Kaiserslautern
Kaiserslautern stimmt Wanderwegekonzept zu – was heißt das jetzt?
Gut möglich, dass es seine letzte gewichtige Rede war in dieser seit fast 30 Jahren schwelenden Diskussion. Am vergangenen Freitagmorgen also sprach Klaus Weichel (SPD) vor dem Bezirkstag in Schifferstadt, und dort warb er mal wieder für eine Idee, deren Geburt er hautnah miterlebt hatte. Als Hauptvorsitzender des Pfälzerwald-Vereins (PWV) sei er einst schon damit konfrontiert gewesen, sagte Weichel, Anfang der 2000er war das. „Wenn wir jetzt noch weitere fünf Jahre warten, dann wird sich diese Chance nicht mehr so schnell bieten“, warnt Kaiserslauterns Oberbürgermeister a.D. vier Tage nach der Sitzung im RHEINPFALZ-Gespräch. „Wir müssen hier eine Ordnung schaffen, eine Dachmarke.“ Der Wanderer solle es einfacher haben, fordert Weichel, er brauche optische Einheitlichkeit. Denn so, wie es jetzt ist im Wald, stifte das nur Verwirrung. In ziemlich vernichtender Manier redete der Politiker am Freitag von einem „touristischen Desaster“.
Weichel, der stellvertretende Vorsitzende des Bezirkstags, gilt als absoluter Verfechter dieses Gedankens: eines neuen, von langer Hand geplanten Wanderwegekonzepts für den Pfälzerwald. Erarbeitet worden ist es längst, gesponsort mit Geldern aus dem Mainzer Wirtschaftsministerium. Seit drei Jahren liegt das Papier nun auf dem Tisch – unter anderem sieht es eine Eindampfung des Wegenetzes vor, von 3500 auf schlanke 1950 Kilometer, sowie einheitliche Markierungen. „Alles für eine bessere Übersicht“, mahnt Weichel.
Bis 2028 soll Kaiserslautern rund 24.200 Euro zahlen
Um das Programm aber wirklich umsetzen zu können, muss der Bezirksverband Pfalz, der als Projektträger agiert, gehörig Überzeugungsarbeit leisten. Und zwar bei allen 25 Städten und Verbandsgemeinden, auf deren Gemarkung die betroffenen Waldwege liegen: von Winnweiler im Norden bis Bad Bergzabern im Süden. Laut Weichel haben sich elf Kommunen bis heute noch gar nicht positioniert, eine, die VG Freinsheim, steht den Plänen kritisch gegenüber, vier wollen zustimmen – und neun haben das bereits getan. Darunter Kaiserslautern, per Stadtratsbeschluss am 23. Juni. „Der Wald ist eines unserer größten Pfunde“, betonte damals etwa Ursula Düll, die Fraktionschefin der CDU. Ihr Kollege von der SPD, Patrick Schäfer, pflichtete ihr bei: „Wie wichtig er für die Menschen ist, hat man während Corona gesehen.“ Mit dem neuen Konzept, so Schäfer, könne das Lautrer Stück des Pfälzerwalds, über dem majestätisch der Humbergturm thront, zu einem „Wander- und Tourismusmagneten“ werden.
Bei drei Nein-Stimmen der AfD hat der Rat hier den Beitritt zu einer „Kooperationsvereinbarung“ abgesegnet – zwischen dem federführenden Bezirksverband und seinen Partnern von PWV, Pfalz Touristik und den zum Teil noch unentschiedenen 25 Kommunen. Von Eisenberg bis Pirmasens war in den vergangenen Monaten nicht selten von einer „Wanderrevolution“ im Biosphärenreservat die Rede. Doch was kommt da zu auf die Stadt? An Arbeit, an Pflege. Vor allem: an Kosten.
Nachzulesen ist das alles im Vereinbarungsentwurf vom 17. März 2025. Darin heißt es, dass aus den Traditionswegen des PWV ein neues Netz entworfen werden soll, dessen „qualitativ hochwertigen Zustand“ alle Beteiligten „in einer intensiven Partnerschaft“ künftig erhalten. Zwei Millionen Euro teuer soll das Projekt im Komplettpaket sein – wobei das Land eine 75-prozentige Förderung in Aussicht stellt. Bleibt ein Betrag von rund 500.000 Euro, den die 25 Kommunen und der Bezirksverband stemmen müssen. Berechnet werden die einzelnen Beiträge je nach Anteil am Markierungsnetz. Mit 88,42 der 1950 Kilometer – 4,5 Prozent der Wegstrecke – liegt Kaiserslautern im Mittelfeld der „Liga“. Angeführt wird sie von der VG Dahner Felsenland (207 km), Schlusslicht ist Grünstadt (1,9 km). Ersten Kalkulationen zufolge entfallen auf die Stadt bis 2028 Kosten von gut 24.200 Euro, zusammengesetzt aus 18.100 Euro für Material und Montage in der Gemarkung sowie 6100 Euro für die Planung. Zum Vergleich: Als Wander- und Wegeparadies der Pfalz müsste die VG Dahner Felsenland rund 32.000 Euro zahlen.
