1. FC Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Junger Engländer baut Fritz-Walter-Stadion aus Lego-Steinen

Joe Bryant aus England baut das FCK-Stadion aus Lego-Steinen. Über den Fortschritt informiert er unter dem Profilnamen „AwayDayJ
Joe Bryant aus England baut das FCK-Stadion aus Lego-Steinen. Über den Fortschritt informiert er unter dem Profilnamen »AwayDayJoe« auf Instagram und Youtube.

Joe Bryant liebt Fußball und Lego – dies vereint er beim Bau von Stadien. Sein aktuelles Projekt: das Fritz-Walter-Stadion. Vielleicht kommt dieses nach Kaiserslautern.

Die Baustelle am und im Fritz-Walter-Stadion lichtet sich allmählich: Der Rasen ist grün, die Arbeiten an den Rängen sind abgeschlossen. Obwohl noch das Tribünendach gebaut und die Außenanlage um einige Bäume ergänzt werden muss, könnte auf dem satten Grün des Spielfeldes der Ball rollen – jedoch nur im Miniaturformat. Und nicht auf Deutschlands höchstem Fußballberg in Kaiserslautern, sondern in Crawley, einer Stadt mit etwas mehr als 100.000 Einwohnern rund 50 Kilometer südlich von London.

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In seinem Zimmer fügt Joe Bryant seit knapp zwei Jahren Stein für Stein zusammen, um das Kaiserslauterer Fußball-Mekka möglichst detailliert nachzubauen – aus Lego-Steinen.

Den ersten Kontakt zu den bunten Klemmbausteinen hatte Bryant als Fünfjähriger. Damals „habe ich, wie wohl die meisten Kinder, klassische Lego-Sets aufgebaut“. Es dauerte allerdings nicht lange, bis er die Steine auch ohne Anleitung an- und aufeinanderdrückte. Er gestaltete Lego-Tribünen für das alte Subbuteo-Fußballfeld – ein Tischfußball-Spiel – seines Vaters, inklusive Lego-Figuren als Zuschauer „der packenden Partien“, wie der heute 17-Jährige mit einem Schmunzeln verrät.

Der Blick ist auf die Westkurve gerichtet, der Ball liegt bereit. Bryant muss noch das Dach des Stadions bauen. Die Lego-Steine
Der Blick ist auf die Westkurve gerichtet, der Ball liegt bereit. Bryant muss noch das Dach des Stadions bauen. Die Lego-Steine hierfür sind bereits geliefert worden.

Während eines Türkei-Urlaubs mit seiner Familie lernte er, damals neun Jahre alt, deutsche Fußballfans kennen. Gemeinsam schauten sie sich Spiele der Fußball-Bundesliga an. Der deutsche Fußball habe es ihm direkt angetan. Und zwar so sehr, dass er sich bis heute mit dem Geschehen in der Ersten und Zweiten Bundesliga beschäftigt. Kaum aus der Türkei zurückgekehrt, startete er eine neue Lego-Mission: alle Erst- und Zweitligastadien aus Lego nachbauen.

Bryant schlägt dabei zwei Fliegen mit einer Klappe. „Ich liebe die bunten Steine, und ich liebe Fußball-Stadien. Lego gibt mir die Chance, beides zu vereinen“, schildert Bryant, der sich für Medienwissenschaften interessiert und sich vorstellen kann, einmal als Fußball-Kommentator zu arbeiten.

Youtube-Videos 1,2 Millionen Mal aufgerufen

Sein Lego-Stadion-Erstlingswerk als Zehnjähriger sei der Borussia-Park in Mönchengladbach gewesen. „Das war das erste Stadion, das ich in Deutschland besucht hatte. Allerdings war das fertige Modell nicht so detailreich wie die Stadien, die ich mittlerweile baue. Ich bin darin deutlich besser geworden“, sagt der 17-Jährige, dessen Fußballherz für Ipswich Town schlägt: Die Mannschaft von Trainer Kieran McKenna spielte vergangene Saison in der Premier League, schlug dort unter anderem den FC Chelsea und Tottenham Hotspur, stieg letztlich aber in „The Championship“ ab, also in die zweite englische Liga.

 Der 17 Jahre alte Bryant baut die Modelle in seinem Zimmer.
Der 17 Jahre alte Bryant baut die Modelle in seinem Zimmer.

