Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Jetzt kommt Fernwärme im Stadion: Der FCK, die alte Heizung und ein Notfallplan

Vor der Westkurve des Kaiserslauterer Fritz-Walter-Stadions laufen die Arbeiten für den Fernwärmeanschluss der WM-Arena von 2006
Vor der Westkurve des Kaiserslauterer Fritz-Walter-Stadions laufen die Arbeiten für den Fernwärmeanschluss der WM-Arena von 2006.

Minusgrade – und die Rasenheizung im Fritz-Walter-Stadion streikt. Um das zu verhindern, wird in der Sommerpause mit Hochdruck gebaut. Ein Großprojekt mit engem Zeitplan.

Einmal wäre es fast so weit gekommen: Ein Spieltag stand an und die Heizung im Fritz-Walter-Stadion fiel aus. Ein kalter VIP-Bereich – höchst unangenehm. Doch der Ausfall der Rasenheizung – das hätte zur Katastrophe werden können, wäre doch womöglich die Partie abgesagt worden. Es bleibt ein Konjunktiv. Die Probleme mit der alten Anlage waren bekannt, es gab einen Notfallplan. Eine mobile Heizzentrale stand bereit, um einzuspringen. „Der Fehler konnte damals noch rechtzeitig gefunden werden“, erinnert sich Peter Nonnemacher, Geschäftsführer der WVE GmbH Kaiserslautern – Wasser Versorgung Energie. Gemeinsam mit der Stadtwerke Kaiserslautern Versorgungs-AG (SWK), der städtischen Stadiongesellschaft als Eigentümerin der Immobilie und dem 1. FC Kaiserslautern, dem Mieter des Stadions, arbeitet die WVE am Austausch der alten Heizanlagen. Schon länger laufen dazu Gespräche, erklärt Architekt Volker Barth, der sich bei der Stadiongesellschaft engagiert. 2024 begann die Konzeption, der Zeitplan sah vor, die Heizung bis ins Jahr 2027 zu ersetzen. Jetzt wird es deutlich schneller gehen. Bis Ende 2025 soll die WM-Arena von 2006 mit Fernwärme beheizt werden, die drei Erdgas-Anlagen mit fünf Kesseln haben dann ausgedient. „Aufgrund der Gefahr einer Havarie“ der alten Anlage, erklärt Christian Ehwein, Abteilungsleiter Dienstleistungen der SWK, den Zeitdruck.

Fernwärme ist wirtschaftlichste Lösung

Ende vergangenen Jahres wurde ein fester Anschluss für die mobile Heizzentrale installiert, um bei Bedarf rasch reagieren zu können. Parallel hatten die Stadtwerke in einer Studie verschiedene Energieträger für das Stadion verglichen, auch Pellets oder Hackschnitzel waren Optionen, erklärt Marco Kadel, Büroleiter der Stadiongesellschaft. Doch die hätte man vor Ort vorhalten müssen, der Anlieferverkehr wäre dazu gekommen und die Abgase im Wohngebiet, zählt Barth auf. Letztlich sei die Fernwärme die wirtschaftlichste Option gewesen, so Kadel. Rund 750.000 Euro wird die Stadiongesellschaft die Umrüstung kosten, im Akkordtempo sei ein Zuschussantrag bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gestellt worden. Bis zu 346.000 Euro könnten von dort als Förderung fließen. Solch ein Projekt binnen eines Jahres umzusetzen, sei keinesfalls selbstverständlich, unterstreicht Nonnemacher. Das gelinge nur, weil hier auch bei den ausführenden Firmen lokale Akteure am Werk seien, die die Bedeutung des FCK für Kaiserslautern kennen. Und weil die Absprachen zwischen SWK, WVE, Stadiongesellschaft und FCK so reibungslos liefen.

Vom Fundament der geplanten Übergabestation laufen die Leitungen vor der Westkurve entlang.
Vom Fundament der geplanten Übergabestation laufen die Leitungen vor der Westkurve entlang.

Es ist schließlich kein gewöhnlicher Heizungstausch. „Wir haben es hier mit einem Kunden zu tun, der alle zwei Wochen bis zu 2000 Kilowatt braucht“, erklärt Ehwein. Zumindest könne man diese Leistung bei Bedarf zur Verfügung stellen, ergänzt Christian Hartung, Kundenberater Dienstleistungen der SWK. Durch einige Optimierungen im Stadion sollten es am Ende rund 1500 Kilowatt sein, die an Spieltagen benötigt werden, an anderen Tagen wohl nur ein Drittel.

