Westpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Heimatkalender: Anekdoten und andere Erzählungen

Fast für alle Kreise in der Westpfalz erscheint Jahr für Jahr ein Heimatkalender. Deren Geschichte ist teils älter als die heuti
Fast für alle Kreise in der Westpfalz erscheint Jahr für Jahr ein Heimatkalender. Deren Geschichte ist teils älter als die heutige Gebietskörperschaft.

Jahrbücher sind so alt wie der Buchdruck. Auf regionaler Ebene haben die Heimatkalender eine nicht ganz so lange, aber angesichts der öffentlichen Haushaltslage bemerkenswert dauerhafte Tradition.

Der „Heimatkalender Südwestpfalz“ fürs Pirmasenser und Zweibrücker Land erscheint bereits im 64. Jahrgang. Er ist damit sogar älter als der Landkreis, der erst durch Zusammenlegung der beiden Gebietskörperschaften entstanden ist. Den „Westrichkalender Kusel“ gibt es laut Datenbank der Deutschen Nationalbibliothek wiederum sogar schon seit 1957.

Der „Hinkende Bote“

Dort ist das „Donnerberg-Jahrbuch“ ab 1978 verzeichnet. Aber ein „Historisch-statistisches Jahrbuch des Departements vom Donnersberge für das Jahr 9 der fränkischen Republik“ gab ein Friedrich Lehne, „Professor der schönen Wissenschaften auf der Hohen Schule zu Mainz“, schon anno 1801 heraus.

Das war zugleich die Entstehungszeit des noch heute verbreiteten Volkskalenders vom „Lahrer Hinkenden Boten“. Der im Schwarzwald-Städtchen Lahr erscheinende Almanach zeigte damals wie heute jenen einbeinigen Hausierer, der ihm seinen Namen gegeben hat.

Weil die Arbeit als Bote oder Handlungsreisender oft die einzige Berufsmöglichkeit für Kriegsversehrte war, erschienen bereits im Dreißigjährigen Krieg Kalender mit Titeln wie „Wahrhafftiger Post-Reutter“ oder „Colmarer hinkender Botte“.

Der Pfarrer, Lehrer und Schriftsteller Johann Peter Hebel, dessen „Kalendergeschichten“ noch heute gelesen werden, gab ab 1807 den „Rheinischen Hausfreund“ heraus. Ebenso fanden die literarisch geprägten „Musen-Almanache“ weite Verbreitung.

Neben anekdotischen und „lehrhaften“ Erzählungen standen anfangs landwirtschaftliche Themen im Vordergrund: Wetterregeln, Termine für Aussaat und Ernte, Los-Tage sowie die Daten von Viehmärkten und Verkaufsmessen. In katholischen Gegenden waren die Gedenktage der Heiligen wichtig. Astronomische und astrologische Daten rückten zugunsten regionaler, heimat- und volkskundlicher Themen in den Hintergrund.

Zeitweilig provozierte diese allzu volks- und heimattümelnde Ausrichtung das Vorurteil, die Jahrbücher seien hoffnungslos aus der Zeit gefallen. Da sie meist von (Kreis-) Verwaltungen herausgegeben werden, wirkten sie zudem manchmal anbiedernd und propagandistisch. Das konnten oder wollten die mehrköpfigen Redaktions-Teams manchmal nicht verhindern. Heute weiten sie immerhin das Themenspektrum aus, modernisieren den Sprachduktus und achten auf eine durchdachte Bebilderung.

So finden inzwischen soziale Themen, das Wirtschafts- und Vereinsleben sowie Generationsfragen angemessene Berücksichtigung. Etabliert und beliebt sind die grundsätzlich ehrenamtlich eingereichten Texte über Geschichte, Natur und Umwelt sowie „Menschen unserer Heimat“. In Gedichten und Erzählungen kommt auch die Pfälzer Mundart zu ihrem Recht.

Gesundheit und Hobby

Paargereimte Witze haben erfreulicherweise ausgedient, nicht jedoch Plattitüden wie eine Feststellung im Geleitwort des Kuseler Landrats: „Wieder ist ein Jahr vorüber und die neue Ausgabe unseres traditionsreichen Westrichkalenders liegt vor.“ Die Kollegin aus Pirmasens behauptet ernsthaft, ausgerechnet über die Ausgabe 2024 freue sie sich „ganz besonders“.

Das „Donnersberg-Jahrbuch“ setzt heuer einen fast 30-seitigen Themenschwerpunkt unter dem Titel „Gesundheit hat viele Facetten“. In Kusel heißt das Leitthema „Feste und Märkte“, im „Heimatkalender Südwestpfalz“ geht es um die „Herzenssache Hobby“. Das sind Themen, die bei guter Darstellung eine bunte, heterogene und womöglich große Leserschaft ansprechen können. Mit dem Begriff Heimat ist ja nichts anderes gemeint als Identifikation.

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