Bis dato hat der 17-Jährige 20 Stadien gebaut – darunter 17 von deutschen Erst- und Zweitligisten: Borussia Mönchengladbach, 1. FC Köln, Bayer Leverkusen, Schalke 04, FC Nürnberg, FSV Mainz 05, FC Augsburg, Werder Bremen, VfL Bochum, Hertha BSC, SC Freiburg, VfB Stuttgart, Borussia Dortmund, VfL Wolfsburg, Union Berlin und Eintracht Frankfurt – und nun das Fritz-Walter-Stadion in Kaiserslautern. „Außerdem habe ich das Stadion von RSC Anderlecht in Belgien, Hibernian Edinburgh in Schottland und von meinem lokalen Club, Crawley Town, gebaut.“

Fotos statt Bau-Software

Am Baufortschritt lässt Bryant die Menschen im Internet teilhaben. Dort unterhält der junge Engländer unter dem Namen „AwayDayJoe“ einen Instagram- und einen Youtube-Kanal.

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Ersterem folgen mittlerweile 9400 Menschen, und seine Videos auf auf Youtube (mehr als 6100 Abonnenten) sind bis heute fast 1,2 Millionen Mal aufgerufen worden. Letztlich war es auch seine Netz-Fangemeinde, die den Stein zum Bau des Fritz-Walter-Stadions ins Rollen gebracht hat. „Ich war als Elfjähriger schon mal dort und war mir sicher, das Stadion einmal für den Verein und die Fans bauen zu wollen. Später habe ich auf meinem Instagram-Kanal eine Abstimmung gemacht, und die Nutzer wollten unbedingt das Fritz-Walter-Stadion.“

Das Bild zeigt die Westkurve von hinten und einige Details des Turms.
Das Bild zeigt die Westkurve von hinten und einige Details des Turms.

Um seine Bauwerke zu planen, nutzt Bryant keine Software, sondern greift auf Fotos zurück. „Als ich anfing, habe ich die Stadien besucht und selbst Bilder gemacht. Das klappt heute nicht mehr. Da auch Google nicht immer detailreiche Fotos bereithält, frage ich manchmal Fans oder die Clubs selbst – bisher immer mit Erfolg.“ So habe ihm ein FCK-Fan sogar ein Video geschickt, damit Bryant einen besseren Eindruck erhält. „Die Kaiserslautern-Fans waren einfach spitze.“ Anhand der Fotos berechnet Bryant die Größenordnung des Modells und legt los. Der Bau der Modelle – das des Fritz-Walter-Stadions ist 1,22 Meter lang und 0,9 Meter breit – laufe allerdings nicht immer so, wie es sich der 17-Jährige vorstellt. „Wenn ich nicht glücklich damit bin, reiße ich das Modell auch schon mal ab und beginne von vorne.“

Die Lego-Höhle südlich von London

Sein Zimmer im Haus seiner Familie verwandelt sich an Bautagen, wie er sie nennt, in eine Lego-Werkstatt. „Dann ist der Platz schon beengt und man muss aufpassen, wo man hintritt“, betont Bryant. Derzeit befinde sich neben dem Fritz-Walter-Stadion auch das Modell des Dortmunder Signal-Iduna-Parks in seinem Zimmer.

Seine Eltern haben mit Bryants Werkstatt kein Problem. „Solange ich aufräume. Denn mein Vater hasst es, auf Lego-Steine zu treten.“ Außerdem hatte sich vor einigen Jahren im Hause Bryant ein kleineres Unglück ereignet: Seine Mutter habe versehentlich das Staubsauger-Rohr auf das FC-Augsburg-Modell fallen lassen. „Da war ich natürlich nicht begeistert, und ich vermute, meine Mutter darf Augsburg bis heute nicht betreten.“

Manchmal kommt es dicke. Joe Bryant nach seinem Handbruch im Krankenhaus. Zu allem Überfluss mussten die Ärzte das FCK-Trikot ze
Manchmal kommt es dicke. Joe Bryant nach seinem Handbruch im Krankenhaus. Zu allem Überfluss mussten die Ärzte das FCK-Trikot zerschneiden, um ihn zu versorgen.