Gearbeitet wird teils während der Saison

Und da ist die schiere Größe des Stadions. „Erst einmal ist man erschlagen“, sagt Thorsten Burgdörfer, der Projektleiter aufseiten der WVE. Die Tochter der Stadtwerke mit Expertise für regenerative Energien kümmert sich um die Verteilung der Fernwärme im Stadion. „Die Physik bleibt dieselbe“, sagt Burgdörfer. Auf dem Parkplatz vor der Westtribüne baut die SWK einen großen Übergabepunkt. Im Stadion selbst wird es fünf weitere Punkte geben.

Im Stadion wird in Teilen während der laufenden Saison gearbeitet. Seit März ist das Fritz-Walter-Stadion eine Baustelle, „ohne dass das jemand merken darf“, sagt Nonnemacher schmunzelnd. Schließlich soll es für die Zuschauer keine Einschränkungen geben. Inzwischen sind Verbindungsleitungen installiert sowie Übergabepunkte in den Technikräumen. Ein Großteil der Verrohrung im Stadion soll weiter genutzt werden.

Die Kreuzung Fritz-Walter-Straße/Hegelstraße ist aktuell gesperrt.
Die Kreuzung Fritz-Walter-Straße/Hegelstraße ist aktuell gesperrt.

Seit rund einer Woche sind die Arbeiten nun aber deutlich zu sehen. Die Kreuzung Fritz-Walter-Straße/Hegelstraße ist gesperrt. Dort verlegen die Stadtwerke 50 Meter Hauptleitung vom bestehenden Fernwärmenetz in der Hegelstraße, das im Vorjahr fertig wurde, in Richtung Stadion, wie Wolfgang Denzer, Teamleiter Planung und Baubetreuung bei den Stadtwerken, erklärt. Die kurze Sommerpause wird für die Arbeiten genutzt. Das Relegationsspiel der U21 des FCK hatten die SWK noch abgewartet und die 125-Jahr-Feier des Vereins, erläutert Ehwein.

Nun kratzen Baggerschaufeln über den harten Fels im Untergrund. „Das ist der Betzenberg“, sagt Denzer lachend, der Fels mache die Arbeiten nicht leichter. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite wurde eine Mauer geöffnet, ein Graben führt zum fertigen Fundament der Übergabestation. Das sechs mal neun Meter große Gebäude wird in Holzständerbauweise von der Firma CL-Tech errichtet, Graffiti-Künstler Daniel Ferino soll es gestalten. Von hier aus laufen die Leitungen dann über 120 Meter an der Westtribüne entlang zum Medientunnel, wie Burgdörfer erklärt. Über den Medienturm gelangt die Fernwärme ins Stadion und wird dort weiter verteilt.

Arbeiten müssen vor Jubiläumsspiel fertig sein

Bis zum 11. Juli sollen die Arbeiten auf dem Parkplatz vor der Westtribüne abgeschlossen sein, dann folgt der Innenausbau der Übergabestation. Denn schon am 26. Juli empfängt der FCK die AS Rom zum Jubiläumsspiel. Eine Woche später startet die Zweitligasaison – ob mit einem Heim- oder Auswärtsspiel ist noch offen. Wenn wieder Zehntausende auf den Betze strömen, darf von der Baustelle nichts mehr zu sehen sein.

In den Technikräumen wird statt der Wärme aus den Gaskesseln künftig die Fernwärme übergeben.
In den Technikräumen wird statt der Wärme aus den Gaskesseln künftig die Fernwärme übergeben.

Im Inneren des Stadions gibt es dann aber noch einiges zu tun, wie Burgdörfer erläutert. Die Einstellungen, die Verteilung der Fernwärme im Stadion sind komplex. Schließlich soll die Wärme überall dort ankommen, wo sie gebraucht wird, aber auch nur so viel wie notwendig. Das sei auch eine Kostenfrage für den FCK, der aufgrund von Urlaubszeiten aktuell keine Stellungnahme zum Projekt abgeben kann. Im Oktober, so Burgdörfer, sollen dann nach und nach die alten Heizkessel außer Betrieb genommen werden.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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