Kaiserslautern Kalorien sammeln mit der Mannschaft

Hat die Spielerinnen verschiedener Mannschaften zusammengebracht und zum Training motiviert: Jochen Zimmermann.
Hat die Spielerinnen verschiedener Mannschaften zusammengebracht und zum Training motiviert: Jochen Zimmermann.

Sporthelden der Coronakrise: Den Teamgeist stärken – jetzt erst recht! Das ist es, was es für Jochen Zimmermann, Volleyball-Trainer zweier Damenmannschaften der SG Westpfalz, hauptsächlich bedeutet, Trainer zu sein. Gerade in Zeiten von Corona sei das natürlich ein besonderer Ansporn, aber auch eine Herausforderung, der er sich gerne stellt, sagt er. Und setzt teils ungewöhnliche Fitness-Konzepte für seine Damenmannschaften um.

„Die Tätigkeit als Trainer wurde mir praktisch in die Wiege gelegt“, berichtet Zimmermann, der seit etwa 30 Jahren Trainer beim VfB Weilerbach ist. Schließlich war schon sein Vater Jugendtrainer gewesen und hatte seinen Sohn früh mit in die Hallen und zum Training genommen. Als Zimmermann dann etwas älter war, sprang er ab und zu für seinen Vater ein und übernahm das ein oder andere Training. Mit ungefähr 17 Jahren wurde er dann selbst Jugendtrainer. „Die Frage, ob ich das mache oder nicht, hat sich mir so eigentlich nie gestellt“, erzählt er.

„Es geht darum, eine Mannschaft auszubilden. Denn etwas erreichen kann man im Mannschaftssport nur gemeinsam.“ Bisher haben sich er, der Verein und die Mitglieder bei jedem erneuten Lockdown etwas Neues einfallen lassen. So stellte Zimmermann während des ersten Lockdowns selbstgedrehte Trainingsvideos für beispielsweise Zirkelübungen zur Verfügung – ein Angebot, das von den Spielerinnen gerne angenommen wurde. „Auch die WhatsApp-Gruppe ist eine gute Möglichkeit, auch in diesen Zeiten noch in Verbindung zu bleiben“, berichtet Zimmermann.

700.000 Kalorien

Beim zweiten Lockdown sei dann aber klar gewesen, dass der länger andauern würde und sie nun etwas anderes, etwas Besseres bräuchten, um „die Mädels am Ball zu halten“. Es entstand die Idee einer Kalorien-Challenge: 700.000 Kalorien in drei Monaten, die die Mädchen und Frauen gemeinsam erarbeiten sollten. Gemessen wurde zum Beispiel mithilfe von Fitnessarmbändern beim wöchentlich stattfindenden Online-Fitnesstraining, aber auch private sportliche Aktivitäten wurden mit einberechnet, beispielsweise wenn die Frauen Joggen oder länger Wandern waren. Ansporn für das Erreichen des Zieles gab es auch, nämlich neue Trikots vom Verein für alle Spielerinnen.

Dieses Ziel haben die Mädels schon erreicht, und weil sie hier soviel Erfolg hatten und es ihnen soviel Spaß gemacht hatte, ging es kurz darauf mit der nächsten Challenge weiter.

400.000 Kalorien

Auch diesmal handelt es sich um eine Kalorien-Challenge, doch diesmal soll das neue Ziel in noch kürzerer Zeit erreicht werden: 400.000 Kalorien in nur sechs Wochen. Außerdem trainieren die Volleyballerinnen diesmal für einen guten Zweck, denn das über Spenden gesammelte Geld (ein fester Betrag je 10.000 erreichte Kalorien) soll an Lichtblick 2000 gehen, einen gemeinnützigen Verein, der im Raum Kaiserslautern benachteiligte und hilfsbedürftige Kinder fördert. An wen das Geld geht, haben sich die Mädels selbst ausgesucht. Kurz vor Ostern stand das Spendenbarometer schon bei circa 1300 Euro, insgesamt wollen die Spielerinnen aber noch auf mindestens 3000 Euro kommen. Die Aktion läuft bis zum 26. April. Solange kann sich auch noch jeder an der Spendenaktion beteiligen. Weitere Infos zur Aktion unter https://www.vfb-weilerbach.de/aktuelles.

Zimmermann freut sich, wenn auf diese Weise das Teamgefühl der Mannschaften auch in Pandemiezeiten gestärkt wird, obwohl Trainieren und Spielen als Mannschaft gar nicht möglich ist. Dann hat er als Trainer sein Ziel erreicht: „Gemeinsam etwas zu erreichen, ein Gefühl dafür zu vermitteln, dass man es nur gemeinsam schaffen kann, das versuche ich mit meiner Arbeit als Trainer zu erreichen.“

Der Teamgedanke

Er berichtet auch, dass es in der heutigen Zeit eine größere Herausforderung geworden sei, ein Team aufzubauen und zusammenzuhalten: „Früher war der Verein gleichzeitig der Freundeskreis.“ Heute bewegten sich die Jugendlichen in viel mehr unterschiedlichen Kreisen, und auch eine gewisse Verbindlichkeit und Verantwortung, die man als Teammitglied habe, falle vielen erstmal schwerer und sei nicht mehr so selbstverständlich wie früher. Auch diese Wertevermittlung gehöre zu seiner Tätigkeit als Trainer und bereite ihm große Freude, erklärt Zimmermann. Es freut ihn immer wieder zu sehen, wenn eine Mannschaft gewachsen ist und sich Teamgeist entwickelt hat.

Mannschaften trainieren, das sei für Zimmermann schon immer wichtiger gewesen, als selbst zu spielen, obwohl er selbst einige Zeit in der Herrenmannschaft des Vereins aktiv war. In normalen Zeiten macht das Training einen großen Teil seines Lebensinhalts aus: Zweimal die Woche findet Training statt, und im Jahr gibt es rund zwölf Spieltage. Trainer will er auch noch so lange wie möglich bleiben.

„Die Mädels hatten die Idee“

Aber Zimmermann will sich keinesfalls mit fremdem Ruhm schmücken: „Die Challenges waren Ideen aus der Gruppe, also von den Mädels“, betont er. Räumt aber auch ein: „Klar, für das ganze Organisatorische und dafür, dass die Sache dann wirklich läuft, da bin dann größtenteils ich verantwortlich.“ Der wöchentlich stattfindende Spieleabend seit Pandemiebeginn, der Zimmermanns Idee war, erfreut sich ebenfalls großer Beliebtheit. Über diesen können sich auch die Mitglieder der verschiedenen Mannschaften untereinander besser kennenlernen, was die Spielerinnen sehr begrüßten.

Sorgen macht sich Zimmermann ein wenig in Bezug auf den Nachwuchs des Vereins: „Durch Corona werden uns letztlich 1,5 Jahre fehlen, in denen wir keinen Nachwuchs ausbilden beziehungsweise für den Verein gewinnen konnten.“ Schließlich gehe es auch darum, die Jüngeren und die Älteren aneinander zu gewöhnen und die Jüngeren in den Verein einzugliedern. „Die älteren Spielerinnen sind da oft auch Vorbild für die Jüngeren“, weiß Zimmermann. Ebenfalls schade findet er, dass das 40-jährige Bestehen des Vereins in diesem Jahr nicht gefeiert werden konnte – das soll aber auf jeden Fall nachgeholt werden. Irgendwann, wenn nach Corona wieder Feiern, Spielen und Trainieren erlaubt ist.

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