Kaiserslautern Heiteres Spiel mit strenger Kunst

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Einen bedeutenden Repräsentanten der Konkreten Kunst und der zeitgenössischen Plastik in Deutschland präsentiert die Galerie Wack nach der Sommerpause: den 1940 in Mannheim geborenen Edgar Gutbub. Nicht nur künstlerisch hat er einen weiten Weg zurückgelegt.

Über Stationen in Berlin (Studium an der Kunsthochschule), Florenz, Paris und East Chatham im Bundesstaat New York (Stipendien) ging es für ihn als Gastprofessor an die Kunsthochschule Braunschweig und die Offenbacher Hochschule für Gestaltung. Bis vor kurzem lebte und arbeitete er in in Köln und Kirchberg-Mistlau, nun hat er seine Zelte an der Wupper aufgeschlagen, vereint Atelier- und Wohnräume im Bergischen, in Wuppertal. Sein künstlerischer Weg ist nicht minder beachtlich, was in der neuesten Schau der renommierten Kaiserslauterer Galerie auf den ersten Blick deutlich wird. Bereits im Genre drückt sich dieser aus: „Eigentlich bin ich ja ein Plastiker“, merkt Gutbub mit einem Lächeln aus verschmitzten Augen an. Doch bei Wack zeigt er vor allem Papierarbeiten, Collagen. Entstanden sind sie in der jüngsten Vergangenheit, etliche davon in diesem Jahr. Als weiteres Novum sind sie gekennzeichnet von einer mutigen Farbigkeit. Bis zu drei Töne kombiniert Gutbub, etwa ein dunkles Blau, ein kräftiges Rot und ein ebenso entschiedenes Gelb. Die für ihn so typischen geometrischen Elemente Quadrat, Rechteck und Dreieck erhalten so eine überraschende Vitalität, bekommen von Gutbub eine gute Portion Emotionalität mit. Ein Farbauftrag, der die Pinselstriche erkennen lässt, oder auch mal eine gerissene Papierkante unterstreichen diesen Eindruck von Lebendigkeit. Dementsprechend nennt er selbst seine Formen auch „Charaktere“. Wie bunte Bauklötzchen muten diese eigentlich so strengen Geometrien an, was zu einem weiteren Wesenszug der Gutbubschen Arbeiten führt: Man möchte mit den Flächen spielen, sie zusammensetzen wo sie aufgebrochen sind, sie drehen, kombinieren, ihre Maße spielerisch ergründen und den mathematischen Ideen nachspüren, die Gutbub seiner Kunst zugrunde legt. Eine erste Hilfestellung gibt der Künstler mit den Titeln seiner Arbeiten: „Zwei gleiche Dreiecke“ heißt es da etwa oder einfach „zwei gleichgroß“, „drei gleichgroß“. Gleichgroß also sollen sie sein, die aufgebrochenen, auseinander genommenen oder einfach nur im unterschiedlichen Raumzusammenhang präsentierten Elemente. Schwer zu glauben ist das manchmal, Gutbubs streng mathematisch begründete Kunst spielt an diesem Punkt mit der Wahrnehmung, mit Gesetzen der optischen Täuschung. Und dann gibt es sie doch noch in der Ausstellung, die Arbeiten, die ins Dreidimensionale loten – Wandreliefs und Wandplastiken. Neun davon sind den 18 Collagen sinnfällig an die Seite gestellt. Sie übersetzen das Spiel mit Form und Fläche in den Raum und strahlen dabei ebenso in ihre Umgebung aus wie die zweidimensionalen Exponate. Neben Volumina geht es darin erneut um das Spiel mit der Farbe, etwa wo sie sich in den Tiefen der Geometrien verändert. Sie ist also bunter, lebendiger, sinnlicher geworden, die Kunstwelt des Edgar Gutbub. Ohne dabei allerdings ihre grundlegenden Gesetzmäßigkeiten leugnen zu wollen. Wohin die Reise weiter geht – der sympathisch bescheiden auftretende Künstler weiß es nicht. „Jetzt ist alles möglich“ und „ich muss es ja machen, es hat sonst keinen Zweck“, ist er sich jedenfalls der Zukunft sicher. Wir sind gespannt.

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