Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Jugend forscht: Schülerinnen und Schüler präsentieren ihre Projekte in Kaiserslautern

Lilly Ayan und Lorena Schneider, Schülerinnen des Heinrich-Heine-Gymnasiums, untersuchten die Auswirkungen von Reifenabrieb auf
Lilly Ayan und Lorena Schneider, Schülerinnen des Heinrich-Heine-Gymnasiums, untersuchten die Auswirkungen von Reifenabrieb auf Gewässerlebewesen.

Beim Regionalwettbewerb Jugend forscht präsentierten 55 Schülerinnen und Schüler am Samstag in der Kundenhalle der Sparkasse Kaiserslautern 31 Forschungsarbeiten.

Gymnasiasten aus Kaiserslautern und Landstuhl waren mit 16 Arbeiten vertreten – das Heinrich-Heine-Gymnasium alleine mit zwölf Beiträgen. Wo gewöhnlich Geldgeschäfte an der Tagesordnung stehen, lenkten am Vormittag Tische mit Infotafeln, Demonstrationen und Experimenten die Aufmerksamkeit von Juroren auf sich. Danach hatte die Öffentlichkeit Gelegenheit, sich von der Ideenvielfalt der Teilnehmer zu überzeugen. 19 Arbeiten aus der Sparte „Jugend forscht Junior“ (vierte Klasse bis 14 Jahre) und zwölf Arbeiten aus der Sparte „Jugend forscht“ (15 bis 21 Jahre) waren zur Begutachtung ausgestellt. An den Ständen warteten die jungen Forscher darauf, einer Fachjury und Besuchern ihre Arbeiten vorzustellen.

Die Beiträge stammten aus den Bereichen Mathematik/Informatik, Chemie, Biologie, Geo- und Raumwissenschaften und Arbeitswelt. Die meisten Arbeiten, elf an der Zahl, kamen aus der Sparte Chemie. Das Interesse der Jugendlichen galt beispielsweise „Möglichkeiten der Bakterienhemmung durch Hausmittel“, „Bioakkumulation von Kupferionen bei Morcheln“, „Wirkung von Zahnpasten“, „Müll vermeiden – Schulhof gestalten“ oder auch der „Reaktion von Insekten auf unterschiedliche Lichtfarben“.

Kaugummi für Spangenträger

Emily Zhang (13) und Elena Mahmud (12), Schülerinnen des Heinrich-Heine-Gymnasiums, waren auf der Suche nach einem Kaugummiersatz. Emily trägt seit einem Jahr am Ober- und Unterkiefer eine Zahnspange. Und sie mag Kaugummi. Doch als Zahnspangenträgerin hat ihr Kaugummikauen keinen Spaß mehr gemacht. „Normales Kaugummi bleibt an Brackets und Drähten immer festkleben“, sagt sie. Für Emily und Elena war das der Anlass, ein Kaugummi zu entwickeln, das sich nach einer gewissen Zeit im Kontakt mit Speichel in kleinere Teile auflöst, damit es nicht zwischen den Brackets stecken bleibt. Dazu haben sie mit Fruchtsaft, Zitronensaft, Xylit, einer ähnlichen Süße wie Haushaltszucker, Apfelpektin und einem ätherischen Öl experimentiert. Sie haben Brackets auf Holzschienen befestigt und sie mit einer Wasser betröpfelten, gummiartigen Masse gegeneinandergeschlagen. Zwar löse sich die gummiartige Masse mit der Zeit in kleinere Teile, doch hätten sich die Brackets nach kurzer Zeit gelöst. „Gar nicht so einfach, ein Kaugummi für Zahnspangenträger zu entwickeln“, meint Elena. Während sie weiter auf „Center Shock Kaugummi“ steht, wird Emily noch eine Weile auf Kaugummis verzichten müssen. Experimente für ihr Projekt durften die Mädchen im „Additum“, einer Arbeitsgemeinschaft, die das Gymnasium am Nachmittag anbietet, durchführen.

