Kaiserslautern
Kleinod auf Kaiserslauterer Hauptfriedhof muss nicht sterben
Renate Willkomm ist aus Bernkastel-Kues angereist, ihre Tochter Anna sogar aus Berlin. Sie stehen an einem sonnigen Vormittag auf dem Kaiserslauterer Waldfriedhof, die Vögel zwitschern, Frühlingsidylle. Die Frauen strahlen um die Wette, weil ihr Familien-Mausoleum, Baujahr 1925, endlich eingerüstet ist. Die Rettung ist jetzt nicht nur nah, sie ist da.
In den nächsten Wochen wird Carsten Hehrlein, Chef der gleichnamigen Dachdeckerei aus Annweiler, die Huber-Kapelle mit neuen Naturschindeln eindecken. Auch das Gebälk muss ganz dringend saniert werden, damit nicht noch mehr Wasser eindringt und die Bausubstanz weiter ruiniert. Viel zu lange schon ist das Dach undicht, auch deshalb, weil die Stadt vor Jahren wohl nicht ganz sachgemäß Ausbesserungsarbeiten mit Eternitplatten vorgenommen hat, wie der Architekt Klaus Meckler mutmaßt. „Das war Murks.“
Karin Kolb hat nicht locker gelassen
Dass es jetzt nach langem Ringen ein Happy End für die Kapelle gibt, die der berühmte Baumeister und Architekt Hermann Hussong errichtet hat, dafür kam vieles zusammen. Beispielsweise die Beharrlichkeit von Karin Kolb, der langjährigen Vorsitzenden des Vereins für Baukultur und Stadtgestaltung. „Sie hat einfach nicht locker gelassen, hat Spender aufgetrieben für das einmalige Baudenkmal, das seit den 1980er Jahren im Besitz der Stadt ist. Sie hat Kontakt zu der Familie Huber aufgenommen“, lobt Baudezernent Manuel Steinbrenner (Grüne) anlässlich des Baustarts.
Dass die Stadt das unterstütze, sei wichtig, so Steinbrenner. „Wir haben die Pflicht, Baudenkmäler zu erhalten, wir haben da Vorbildfunktion.“ Die Huber-Kapelle sei ein baukulturell bedeutsames Gebäude. Was er nicht sagt: Baudenkmäler hatten in der Kaiserslauterer Stadtverwaltung lange Jahre keine Lobby. Der frühere OB Klaus Weichel (SPD) beispielsweise hatte den Einsatz öffentlicher Mittel für die Huber-Kapelle kategorisch abgelehnt.
130.000 Euro soll Dachsanierung kosten
Für die Huber-Kapelle fließen 45.000 Euro Fördergelder – davon rund 10.000 Euro von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und 35.000 Euro aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm des Deutschen Bundestages. Die Familie Huber steuert rund 50.000 Euro bei, auch Lauterer Bürger unterstützen das Vorhaben, das im ersten Bauabschnitt wohl 130.000 Euro kosten wird.
Sechs bis acht Wochen werden die Sanierungsarbeiten an der Kapelle dauern. „Dann hält das Dach mindestens 60 bis 70 Jahre“, kündigt Dachdeckermeister Hehrlein an. Karin Kolb ist froh. „Für mich ist das eine Herzensangelegenheit.“ Sie hatte zwischendurch schon nicht mehr an eine Rettung der Huber-Kapelle geglaubt. Dass sie gelingt, sei auch deshalb so wichtig, „weil diese repräsentative Grabstätte besonders markant ist und angeblich das einzige Bauwerk Hussongs ist, das nie verändert wurde“. Ihr Standort ist nicht zufällig. Hussong hatte nicht nur die Kapelle geplant, sondern den Waldfriedhof entworfen.
„Ein herausragendes Denkmal“
Bauleiter Meckler unterstreicht vor Ort: „Es ist für mich eine Freude und Ehre, mich um dieses historische Gebäude kümmern zu dürfen.“ Die Huber-Kapelle sei ein herausragendes Denkmal eines herausragenden Architekten, „ein Kleinod“. Alte Gebäude zu erhalten sei wichtig, mahnt Meckler. „Die Geschichte unserer Vorgänger kann man nicht nachbauen.“ Meckler hat eine gute Botschaft in petto. „Als wir das Dach geöffnet haben, haben wir gesehen, dass die Schäden nicht größer sind, als vermutet.“ Allerdings sei es perspektivisch mit einer Dachsanierung nicht getan. Auch der Putz müsse erneuert werden, ebenso das Gebälk an der Decke. „Es geht nicht ums Aufhübschen, sondern um die Verbesserung der Bausubstanz“, erklärt er.
„Es ist toll, dass es für uns Nachfahren in Zukunft einen Ort gibt, ein historisches Denkmal, das unsere Familiengeschichte lebendig hält“, sagt Anna Willkomm. Ihre Mutter Renate erinnert daran, dass ihre Vorfahren namens Huber Kohlenhändler waren, die beteiligt waren am Aufbau des Großunternehmens Raab, Karcher & Cie, das im Elsass seinen Sitz hatte. Dort sollte eigentlich auch die Familiengrabstätte entstehen. Doch dann kam der Erste Weltkrieg und ihr Großvater Willi, ein Traditionalist, ließ schließlich 1925 die Grabkapelle, die heute als Architektur-Juwel gilt, in seiner Heimstadt errichten, am Rande des Kaiserslauterer Waldfriedhofs. Heute sind die Hubers, wie Renate Willkomm betont, in alle Welt zerstreut, in Kaiserslautern lebt niemand mehr aus der Familie. „Aber wir fühlen uns dem Ort sehr verbunden.“