Finanziert mit gespartem Geld nach Pfalz-Touristik-Aus
Für die nächsten 15 Jahre sollen dann ab 2028 weitere 3700 Euro jährlich die städtische Kasse belasten, ist zu lesen. Aufgewendet werden sie für eine zentrale Stelle der Pfalz Touristik, die sich um Vermarktung und Qualitätssicherung der Wege kümmert. Was nicht ganz uninteressant ist, schließlich hat Kaiserslautern seine Mitgliedschaft im pfälzischen Tourismusverband zum Jahreswechsel gekündigt – nach eigener Aussage wegen zu hoher Kosten. Auf die Frage, wie die notorisch klamme Stadt die Beteiligung am neuen Konzept finanzieren will, antwortet sie jetzt: mit dem eingesparten Geld durch den Austritt aus der Pfalz Touristik. Zumindest bei einer Dachmarke „Wanderbare Pfalz“ würde die Kooperation also fortgesetzt. Zwangsweise.
Abgeschlossen sein sollen die Markierungsarbeiten bis Ende 2028. Grundsätzlich verpflichten sich die Partner Hand in Hand zu einer „dauerhaften Pflege“, heißt es in der Vereinbarung. Später aber, so sieht es das Papier vor, gehört es zu den Kernaufgaben der Kommunen, auf ihren Strecken „für einen guten wanderbaren Zustand“ zu sorgen. In Eigenregie. Beschilderungen, die Beseitigung von umgestürzten Bäumen, Begehbarkeit, Umleitungsmanagement bei gesperrten Abschnitten, der enge Austausch mit der Pfalz Touristik – das alles obliegt in Zukunft der Stadtverwaltung. Helfen soll ihr dabei die Expertise des PWV, einer ehrenamtlichen Kontrollinstanz.
Und wie steht die Lautrer Ortsgruppe des Pfälzerwald-Vereins zu dem angekündigten Umbruch?
Lautrer PWV sieht in neuem Konzept mehrere Vorteile
In den Reihen des gerade geretteten Klubs begrüßen sie den Vorstoß, auch wenn „die Informationslage noch recht dünn ist“, wie Dariusch Purkabiri sagt, der frisch gewählte zweite Vorsitzende. „Der Pfälzerwald ist für viele Menschen Erholung und Genuss pur“, teilt er auf Nachfrage mit. „Wenn der Zugang über besonders ausgewiesene Wege erleichtert wird, ist dies ein Fortschritt.“ Als Vorteile des Konzepts verspricht sich Purkabiri eine bessere Werbung für die Region und mehr Tourismus in Kaiserslautern – gleichzeitig allerdings warnt er vor zu harten Eingriffen in die Infrastruktur. Kilometer einstampfen, das dürfe nicht bedeuten: Wanderwege abschaffen. Abseits der Hauptrouten, so Purkabiri, müssten die Pfade für Einheimische und Kenner des Waldes weiter bestehen. So könnten viele „ein unvergessenes Erlebnis in Ruhe“ wahrnehmen, sagt er, im Einklang mit der Natur. Nach der Umgestaltung bis 2028 wird die Aufgabe seiner Ortsgruppe größtenteils das sein, was der PWV ohnehin seit jeher macht: Wege warten, Mängel feststellen und melden, kleinere Arbeiten durchführen. Routine eben.
Klaus Weichel, der Ex-OB und Bezirkstagsvize, appelliert jedenfalls inständig an die zwölf unentschlossenen Städte und Verbandsgemeinden, Kaiserslautern nachzuziehen – und grünes Licht zu geben für die Idee des Wegekonzepts. „Damit können wir endlich in ein gemeinsames Marketing einsteigen“, sagt Weichel. Die Umsetzung scheint zum Greifen nahe. Noch bis September haben die Kommunen Zeit, sich zu entscheiden.
