Kulturzentrum Kammgarn RHEINPFALZ Plus Artikel Harald Schmidt bei Deutschlandfunk – Kultur on Tour: Er schaut dem Volk aufs Maul

 Deutschlandfunk – Kultur on Tour machte mit Harald Schmidt und Moderator Korbinian Frenzel Station in der Kammgarn.
Deutschlandfunk – Kultur on Tour machte mit Harald Schmidt und Moderator Korbinian Frenzel Station in der Kammgarn.

Die Reihe Deutschlandfunk – Kultur on Tour gastierte am Sonntagmittag im Kulturzentrum Kammgarn in Kaiserslautern.

Moderator Korbinian Frenzel unterhielt sich mit dem bekannten Schauspieler, Kabarettisten und TV-Moderator Harald Schmidt.

Ans Aufhören denkt Schmidt, Urgestein der deutschen TV-Landschaft seit den 1990er Jahren, noch lange nicht, er reist im Gegenteil quer durchs Land, meist mit der Deutschen Bahn. Bei diesen Reisen findet er auch immer wieder neue Themen, wie er aus dem Nähkästchen plauderte. Und zu den Themen, die die Menschen heute in Deutschland bewegen, hatte er immer etwas zu sagen, in seiner unnachahmlich schnoddrig-coolen Art, unverblümt und direkt, dem Volk „aufs Maul geschaut“. Und das kam an in bis auf den letzten Platz besetzten Kammgarn, obwohl das sonnige Wetter zu einem Spaziergang durch die benachbarte Gartenschau einlud.

Festgelegte Wahlergebnisse

Wofür steht die Stadt Kaiserslautern? FCK, Pfälzerwald, Barbarossa-Stadt, AfD-Hochburg im Südwesten? Fußball fiele ihm sofort ein, meinte Schmidt dazu. Barbarossa? Das müsste man wohl erklären. AfD-Erfolge? „In Deutschland gibt es freie, gleiche und geheime Wahlen. Dann wird gewählt und die Politik muss damit umgehen. Die Alternative wäre: das Wahlergebnis vorher festlegen.“ Und könne man noch von „Rändern“ sprechen bei einer Partei, die inzwischen bei 26 Prozent der Stimmen liegt? „Solange die ,Brandmauer’ besteht, ist nur die Koalition der CDU mit der SPD möglich; vielleicht nimmt man die Grünen dazu. Oder Die Linke kommt – die will dann aber die Kanzlerin stellen.“

Im launigen Geplauder mit Korbinian Frenzel betonte er auch, dass die Stimmung der Menschen im Land auf ihn viel besser wirke als im Fernsehen dargestellt. „Deutschland am Abgrund – das ist für die Talk-Show-Industrie“, stellte der Branchen-Insider trocken fest. „Es gibt manche Veränderungen, was Industrie und Arbeitsplätze angeht. Es steht mir als Gast gar nicht zu, hier Analysen zu liefern und Warnungen auszusprechen. Ich bin heute Morgen im Zug von Mannheim gekommen und da hab’ ich gut gelaunte Leute getroffen, die gesagt haben: Wir wollen wandern gehen“, resümierte Schmidt.

Notarzt oder Hausmeister

Der unfassbare Bedarf an medialen Kurzschlagzeilen trägt nach Schmidts Dafürhalten viel zu dieser Stimmung bei. „Es gibt viel Jammern“, stellte er fest. „Die durchschnittliche Lebenserwartung sinkt von 83,6 auf 83,4 Jahre? Klar, die letzten zwei Monate sind der Hammer!“

Auch zu den Plänen zur Gesundheitsreform gab Schmidt Kommentare ab, vor allem zur geplanten Reform der Notfallversorgung. „Wir sollen ja nicht mehr sofort ins Krankenhaus gehen. Wenn ich das richtig verstehe, sollen wir jetzt im Call Center in Indien anrufen, ob der Notarzt kommen soll oder der Hausmeister?“

Timmy oder Oma?

Moderator Frenzel leitete daraufhin über zu „den wirklich wichtigen Themen, die das Land bewegen: Kommen wir zu Timmy!“ „In der Bildzeitung vom Samstag habe ich gelesen, dass manche Deutsche Timmy sprengen wollen.“ Bei einer Meinungsumfrage standen die Alternativen „in Ruhe lassen – 93 Prozent“, „retten – 11 Prozent“ und „sprengen – 35 Prozent“ zur Auswahl. Schmidts kurze Antwort lautete: „Ein ähnliches Ergebnis hätten wir auch, wenn die Frage heißt: Was tun mit Oma?“ Und dann wirft man Timmy Shrimps hin. Da würde doch eine Überschrift passen „Deutschlands faulster Wal – warum sollte der wegschwimmen?“

Für einen potenziellen neuen Bundespräsidenten hatte er einige Tipps parat: „Ich würde erst mal Reisen in Länder machen, wo es in der Beziehung kriselt – England, Frankreich, Italien, jeweils vier Wochen lang. Und dabei Fotos machen von Sachen, die ankommen, zum Beispiel Besuche in Bergwerken, mit Kohlestreifen auf der Wange.“

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