Kaiserslautern „Ich therapiere nur die Zweibeiner, aber die merken das gar nicht“

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Sieht er selbsternannte „Hundeflüsterer“ in ominösen Doku-Serien ihr Unwesen treiben, kriegt der Mann Zustände. „Die schmeißen Futter durch die Gegend – verrückt“, hält Michael Nebeling wenig von den Fernsehstars seiner Zunft. Der 48-jährige Wahl-Fischbacher weiß es besser, wie er versichert. Wie gestörte Beziehungen zwischen Zwei- und Vierbeinern zu kitten sind, das will nun der Hunde-Verhaltenstherapeut und -ausbilder am Sonntag in Hohenecken zeigen. Was dahintersteckt, hat er vorab im Gespräch mit dem „Marktplatz Kaiserslautern“ verraten.

Herr Nebeling – laut Flyer decken Sie „die Irrtümer in der Hundeerziehung“ auf. Sie versprechen mächtig viel. Was erwartet Besucher denn in Hohenecken?

Ich erzähle da, was so alles schieflaufen kann zwischen Mensch und Hund. Und ich zeige es auch auf: Mit früheren Problemhunden, die keine mehr sind. Problemhunde? Gibt’s denn so was überhaupt? Nicht wenige Menschen vertreten doch die Ansicht, das Problem hänge niemals vorn an der Leine? Und die haben auch alle Recht, die das sagen. Es ist wirklich so. Es ist der Mensch, der alles verkehrt machen kann. Der Hund ist, wie er ist. Dazu gehört auch der Jagdtrieb. Den haben wir ja auch – beweisen ihn täglich im Aldi und bei Lidl beim Lebensmitteleinkauf, auch wenn wir Kleider kaufen. Wir müssen aber nicht mehr mit dem Speer in den Wald rennen. Der Hund aber muss noch jagen. Bei mir darf er das. Nichts anderes ist das Apportieren: Ich werfe das Stöckchen, der Hund bringt es mir. Er verdient sich sein Futter. Das kriegen Bello, Prinz und Co. aber doch im Napf serviert. Womöglich noch mit Peterle garniert. Eben. Das ist doch grundverkehrt. Der Hund kriegt sein Futterchen vorgesetzt, darf zweimal am Tag fünf Minuten fressen. Ansonsten langweilt er sich zu Tode, wird überhaupt nicht gefordert. Und fällt, weil es ihm schrecklich langweilig ist, über Briefträger her? Erschreckt Mütter mit Kindern und Senioren fast zu Tode? Hetzt auch Artgenossen über die Wiese? Na ja, ganz so ist es ja nun auch nicht. Das Problem ist: Fehlverhalten von Hunden ist in aller Regel auf Angst zurückzuführen. Aus Ängsten entstehen Phobien. Auch bei Hunden. Und da kommen dann manchmal grausame Sachen dabei raus. Dann passieren halt schlimme Dinge. Die sich vermeiden lassen? Natürlich. Dabei will ich helfen. Das habe ich zu meinem Beruf gemacht. Sie betreiben die Hundetherapie als Profession. Ja. Seit 2009. Vor drei Jahren bin ich in die Pfalz gekommen. War eher Zufall. Ich habe auf einer Hundemesse in Dortmund zwei verzweifelte Herrchen mit ihren Hunden getroffen. Die wussten nicht mehr weiter. Die Tiere haben gemacht, was sie wollten – und das war nix Gutes. Ich habe mich des Problems angenommen, die Herrchen haben mich weiterempfohlen. Und so habe ich mir einen kleinen Kundenstamm aufbauen können. Was haben Sie zuvor getrieben? Was Anständiges? Ich war in der Materialprüfung tätig. Manche Behälter, die bei Bayer oder BASF Verwendung finden, die wären nicht in Betrieb, wenn ich sie nicht mal irgendwann mit einem Stempel versehen hätte. Und jetzt erziehen Sie Hunde. Obwohl ihrer Deutung nach doch die Menschen der Therapie bedürften? Tja. Im Grunde therapiere ich ja auch nur die Zweibeiner. Aber die meisten merken das gar nicht. Das sagen Sie, obwohl lachend, doch recht deutlich. Nehmen Sie auch beim Vortrag kein Blatt vor den Mund? Nö. Ich rede schon mal gerne Klartext. Es soll schon ein bisschen unterhaltsam sein, wenn ich da auf der Bühne sitze. Ist übrigens nicht meine Welt. Tue ich, um auch ein bisschen für mich zu werben. Ist doch klar. Aber es geht ja auch um eine manchmal trockene Materie. Auf alle Fälle aber: Wer gut zuhört, kann viel Geld sparen. Das er sonst vielleicht für die Hundeschule aus dem Fenster wirft. Davon halten Sie nichts? Was soll das? Es geht los mit der Welpenschule. Dann gibt’s Kurse für Fortgeschrittene. Für erwachsene Hunde. Demnächst vielleicht noch Training für Seniorenhunde, die mit Rollator kommen? Es ist die falsche Richtung. Welpenschule – Blödsinn. Das wird oft mit Sozialisation verwechselt. Ist es aber nicht. Warum soll ich Hunde dazu zwingen, dass sie sich mit allen anderen Hunden beschäftigen? Auf sie zugehen? Wir Menschen quatschen doch auch nicht jeden an, der uns in der Fußgängerzone begegnet. Der Hund braucht sich für andere nicht zu interessieren. Auch nicht für Menschen? Wenn ein Hund keinen Fremden in die Wohnung lässt, stimmt was nicht. Wenn zu Hause Probleme herrschen, sind sie noch viel schlimmer, wenn es in die Öffentlichkeit geht. Sie kommen in jede Wohnung mit Hund rein? Klar. Bei großen Tieren bitte ich aber meine Kunden, sie erst mal anzuleinen. Bis dem Hund klar ist, dass ich zum einen keinerlei Angst vor ihm habe, ihm aber auch nichts Böses will. Spätestens nach fünf Minuten sind die Fronten geklärt. Dabei werfe ich nicht mit Futter um mich oder rassele mit dem Schlüssel oder einer Kette, wie es manch einer im Fernsehen vormacht. Am Schlimmsten: mit der Wasserpistole spritzen. Überlegen sie mal. Dann hat ein Kind in der Fußgängerzone eine Wasserpistole. Der Hund, zuvor so behandelt, denkt dann: ,Du, Kleiner, bevor Du mich damit triffst, schnapp’ ich Dich mir mal.’ Und all das merkt der Hund bei Ihnen schnell? Oder beißt er auch vorher schon mal gern zu? Er merkt es ganz schnell. In wenigen Minuten. Ich bin aber auch schon gebissen worden. Das kommt vor. Und was tun Sie dann? Mir nichts anmerken lassen. Sondern Haltung bewahren, den Hund in seine Schranken weisen – aber nie mit Gewalt. Tja, und dann gehe ich um die Ecke und weine, sehe nach, wie weh es wirklich tut. Info Michael Nebeling gibt am Sonntag, 11. Oktober, 18 Uhr, im Gymnastikraum der Grundschule Hohenecken Einblicke in seine Arbeit. Infos und Tickets zu 22 Euro: Telefon 01577 9031288, E-Mail hvt-nebeling@gmx.de, www.hvt-nebeling.de.

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