Kusel / Enkenbach-Alsenborn
Im Ostertälern und anderswo
Nicht von ungefähr trägt das 288 Seiten starke Buch, das demnächst auf den Markt kommt, den Titel „Vom Ostertal – Im Saarland und anderswo“. Herausgegeben wird das Werk vom Heimat- und Kulturverein Ostertal. Dessen Vorsitz hat Hans Kirsch seit langem inne.
Er ist Jahrgang 1944 und ehemaliger Polizeibeamter, der unter anderem ein dickleibiges, sorgfältig recherchiertes und sehr informationsdichtes Standardwerk zur Historie der uniformierten Ordnungshüter in und um Kaiserslautern geschrieben hat. Sein besonderes Augenmerk als Zeithistoriker gilt dem Dritten Reich.
Zuverlässiger Zeitchronist
Erst vor wenigen Wochen ist in den „Westricher Heimatblättern“ sein Aufsatz über Nazi-Bonzen in den Dörfern des Kreises Kusel erschienen. Hans Kirsch hat unter anderem die Sozial-, Feuerwehr-, Parteien-, Gewerkschafts- und Postgeschichte der Region dokumentiert, außerdem mehrere Dorfchroniken veröffentlicht. 2019 legte er eine Biografie des „Königs vom Ostertal“ vor, eines zwischen Erstem und Zweitem Weltkrieg amtierenden Dorfbürgermeisters namens König.
Das Ostertal ist Kirschs Heimat. „Die Oster“, so erläutert der gewerkschaftlich engagierte Ex-Polizist, „ist ein rund 31 Kilometer langer Bach im Nordosten des Saarlands“. Er entspringt bei Oberkirchen (Kreis St. Wendel) und mündet bei Wiebelskirchen (Kreis Neunkirchen) in die Blies. „Und das Tal, in dem der Bach fließt, heißt deshalb eben Ostertal“, sagt der Autor.
Brückenbau in der Westpfalz
Während der Arbeit an seinem Buch stellte er nicht ohne Überraschung fest, „dass es nicht nur im Saarland ein Ostertal gibt, sondern in mindestens acht weiteren Gebieten in ganz Deutschland“. Kirsch zählt auf: „In Rheinhessen in Dalheim, im Odenwald in Reichelsheim, im Teutoburger Wald in Detmold, in der niedersächsischen Stadt Salzgitter und dreimal in Bayern: im Landkreis Neu-Ulm im Allgäu, im Landkreis Oberallgäu bei Blaichach und in Ruhpolding im Chiemgau.“ Auch diese Ostertäler werden im Buch beschrieben und in Bildern dargestellt, ebenso ein Landschaftszug dieses Namens bei Enkenbach-Alsenborn.
Das Kapitel „Das Ostertal bei Enkenbach“ beschreibt die Senke, die in der Nähe des Daubenbornerhofs liegt und seit 1937 von der heutigen A6 überquert wird. „Wegen des Tals musste beim Bau der Autobahn an dieser Stelle eine Brücke errichtet werden, die so genannte Ostertalbrücke“, berichtet Hans Kirsch. Sie hatte eine Länge von 179 Metern, war 27 Meter hoch und wurde im Jahr 1937 fertiggestellt.
Als die Autobahn kam
Während des Kriegs wurde der Autobahnbau in Richtung Osten bei Frankenthal eingestellt. Nach Westen ging der Bau nicht über Landstuhl hinaus. Als sich bei Kriegsende die US-Truppen näherten, sprengten die zurückweichenden deutschen Militäreinheiten die Enkenbacher Ostertalbrücke in die Luft. Der Wiederaufbau erfolgte Anfang der 1950er Jahre, die Wiederherstellung einer zweiten Fahrbahn um 1960.
„Im Jahr 1978 verlor das Bauwerk jedoch seine bisherige Gestalt und seine äußere Erscheinung als Brücke“, weiß Kirsch. „In einer Großbaumaßnahme wurde das Tal bis zur Oberkante der Brückenpfeiler mit einer riesigen Menge an Grund aufgefüllt, so dass die Pfeiler nicht mehr zu sehen waren.“
Unsichtbares Großprojekt
Seitdem verläuft die Autobahn auf einem hohen und breiten Damm. Die frühere Ostertalbrücke ist damit unsichtbar geworden. Heimatfreunde aus der Umgebung haben Jahre später einen großen Sandsteinblock mit einer Gedenk-Inschrift aufgestellt: „Hier stand die Ostertalbrücke.“
Daneben informiert das anschaulich illustrierte Kompendium ganz allgemein über Bäche und Flüsse, über Begradigung und Renaturierung, Auswirkungen des Wohn- und Straßenbaus sowie über Geologie und Bodenformen des „richtigen“ Ostertals, das früher auch einmal Teile des Kreises Kusel einschloss.
„Ein erwachendes Umweltbewusstsein in Fachkreisen wie in der Gesamtgesellschaft“, so heißt es in der Buchankündigung, „führte in den 1970er Jahren zunächst zur Schaffung eines großen Biotops an der Tiefenbacheinmündung zwischen Niederkirchen und Werschweiler“. 20 Jahre später folgte eine Renaturierung des Bachlaufs zwischen Osterbrücken und Marth. Die 39 Nebenbäche der Oster stellt Hans Kirsch ebenso vor wie die vielen Wassermühlen, die es hier einmal gab.
Info
Hans Kirsch: „Vom Ostertal – Im Saarland und anderswo“. 288 Seiten, 25 Euro plus Versand.
Erhältlich auf Bestellung unter Telefon 06856 660 oder per E-Mail an familie.wailersbacher@t-online.de