Reifenabrieb und Gewässer

Lilly Ayan (15) und Lorena Schneider (16), Schülerinnen des Heinrich-Heine-Gymnasiums, haben sich in ihrer Arbeit mit der Auswirkung von Reifenabrieb von Fahrzeugen auf Gewässerlebewesen befasst. „Täglich fahren Tausende Autos über Straßen und Autobahnen. Dabei entsteht Reifenabrieb, der durch Regen und Oberflächenabfluss in Bäche, Flüsse und Seen geschwemmt wird, in denen sich diverse Mikroorganismen befinden“, erläutert Lilly. „Wir haben uns dafür interessiert, wie der Reifenabrieb Lebewesen in Gewässern, insbesondere das Wachstum von Algen, beeinflusst“, ergänzt Lorena. Algen spielten eine wichtige Rolle für die Wasserqualität und Nahrungsketten. Ein Beitrag im Deutschlandfunk hat sie auf die Problematik aufmerksam gemacht. In mehreren Versuchsreihen sind sie ihrer Fragestellung nachgegangen. Dabei verwendeten sie Proben mit und ohne Reifenabrieb und unterschiedlicher Abriebmenge. Wöchentliche Messungen zeigten, dass Reifenabrieb das Wachstum von Algen hemmt. Doch hätten die Messergebnisse geschwankt. Dünger optimiere die Wachstumsbedingungen. Dennoch sei das Algenwachstum ohne Reifenabrieb stärker, informiert Lilly. Um aussagekräftige Informationen für die Umwelt zu erhalten, müsse man zudem Licht und Temperaturen berücksichtigen. Ein halbes Jahr haben die Schülerinnen an ihrem Projekt gearbeitet. Sie wollen es weiterverfolgen.

Vorgärten und Temperaturen

Mit zehn Jahren gehört Johanna Brauch zu den jüngsten Teilnehmern des Wettbewerbs. Sie wohnt in Weidenthal im Pfälzerwald und besucht das Burggymnasium in Kaiserslautern. In der Stadt sind ihr Vorgärten mit unterschiedlichen Materialien aufgefallen. „Warum gibt es eigentlich noch Steinvorgärten, obwohl diese in Kaiserslautern aus klimatischen Gründen verboten sind“, fragte sie sich. Im Urlaub hat sie bemerkt, dass man auf dunklem Sand wärmere Füße als auf hellerem bekommt. Johanna untersuchte daraufhin die Temperaturen von Materialien wie Gras sowie weißem und schwarzem Kies. Dazu hat sie ihre Experimentierfelder in vier Boxen nachgebaut und im Wintergarten unter Rotlichtmessungen untersucht, welche Materialien klimatisch für einen Vorgarten geeignet sind. Ihr Fazit: Ein Vorgarten mit schwarzem Kies sei für das Klima einer Stadt nicht zu empfehlen. Schwarzer Kies mit Pflanzen sei nicht optimal. Eine Grasfläche und eine Fläche mit weißem Kies habe die niedrigste Temperatur aufgewiesen. „Wenn es viele Schottergärten in einer Stadt hat, wird es dort wärmer als in Städten sein, in denen Wert auf begrünte Gärten gelegt wird“, sagt Johanna.

