaben; den Wettlauf nach Noten der Stimmgruppen bei der Ouvertüre von Dvorak (Karneval) konnte er nach dem Motto „Immer schneller, immer lauter – wer gewinnt?“ nicht aufhalten. Wer gewonnen hat blieb unklar, aber verloren hat die Komposition an Klarheit und Durchsichtigkeit. Ein Wermutstropfen oder gewollt?

Starke Bühnenpräsenz

Es ist schwer gegen diese Klanggewalt eines Sinfonieorchesters sich zu behaupten, als Dirigent (wie gehört) und als Solistin. Annija Adamsone aus Lettland ist eine zierliche Person mit einer großen Sopranstimme und sehr starken Bühnenpräsenz und hoher stimmlicher Strahlkraft. Sie schaffte dieses Kunststück spielerisch und gesangstechnisch durch eine sehr kultivierte und weit tragfähige Stimme. Sie konnte sich mit Kantilenen wie auch Koloraturen gut behaupten, war vielmehr bei den Programmpunkten von Johann Strauß und Gounod der strahlende Stern und nahm alle mit auf ihre Höhenflüge.

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