Kaiserslautern
Kaiserslautern: Bei Real geht die Angst um
Die Metro AG will die Supermarktkette Real verkaufen. Davon betroffen wäre auch der Standort im Pfalz-Center in der Mannheimer Straße. Die Stimmung bei den 128 Mitarbeitern ist am Boden. „Wir wissen gar nicht, ob und wie es weitergeht“, sagte Betriebsratsvorsitzender Manfred Wulf am Donnerstag der RHEINPFALZ.
Es ist nicht das erste Mal, dass die Nerven der Real-Mitarbeiter strapaziert werden. Immer wieder gab es Verkaufsgerüchte. Das geht schon seit Jahren so, berichtet Petra Günther, die seit 20 Jahren bei Real beschäftigt ist. Es gehe definitiv die Angst um. Tragisch sei, so Betriebsratsvorsitzender Manfred Wulf, dass ein Großteil des Personals schon älter ist, etliche Mitarbeiter nur noch ein paar Jahre bis zur Rente haben.
Der Name Kaufland fällt
Die Informationen, die dem Betriebsrat zur Verfügung stehen, sind dürftig. „Wir wissen lediglich, dass bis Ende Januar der Verkauf an das deutsch-russische Konsortium X-Bricks vollzogen werden soll.“ Es sei unklar, welche Märkte an Wettbewerber weiterverkauft werden, wo die Lichter ausgehen und wo Real bleibt, so Wulf. Die Hoffnung bei der Belegschaft im Osten der Stadt ist groß, dass es weitergeht, vielleicht Kaufland kommt. Kaufland, bislang in Kaiserslautern in der Nähe des Krankenhauses vertreten, hatte beispielsweise in Pirmasens die Nachfolge von Real angetreten. „Das würde auch vom Sortiment und von der Größe her passen“, findet Petra Günther.
Was den Standort angeht, sind die Mitglieder des Real-Betriebsrates optimistisch. „Wir haben viele Kunden aus dem Landkreis, aus Hochspeyer, Enkenbach-Alsenborn, Amerikaner kaufen bei uns ein“, berichten sie. Ein großes Plus sei die große Auswahl, die es im Pfalz-Center sonst so gibt. Real gehört neben dem Discounter Aldi, Drogeriemarkt Rossmann und dem Modepark Röther zu den Ankermietern. „Hier kriegen sie alles“, sagt Robin Hammel, der auf über 20 Geschäfte verweist, „Apotheke, Geldautomat, Reisebüro, Friseur, Blumenladen, Lotto-Annahmestelle mit Post, Schlüsseldienst, Bäcker“. Viele Kunden schätzten es, bei schlechtem Wetter im überdachten Untergeschoss zu parken und dann die Rolltreppe nach oben nehmen zu können.
Im Jahr 2011 wurde groß investiert
Wulf sagt, der Kaiserslauterer Real-Markt stehe vergleichsweise gut da. Richtig groß investiert worden sei zuletzt im Jahr 2011. Damals war der Markt verkleinert worden, auf 7000 Quadratmeter Verkaufsfläche. Dennoch gebe es Baustellen, die dem Personal das Leben schwer machten. So falle die Leergut-Annahme öfter aus. „Die Automaten sind total veraltet. Das ärgert die Kunden.“ Dafür sei das große Sortiment in dem SB-Warenhaus fast ein Alleinstellungsmerkmal. „Vor allem seit es kein Warenhaus mehr in der Innenstadt gibt, sind die Leute froh, dass es bei uns noch Kurzwaren, Textilien, Bettwäsche, Nähzeug, Elektronikartikel und Spielwaren gibt, die ganze Palette“, erklärt eine Mitarbeiterin, die seit 25 Jahren dabei ist. Sie erinnert daran, dass es früher zwei weitere Real-Märkte in der Stadt gab, in der Merkurstraße und in der Pariser Straße.
Günther sagt: „Wir hoffen, dass es hier auch in Zukunft Lebensmittel geben wird, wenn es wirklich zum Real-Verkauf kommt.“ Wenn in der Mainzer Straße ein neuer Supermarkt gebaut werde, sei das nicht förderlich. Ein Außendienst-Mitarbeiter habe ihr gesagt, dass es schon jetzt ein Überangebot an Verkaufsfläche für Einzelhandel gebe, betont Iris Christmann.
Die Mitglieder des Betriebsrates fürchten bei einer Übernahme vor allem um das Gehalt der Mitarbeiter. „Wir werden schon länger nicht mehr nach Tarif bezahlt, viele Unternehmen wollen nur noch Teilzeitkräfte einstellen“, beklagt Christmann. „Am wichtigsten ist, dass wir unsere Arbeitsplätze behalten“, findet der Betriebsratsvorsitzende. Aber derzeit sei nicht einmal klar, ob es überhaupt Interessenten für den Kaiserslauterer Real-Standort gibt.
„Der Handel hat keine Lobby“
Auf Hilfe aus der Politik hofft kaum jemand aus dem Betriebsrat. „Anders als die Automobilindustrie haben wir im Handel keine Lobby“, so Günther. Das sehe man schon an den Ladenöffnungszeiten, die politisch gewollt seien. Bei Real ist täglich, auch samstags, von 8 bis 22 Uhr geöffnet. „Auf den Umsatz wirkt sich das nicht aus, auf die Personalkosten schon.“
Eine Metro-Sprecherin erklärte, dass sie sich im laufenden Verkaufsprozess nicht zu einzelnen Standorten äußern könne. Die Wahrung der Mitarbeiter-Interessen sei für den Metro-Vorstand ein zentrales Thema in den Verkaufsgesprächen. „Wir setzen uns dafür ein, dass mit den Märkten auch die Mitarbeiter von den übernehmenden Unternehmen weiterbeschäftigt werden.“ Eine freiwillige Gesamtbetriebsvereinbarung sehe für alle Real-Mitarbeiter eine soziale Absicherung vor, die trotz aller Bemühungen durch betriebsbedingte Kündigung ihren Arbeitsplatz bei dem übernehmenden Lebensmitteleinzelhandel verlieren. Dadurch werde die Metro ihrer sozialen Verantwortung gerecht.