Leichen verschwinden lassen

Luisa Zerr (18) und Anne Deegen (19), zwei Abiturientinnen des St.-Franziskus-Gymnasiums, haben sich für ihr Projekt von Krimiserien wie „Criminal Minds“ und „Bones – Die Knochenjägerin“ beeinflussen lassen. „Der stumme Tod – ein gelöstes Problem“ haben sie ihr Thema genannt. Geht das überhaupt, Leichen so einfach verschwinden zu lassen? Dazu haben sie experimentell erforscht, welche Auswirkungen verschiedene Säuren und Basen auf unterschiedliche Gewebe des Körpers von Hühnern und Schweinen haben und welche Schlüsse man daraus auf menschliche Leichen übertragen kann. Entsprechende Experimente haben sie sowohl mit rohem als auch mit gekochtem Fleisch durchgeführt. „Wir wollten testen, ob sich eine Leiche besser zersetzt, wenn man sie vorher kocht“, erläutern Luisa und Anne. Dazu haben sie mit Substanzen wie Salpetersäure, Salzsäure, Essigsäure, Schwefelsäure, Kaliumhydroxid und Natriumhydroxid mit gekochtem und rohem Muskelfleisch von Schweinen experimentiert. Zwischendurch haben sie Mark Benecke, einen Kriminalbiologen und Spezialisten für Forensik, kontaktiert und sich nützliche Hinweise für ihre Arbeit geben lassen. Ihr Fazit: Kaliumhydroxid sei die beste Substanz zur Zersetzung von Körpergewebe.

Die Preisträger

Fachgebiet Arbeitswelt: 1. Fabian Vöhringer, Carlos Römer (Gymnasium Edenkoben, Käthe-Kollwitz-Gymnasium, Neustadt); 2. Valerie Römer, Hanna Römer (Grundschule Dr.-Albert-Finck-Schule, Neustadt); 3. Ava Lincoln (Heinrich-Heine-Gymnasium, Kaiserslautern).
Fachgebiet Biologie: 1. Helene Bauer, Nayla Menezes do (Heinrich-Heine-Gymnasium, Kaiserslautern); 2. Isabell Müller, Julia Klaus, Romy Müller (St. Matthias-Schule, Bitburg); 3. Sofie Jordan, Amira Darovska, Jakob Heßler (Heinrich-Heine-Gymnasium, Kaiserslautern).
Fachgebiet Chemie: 1. Ruqaiya Eldesouky, Milena Sattler, Salomé Sittel (Heinrich-Heine-Gymnasium, Kaiserslautern); 2. Silas Heß, Leon Freyer (Veldenz Gymnasium, Lauterecken); 3. Elena Mahmud, Emily Zhang (Heinrich-Heine-Gymnasium, Kaiserslautern).
Fachgebiet Geo- und Raumwissenschaften: 1. Johanna Brauch (Burggymnasium Kaiserslautern); 2. Etienne Muth, Nils Altes (Veldenz Gymnasium, Lauterecken); 3. Roderich Anders, Carl Seitz (Gymnasium an der Stadtmauer, Bad Kreuznach).
Fachgebiet Biologie: 1. Selin Sayilgan, Alina Michelle Ayan (Heinrich-Heine-Gymnasium, Kaiserslautern); 2. Lilly Ayan, Lorena Schneider (Heinrich-Heine-Gymnasium, Kaiserslautern); 3. Ekin Ciftci (Sickingen-Gymnasium, Landstuhl).
Fachgebiet Chemie: 1. Leonard Moritz Schmidt, Lukas Julian Weiler (Heinrich-Heine-Gymnasium, Kaiserslautern); 2. Sofie Siering (Privates Johannes-Gymnasium, Lahnstein); 3. Luisa Zerr, Anne Deegen (St.-Franziskus-Gymnasium, Kaiserslautern).
Fachgebiet Mathematik/Informatik: 1. Jakob Fuß (Otto-Schott-Gymnasium, Mainz-Gonsenheim); 2. Fabian Ternis (Heinrich-Heine-Gymnasium, Kaiserslautern); 3. Fiona Jung (Sickingen-Gymnasium, Landstuhl).
Zahlreiche Wettbewerbsteilnehmer wurden mit Sonderpreisen ausgezeichnet.

Johanna Brauch, Schülerin des Burggymnasiums, hinterfragte die Auswirkungen von Schottergärten auf das Stadtklima.
Johanna Brauch, Schülerin des Burggymnasiums, hinterfragte die Auswirkungen von Schottergärten auf das Stadtklima.
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