Judo
Kaiserslautern: Langsam kommt immer mehr Leben ins Dojo
Judo hat es ganz schön gebeutelt. Lange war der Sport komplett in der Viren-Abstellkammer. Auch das Dojo am Heinrich-Heine-Gymnasium (HHG) in Kaiserslautern war verwaist. Keiner durfte rein. Kein abklatschendes Knallen auf der Matte, wenn einer der Kämpfer zu Boden ging. Kein Schweiß, der ob dem harten Training sonst in Strömen floss. Nichts! Ein paar Spinnen zogen ungestört ihre Netze, das war alles.
Mit großen Auflagen ging es irgendwann für die HHG-Judotrainer Uli Scherbaum, Hannah Ertel und Aydin Kempirbaev zurück in das Dojo. Mit kleinen Gruppen und mit reichlich Auflagen. Aber sie waren zurück. „Es war echt ein Aufatmen bei allen zu spüren“, spricht Uli Scherbaum für das Trainerteam und die insgesamt 31 HHG-Judokas.
Den fünf Dummys war es wahrscheinlich ziemlich egal, ob nun Training stattfand oder nicht. Sie standen parat, durften angepackt und geworfen werden. Die schweren Wurfpuppen waren im Frühjahr extra angeschafft worden, um wenigstens ein wenig Nähe zu ermöglichen. Techniktraining war so zumindest in gewisser Weise wieder machbar. Dann kam kurz vor den Sommerferien der große Aufschrei der Erleichterung. „Sich gegenseitig wieder am Kittel anfassen zu dürfen, das war echt ein Erlebnis“, blickt Scherbaum auf die Freude der Judoschüler zurück, als der Dummy wieder durch einen Partner aus Fleisch und Blut ersetzt werden konnte.
Im Dojo fällt die Maske
Nun, die Sommerferien sind vorbei, die ersten Schulwochen geschafft. Die Judokas aus fast allen Klassenstufen trainieren nach wie vor unter großen Auflagen. Die Maske tragen sie allerdings nur bis ans Dojo, dann darf sie fallen. Die Angriffe, die Verteidigung, das Kontern, das Fallen und Aufstehen, es fühlt sich für die Judokas schon wieder ziemlich normal an, wenn auch im Trainingsraum immer nur eine überschaubare Gruppe ist und ohne Unterschriften vor dem Betreten samt Desinfektion danach nichts läuft.
Die Motivation, neben der Schule noch intensive Trainingseinheiten zu absolvieren, hat bislang noch nicht wesentlich gelitten. „Die Motivation ist hoch“, stellt jedenfalls Trainer Scherbaum mit Anerkennung fest. Immerhin fehlen die Turniere und damit die Anreize, die Leistungssportler nun mal brauchen. Bis Ende des Jahres gibt es kein Qualifizieren für Meisterschaften, kein „Jugend trainiert für Olympia“. Dem Nachwuchs fehlt also insgesamt ein ganzes Wettkampfjahr.
Aber es gibt einen Sonnenstrahl am Ende eines vom Virus verseuchten Tunnels. Die internationale Welt-Judo-Tour nimmt langsam wieder Fahrt auf. Ab Herbst gibt es erste internationale Wettkämpfe. Der Budapester Grand Slam findet Ende Oktober statt, gefolgt vom Grand Slam in Tokio im Dezember. Die World Judo Masters werden dann Anfang 2021 in Doha ausgetragen. Alle drei Veranstaltungen sollen Qualifikationspunkte für die Olympischen Spiele 2021 in Tokio bieten. Außerdem sind auf kontinentaler Ebene weitere Veranstaltungen bis zum Jahresende geplant.
Ein Hoffnungsschimmer
Diese vom Deutschen Judobund verkündeten Neuigkeiten sorgen auch am HHG für Erleichterung. Zwar kehrt erstmals nur die Judo-Weltelite, zu der auch die ehemaligen HHGler Jasmin Grabowski (geb. Külbs) und Alexander Wieczerzak gehören, auf die Wettkampfmatte zurück. Aber das gibt Hoffnung auf den Start der nationalen Judokämpfe Anfang 2021. Und noch ein Hoffnungsschimmer glänzt am HHG. Der 16-jährige HHG-Judoka Samuel Mendel hat eine Einladung zum Nationalkader-Lehrgang nach Kienbaum für Mitte September vom Deutschen Judobund erhalten. Das HHG hat wieder neue junge Judo-Eisen im Feuer.