Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Hochwasser-Schutz: Warum alle Einwohner Kaiserslauterns dabei gefordert sind

Wo Starkregen nieder geht – wie hier am PRE-Park im Juni 2021 – lässt sich nur schwer vorhersagen. Deshalb setzt die Stadt auf e
Wo Starkregen nieder geht – wie hier am PRE-Park im Juni 2021 – lässt sich nur schwer vorhersagen. Deshalb setzt die Stadt auf eine breit angelegte Prävention.

Kaiserslautern wappnet sich gegen Hochwasser und Starkregen. Das Konzept dazu nimmt zwar die Stadt in die Pflicht. Eine wichtige Rolle spielen aber auch die Einwohner.

Was passiert, wenn es stark regnet? Bei mir zu Hause? Gibt es Stellen am Haus, wo sich Wasser schnell staut, wo es nicht abfließen kann, wo es sich gar einen Weg in den Keller bahnen kann? Was sind neuralgische Punkte? Und was kann ich als Hausbesitzer dafür tun, dass das Wasser erst gar nicht die Chance erhält, Schaden bei mir – oder beim Nachbarn – anzurichten?

Wer sich diese Fragen stellt, ist bereits mitten drin im Hochwasserschutzkonzept der Stadt. Oder besser: auf dem besten Weg dazu, sich das nun erstellte Konzept anzuschauen und auch zu nutzen. Fast 500 Maßnahmen zum Schutz vor Hochwasser und den Folgen von Starkregen listet das Konzept auf. 165 davon fallen in die Zuständigkeit der Stadt, bei 121 Maßnahmen sind Kaiserslauterns Bürgerinnen und Bürger gefragt. In den kommenden fünf Jahren soll der erste Teil des Maßnahmenpakets umgesetzt werden – entscheidend dazu beitragen können die Lautrer selbst, aber auch die Siegelbacher, Hohenecker, Erfenbacher oder die Menschen vom Einsiedlerhof: Das Konzept gilt für das komplette Stadtgebiet inklusive Stadtteile.

Kein Fluss, dafür ein Talkessel

In Kaiserslautern gebe es zwar kein zentrales Fließgewässer, dafür spiele die Talkessel-Lage der Stadt eine entscheidende Rolle, wenn es um den Schutz vor Wasser geht, erklärte Brita Knappstein vom Planungsbüro Reihsner in Wittlich. Das Unternehmen hat in Zusammenarbeit mit dem städtischen Referat Umweltschutz maßgeblich an dem Konzept gearbeitet. Das zielt vor allem auf die Prävention der teils drastischen Folgen von Starkregen-Ereignissen ab. Wo exakt und zu welchem Zeitpunkt große Niederschlagsmengen zu erwarten sind, das lasse sich kaum vorhersagen, weshalb die Bürgerinnen und Bürger gefragt seien, sich zu wappnen. Knappstein stellte auch die eingangs erwähnte Frage, die sich jeder Hausbesitzer und jede Wohnungseigentümerin im Stadtgebiet stellen sollte: Was passiert bei mir zu Hause, wenn es stark regnet? Sehr stark bis sintflutartig sogar?

Wie das Konzeptpapier, das bald auf der Homepage der Stadt einsehbar sein wird, gelesen und genutzt werden kann, illustrierte Knappstein am Dienstag bei der Vorstellung des Konzepts. Die Stadt wurde in insgesamt acht Bearbeitungsgebiete eingeteilt, der Stadtteil Hohenecken liegt beispielsweise im Gebiet Nummer zwei. Wer nun wissen will, welche Gefahren von Starkregen und Hochwasser drohen, und was dagegen getan werden kann, muss in der seinem Bearbeitungsgebiet zugeordneten Karte sein Wohnhaus suchen und finden. In den Karten sind die entsprechenden Defizite nahe der Wohnlage markiert und mit einem Kürzel kodiert. In den Anlagen des Konzepts sind zu jedem Defizit die entsprechenden, vorbeugenden Maßnahmen vermerkt. Was genau getan werden kann – und wer gefordert ist, Privatmensch oder die Öffentlichkeit –, geht aus den Steckbriefen zu den Maßnahmen hervor.

