Kaiserslautern
Jetzt also doch: Sechs Berliner Kissen abgebaut
„Wir wollten einen Kompromiss finden, es ist ein Entgegenkommen und auch ein Vertrauensvorschuss für die Autofahrer“, erklärt der Beigeordnete Manuel Steinbrenner am Freitagmittag. Am frühen Morgen waren sechs Berliner Kissen entfernt worden. Steinbrenner betont, aufgrund der anhaltenden Kritik vor allem aus dem Ortsbeirat Erzhütten/Wiesenthalerhof sei im Arbeitskreis Radverkehr vor längerer Zeit beschlossen worden, vier Kissen wegzunehmen. Dass es jetzt sechs wurden, sei der aktuellen Situation geschuldet.
Seit Oktober ist die Erzhütter Straße wegen Bauarbeiten voll gesperrt. Seitdem läuft der Verkehr auch für Busse stadteinwärts über die Rütschhofstraße, die vor zwei Jahren zur Fahrradstraße umgewidmet wurde. Damals waren auf einer Strecke von 1200 Metern zwölf Bremsschwellen eingebaut worden – vor allem, um Raser zu stoppen.
Mehr und mehr gefährliche Situationen
Ortsvorsteher Thorsten Peermann erinnert daran, dass die Berliner Kissen von Anfang an umstritten waren. „Nicht alle Radfahrer finden sie gut.“ Und seit Busse durch die Rütschhofstraße rollen, sei es mehr und mehr zu gefährlichen Situationen gekommen. „Die Busse überfahren die Kissen mittig – und dann wird es für Radfahrer unter Umständen eng.“ Ihm gehe es um alle Verkehrsteilnehmer, betont Peermann. Aber zwölf Kissen seien einfach zu viel gewesen. „Da wurde teilweise vor jedem Kissen auf Null runtergebremst.“
„Die Kissen waren schnell abgebaut, sie sind auch sehr schnell wieder aufgebaut“, so der grüne Dezernent. Fußgänger und Radfahrer zu schützen, sei ihm wichtig. Er hoffe, dass weiterhin nicht zu schnell gefahren wird. Niemand wolle an der Radstraße rütteln, ganz im Gegenteil. „Es sollen viel mehr in der Stadt kommen. In einer idealen Welt kommen wir dort ohne Berliner Kissen aus.“ Die seien nur notwendig, damit Regeln wie Tempo 30 beachtet werden. „Was wir jetzt machen, ist der Versuch, mit weniger Kissen auszukommen.“ Ergänzend sollen am Straßenrand kleine Tafeln aufgestellt werden, auf denen angezeigt wird, wie schnell gefahren wird. Außerdem würden Banner aufgehängt, die erklären, was auf Fahrradstraßen erlaubt ist. Nämlich, dass Radler beispielsweise nebeneinander fahren dürfen. Punktuell sollen zudem Blitzer kommen.
„Ein schlechter Tag für den Radverkehr“
Für die Grünen im Ortsbeirat Erzhütten, die als einzige Fraktion gegen den Abbau der Berliner Kissen waren, erklärte Fraktionsvorsitzender Klaus Platz: „Ein schlechter Tag insbesondere für die schwächeren Verkehrsteilnehmer und für die Verkehrssicherheit in der Rütschhofstraße, ein schlechter Tag für die Akzeptanz des Radwegs, ein schlechter Tag für den Klimaschutz.“ Platz befürchtet, dass nun wieder gerast wird und damit die Verkehrssicherheit gerade für Radfahrer, Rollerfahrer und Fußgänger deutlich sinken wird. Er erklärt, er halte den Rückbau für falsch, weil er das Hauptproblem der weiten Umwege durch die Baustelle in der Erzhütter Straße nicht löse. „Viel sinnvoller wäre es gewesen, unter Beibehaltung der Kissen und Tempo 30 die Rütschhofstraße für den Auto- und Busverkehr in beide Richtungen zu öffnen.“
Auch die Aktivisten von KlimaLautern kritisieren den Abbau der Kissen. Petra Neumahr moniert, dass in Richtung Kläranlage gleich mehrere Kissen hintereinander entfernt wurden. Sie habe sich bislang als Radfahrerin auf der Rütschhofstraße sicherer gefühlt als auf anderen Straßen. „Wir brauchen sichere Radstrecken für Pendler und generell sichere und schnelle Radrouten durch die Stadt“, fordert Reena Urban. In der Rütschhofstraße hätten sich erneut die Autofahrer durchgesetzt, das sei nicht in Ordnung.
Keine Chance für Gegenverkehr
Die Rütschhofstraße für den Gegenverkehr zu öffnen, so lange in der Erzhütter Straße gebaut wird, sei nicht möglich, sagt Steinbrenner auf Nachfrage. Das lehne die Straßenverkehrsbehörde aus Sicherheitsgründen ab. Die Verwaltung berate aber noch über andere Möglichkeiten. „Uns lässt die Kritik der Bürger nicht kalt.“ So gebe es die Idee, Ruftaxis einzusetzen. Der Ortsvorsteher erklärt erneut, dass der Waldweg entlang der alten Klärschlammverbrennung nicht für Autos geöffnet werden kann. Ein Vergleich mit Dansenberg, wo es im nächsten Jahr eine Umleitung durch den Wald gibt, ziehe nicht. „Dort gibt es anders als bei uns keine alternative Wegführung.“