Kaiserslautern Kaiserslautern 90 Minuten Köln

„Steh auf, mach laut, mach richtig laut!“ Den Titel des neuesten Höhner-Albums nahmen die 300 Gäste im rappelvollen SWR-Studio am Donnerstagabend bei der SWR4-Sendung „Wir bei Euch“ wörtlich und begrüßten die Kölner Kult-Band jubelnd, schreiend und von Anfang an hielt es keinen auf den Sitzen. Den Irrungen und Wirrungen des Alltags setzten die sechs „Hühner“ Lebenslust entgegen, und genau das riss die Zuhörer mit.
So war die Barbarossastadt eineinhalb Stunden lang fest in der Hand der Kölner, die Fans lernten hautnah, was „echt kölsches Lewensjeföhl“ heißt. Ab dem ersten Song „Das geht nie vorbei“ bot das Sextett einen Mix aus Rock, Pop und Faschingsmusik, der einen unwiderstehlichen Sog ausübte. Da verschmolzen Elemente aus Gospel, Country und Rhythm ’n’ Blues. Seit 42 Jahren sind die Höhner aktiv, und immer noch sind sie so pfiffig keck und schlitzohrig wie zu ihren Gründerzeiten. Die Quelle des Jungbrunnens scheint niemals zu versiegen. „Wir stehen in der Pflicht, uns immer wieder neu zu erfinden“, beschreibt Keyboarder und Höhner-Urgestein Peter Werner die Dynamik, aus der „Mach laut!“ schöpft. Und der lange Blonde am Bass, Hannes Schöner, bezeichnet die „Hot Six“ in ihren schwarzen, mit Litzen verzierten Uniformen als „gruppendynamisches Langzeitexperiment“. So zielen Songs wie „Schön dat du do bes“, „Bliev he als Fründ“ oder „Himmelhochhigh“ mitten ins Herz. Dann aber wieder heißt es „Hände hoch! Die Fahnen weh’n“ und die Zuhörer recken die Arme hoch und schwenken sie im Takt der Musik. Bei „Ohne dich“ gehen die Hände runter bis fast zum Boden und gaaanz laaangsam strecken sie sich „hoooch“, alles singt „Ohne dich, ohne dich, du bist die Nummer Eins für mich“, und die Grundfeste des Emmerich-Smola-Saals fängt an zu beben. Noch höher steigt das Stimmungsbarometer bei dem „Himmel“-Song und „Zesammeston“, die die Höhner auch bei beim Konzert „Rock gegen Rechts“ im Schatten des Doms singen werden. Da musste Henning Krautmacher mit dem gezwirbelten Sauerkraut-Schnauzer gar nicht groß animieren. Das Publikum war nicht mehr zu bändigen. Zumal er die Besucher mit seinen stechenden Augen anblitzte. In einem Slang aus Altkölsch und Neudeutsch („Tankstellen-Kölsch“), dessen bodenständiges Vokabular biegsamer, weicher und schmiegsamer klingt als Hochdeutsch, wusste er immer wieder zu begeistern. Besonders wenn er die Vokale betonte, dass es nur so knarzte, krächzte und schnarrte, ging das durch Mark und Bein. Umjubelt wurde auch immer wieder Leadgitarrist John Parsons, der auf seinen sechs Saiten ein Feuer entfachte, während Hannes Schöner einen unentwegt pulsierenden Bass als Hauptschlagader für einen mitreißende Klang-Konstruktion auslegte. Dazu lieferte Janus Fröhlich einen komplexen Rhythmusteppich, den „Jungspund“ Jens Streifling auf der Rhythmus-Gitarre kräftig unterstützte. Für den „guten Ton“ an Keyboard und Akkordeon sorgte „Profi-Ur-Hohn“ und „Profi-Kölner“ Peter Werner, der sagt, dass man ihn aus Köln rausholen könne, aber niemals Köln aus ihm. Da durfte zur Zugabe natürlich das „Viva Colonia“ und „Maat et jood“ nicht fehlen. (Foto: Girard)