Kaiserslautern
Kammerkonzert zwischen Tag und Nacht
Die Sopranistinnen Sabine Heinlein, Esther Mertel und Rebecca Gerstel wollen in ihrer Reihe „Konzert am Kamin“ Solo- und Ensemble-, Vokal- und Instrumentalmusik mit Kostbarkeiten aus Küche und Keller kombinieren. Das ist mehr als gelungen. Ihr Streifzug durch Jahrhunderte, Stile, Genres und Gattungen bot kurzweilige Abwechslung und sorgte für bestrickende Klangreize. Ermüdungserscheinungen gab es weder auf dem Podium noch im Publikum.
Das klingt nun etwas nach einem kunterbunten Pasticcio oder Potpourri, ist es aber nicht. Hinter dem Konzept verbergen sich ausgeklügelte Themenkonzerte, die in raffinierter Zusammenstellung verschiedenste Musikwerke zu einem Leitthema präsentieren, diesmal „Night and Day“. Darauf muss man erst mal kommen, denn der Bär tobt ja nicht nur im Ballhaus.
Klangliche Einheit
Der von Sabine Heinlein gut getroffene Filmschlager „In der Nacht ist der Mensch nicht gern alleine“ von Franz Grothe bestätigte diese Botschaft, umrankt von Peter Kreuders „Nacht voller Seligkeit“. Als ruhender Gegenpol steht die Nacht aber auch für den Rückzug in Innerlichkeit und Kontemplation. Bei Aron Coplands „Quiet City“ verschmolzen Klarinettistin Rebecca Gerstel und Trompeterin Dorothea Sauer zusammen mit dem bei allen (!) Programmpunkten sich auszeichenden Pianisten Younggeun Yoon zur klanglichen Einheit.
Nach Schopenhauer sind Schlaf und Tod Brüder - und so hatte auch der düster-beklemmende Ausschnitt aus dem Requiem von Brahms mit der stimmlich überzeugenden Sopranistin Esther Mertel seine Berechtigung im Programm. Die Zusammenstellung riskierte, dass sich persönliche Stärken und Vorlieben dem thematischen Leitfaden unterordnen und sich die Interpreten mehr in den Dienst der dramaturgischen Konzeption stellen als ihre Asse aus dem Ärmel zu ziehen. Wenn jedoch beides zusammentrifft - Thematik und Einstudierungen - dann umso besser.
Farbenprächtige Verzierungen
Etwa als Mertel die Arie der „Königin der Nacht“ von Mozart anstimmte, eine Pflichtaufgabe für jede Koloratursopranistin. Man spürte, wie sie sich mit diesen Verzierungen, melismatischen Ausdeutungen und ariosen Kantilenen identifizierte und wie intensiv sie sich damit erfolgreich auseinandersetzte. Ein Glücksfall und Idealbeispiel im ersten Teil.
Dies prägte auch den künstlerischen Ertrag im zweiten Teil zum Thema „Day“ mit dem „Beautiful Morning“ von Oskar Hammerstein im bezaubernden Duett der beiden Sopranistinnen. Klarinette und Trompete schlüpften aus ihrer anfänglichen Rolle als Klangstütze und Abrundung des Ensembles heraus und stellten mit Bravour ihre solistischen Fähigkeiten heraus.
Auf den Spuren von Weber und Baermann
Tonliche Brillanz und gestochen klare Artikulation prägte den konzertanten Ausschnitt einer Trompetensonate von Baldassare. Trompeterin Sauer konnte hier restlos mit sicherem Ansatz begeistern. Gerstel hat sich natürlich als professionelle Klarinettistin zwangsläufig mit dem Œuvre Carl Maria von Webers auseinandersetzen müssen, der durch die Freundschaft zum damaligen Münchner Virtuosen Heinrich Baermann zu vielen Kompositionen angeregt wurde.
Beim hier sehr nuanciert vorgetragenen Allegro brachten Klarinette und Klavier mit Akribie und Esprit alle Finessen akkurat gemeinsam auf den Punkt. Der weiche, zarte Ton der Klarinette dürfte dem damals gerühmten Ideal Baermanns wohl sehr nahe gekommen sein.