Mehr Grafiken und Karten, weniger Fließtext

Die Stadt habe bewusst auf eine detaillierte, schriftliche Ausarbeitung des Konzepts verzichtet, sagte die Leiterin des Umweltreferats, Bettina Dech-Pschorn, eher auf Karten, Grafiken und Steckbriefe gesetzt. „Ein 500 Seiten starkes Konzept, das liest keiner.“

„Das Thema betrifft viele Menschen, gefragt sind dabei nicht nur die öffentliche Hand, sondern auch Privatleute“, unterstrich Manuel Steinbrenner (Grüne). Es gehe darum, möglichst große Sachschäden von Häusern und Grundstücken fernzuhalten. In Kaiserslautern gebe es zwar keinen großen Fluss, dennoch „müssen wir was tun“, sagte Steinbrenner mit Blick auf Folgen von starken Regenfällen. „Hochwasserschutz ist eine Gemeinschaftsaufgabe“, pflichtete Knappstein bei. Der Schutz hänge dabei sehr von „individuellen Entscheidungen“ der Hausbesitzer ab. Muss der Keller geschützt werden, weil sich dort ein teurer Partyraum befindet – oder lagern dort nur Wasserkisten, die bei einem voll gelaufenen Keller leicht zu ersetzen sind? „Wie hoch die Gefährdung ist, muss selbst entschieden werden“, sagte Knappstein.

Was genau in den kommenden fünf Jahren – der Stadtrat hat einen Maßnahmenkatalog für die Jahre 2026 bis 2030 bereits im Dezember verabschiedet – passieren soll, stellte Hellen Hammoudi vom Umweltreferat der Stadt vor. So sollen beispielsweise in Mölschbach, nahe der Douzystraße, die Einläufe des dort fließenden Bachs saniert werden, so genannte dreidimensionale Einläufe gebaut werden. Ziel: Im Falle eines Hochwassers soll einer Verklausung entgegen gewirkt werden. Eine Verklausung ist, grob gesprochen, die Verstopfung des Einlaufes beispielsweise eines verrohrten Gewässers durch mitgeschwemmtes Treibgut. Das Phänomen kann ebenso an Brücken auftauchen.

Pläne reichen vorerst bis 2030

Obwohl es in Kaiserslautern keinen zentralen Fluss in der Innenstadt gibt, befinden sich auf dem Stadtgebiet dennoch rund 70 Kilometer an fließenden Gewässern, meist kleinere Bäche, ausschließlich in den Stadtteilen. „Vielen Anliegern an den Bächen ist nicht bewusst, was Lagerungen auf den Grundstücken im Falle von Hochwasser bewirken können“, sagte Dech-Pschorn. Hammoudi unterstrich in diesem Zusammenhang die Bedeutung von frei zu haltenden Abflüssen. Größeren Niederschlagsmengen werde auch im Wald vorgebeugt, wo sich vor allem abschüssige Wege in reißende Bäche verwandeln können: mit kleineren Rückhaltebecken in unmittelbarer Nähe von Wegen, so etwa im südlichen Stadtwald nahe dem Wildpark, aber auch an anderen Stellen im Wald.

Laut Dech-Pschorn sind im aktuellen Haushalt 100.000 Euro für die Umsetzung einiger Maßnahmen eingeplant, weitere rund 100.000 Euro sind im Etat ebenfalls eingeplant für den Gewässerunterhalt, was mittelbar ebenfalls dem Hochwasserschutz zugute kommt. In den kommenden Haushalten soll mindestens die gleiche Summe vorgehalten werden.

Info

Am 26. Februar wird das Hochwasserschutzkonzept bei einer Veranstaltung im Ratssaal des Rathauses vorgestellt. Um 17 Uhr geht es los. Zuvor, von 14 bis 17 Uhr, steht das Infomobil des Hochwasser-Kompetenz-Centrums (HKC) auf dem Willy-Brandt-Platz bereit und informiert über Schutzmaßnahmen.

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