Am Fritz-Walter-Stadion arbeitet Joe Bryant seit fast zwei Jahren. Das sei ungewöhnlich. Normalerweise plane er für den Bauprozess drei Monate ein. Wegen einiger wichtiger Klausuren in der Schule und langer Lieferzeiten der Steine habe sich der Bau des Fritz-Walter-Stadions immer wieder verzögert. Zu allem Überfluss stürzte Bryant im Juli 2024 bei einem Sprung mit seinem BMX-Rad – „ich baue in meiner Freizeit nicht nur Lego“ – und zog sich einen komplizierten Hand-Bruch zu. Er musste zweimal operiert werden und konnte monatelang nichts machen, da Nerven beschädigt worden waren. „Ich hatte am Tag des Sturzes zudem mein FCK-Trikot an. Das wurde im Krankenhaus von den Ärzten zerschnitten. An dem Tag ging irgendwie alles schief.“ Den Sturz hat Bryant mittlerweile abgehakt und den Schaffensprozess des Betze-Stadions wieder aufgenommen.

Modell gerne nach Kaiserslautern bringen

Bei seinen bisherigen Modellen hat Bryant im Schnitt rund 7000 Lego-Steine verbaut, beim Fritz-Walter-Stadion werden es nach der Fertigstellung annähernd 10.000 sein. Das kostet natürlich etwas. Geht man von einem durchschnittlichen Teile-Preis von zehn Cent aus, wird das Modell des Betze-Stadions letztlich rund 1000 Euro kosten. „Auch wenn das meinem Vater gefallen würde, werde ich leider nicht von Lego gesponsert. Ich zahle die Steine größtenteils selbst.“ Zuletzt sei er von den Sponsoren von Hibernian und Crawley mit dem Bau eines Modells beauftragt worden. „So konnte ich etwas Geld verdienen, um Teile fürs Fritz-Walter-Stadion zu besorgen.“ Dessen Bau will Bryant nach Möglichkeit im September beenden.

Bryant hat viele transparente Steine für den Bau der Nordtribüne benutzt. Auf diese musste er ob der Lieferzeiten einige Zeit wa
Bryant hat viele transparente Steine für den Bau der Nordtribüne benutzt. Auf diese musste er ob der Lieferzeiten einige Zeit warten.

Mehreren Vereinen hatte Bryant frühere Lego-Modelle überlassen, diese hätten im Gegenzug die Kosten für die Steine übernommen. „Dafür kann ich den Vereinen nicht genug danken. Denn ohne sie könnte ich letztlich nicht weiterbauen.“ Fertige Modelle seien derzeit in Anderlecht, Mainz, Bremen, Bochum, Berlin (bei Hertha BSC und Union), Freiburg, Stuttgart, Wolfsburg und Frankfurt zu bewundern. Der 17-Jährige hofft darauf, das Modell des Fritz-Walter-Stadions nicht nur in den sozialen Medien zeigen zu dürfen, sondern auch persönlich in Kaiserslautern, sodass die Fans es hautnah sehen können.

Mit Vertretern des 1. FC Kaiserslautern – der Verein verfolgt die Arbeit des 17-Jährigen auf Instagram – habe er noch nicht offiziell über die Möglichkeit gesprochen, das Modell im Fritz-Walter-Stadion zu zeigen. Eine RHEINPFALZ-Anfrage dazu ließ der Verein ebenfalls unbeantwortet. Der Verein Lauter Steine, der die Lego-Ausstellung auf dem Kaiserslauterer Gartenschau-Gelände organisiert, würde Bryant bei seinem Vorhaben allerdings unterstützen. „Wir würden sicherlich einen Platz finden, um das Modell zu zeigen – natürlich auch mal am liebsten mit ihm als Baumeister dabei“, sagt Vereinsvorsitzender Martin Schild. Denkbar sei, das Modell in die Gartenschau-Ausstellung zu integrieren. „Das Modell hat eine schöne Größe, eine, die man auch ausstellen kann.“ Der rund 100 Mitglieder starke Verein könne beispielsweise bei der Logistik – zum Beispiel beim Transport oder bei der Pflege des Modells – mit anpacken, vielleicht auch bei der Sponsorensuche: „In jedem Fall würden wir uns freuen, wenn das klappt.“

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